„Ich war nach dem Unfall ein anderer Mensch. Meine Freundschaften gingen an Textmangel ein." So beginnt der neue erotisch-voyeuristische Roman „Das Aquarium" von Thommie Bayer.
Als die junge, schöne, aber auch gelähmte Frau in die gegenüber liegende Wohnung mit großer Fensterfront einzieht, ist der in seiner selbstgewählten Einsamkeit lebende Barry fasziniert von dieser und beobachtet, wie sie ihr Leben meistert. Aus seiner ab diesem Zeitpunkt im Halbdunklen liegende Wohnung schaut er ihr zu, wie sie ihren Oberkörper trainiert, wie sie schreibt, ißt und schläft. Barry richtet sein Leben nach ihrem Tagesablauf und bewundert, wie sie ihr Leben ohne Hilfe meistert. Er will ihr zur Seite stehen, doch als sie ihn tatsächlich braucht, mißlingt ihm dies.
Er macht sich Vorwürfe und als sie an ihre Wand ihre E-Mail-Adresse in roten dicken Buchstaben schreibt, verändert sich die Geschichte. Er ist nicht mehr nur Beobachter, sondern wird auch ihr unsichtbarer Freund. June berichtet ihm die außergewöhnliche Geschichte ihres Lebens, die zudem erotisch und abgründig zu sein scheint. Schrittweise verwickelt sie ihn in ein bizarres Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit. Von Sehnsucht, Begierde, Leidenschaft, Hingabe bis hin zur Selbstaufgabe in Vergangenheit und Zukunft werden beide bestimmt.
Gleichzeitig versucht Barry sein Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen, denn auch ihn plagen Erinnerungen an seinen Unfall und seiner einzigen, jedoch nur zwei Tage andauernden Liebe. Auf der Suche nach der Erfüllung verstricken sich beide in ein ungewöhnliches Spiel der Gefühle.
Mit vielen Wendungen im Roman wird eine Geschichte offenbart, in der nichts ist, wie es scheint, und nichts bleibt, wie es war. Der Leser wird überrascht und durch die klare Schreibweise des Autors gefesselt. Der Roman enthält keine Unterteilungen in Kapitel, sondern Vergangenheit, Zukunft, Realität, Traum und vieles mehr sind durch Klammeraffen (@) getrennt, so daß es ein schnelles Lesen garantiert. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive des Barrys geschrieben. Thommie Bayer versteht es, mit den unterschiedlichsten Gefühlsebenen zu jonglieren. Es ist ein empfehlenswerter Roman, den man nicht aus der Hand legen kann, denn nichts ist, wie es scheint, und nichts bleibt, wie es war.
Bis auf wenige Veränderung ist das Hörbuch sehr nah an den Roman angelegt. Hierbei gibt es ein Wechselspiel zwischen den Sprechern Anna Thalbach, die der June ihre Stimme gibt, und Bernd Michael Lade, der den Barry verkörpert. Beide können durch ihre Stimmen, Intonation und ihrer eigenen Rhythmik dem Roman bzw. Hörbuch eine Realität und Wirklichkeit vermitteln. Auch dieses ist zu empfehlen.