Manche Männer haben es aber auch verdammt schwer, niemals alle Ansprüche, die sie stellen, in einem einzigen Mitglied des weiblichen Geschlechts erfüllt zu finden. Gefangen in einem ausweglosen Dilemma aus einer öden Ehe und einer pikanten Affäre beginnen sie ihre Bedürfnisse auf mehrere Partnerinnen aufzuteilen, verwandeln sich noch einmal in infantile kleine Jungs, die panische Angst davor haben, mit verräterischen Spuren von Lippenstift ins traute Heim zurückzukehren, während sie im selben Atemzug einen gestressten Blick auf ihre Uhr werfen und die heimliche Geliebte eloquent aufs nächste Mal vertrösten. Dabei sind sie gezwungen, sehr konspirativ zu agieren, schließlich droht bei Enttarnung als lebenslange Strafe meist ein einsames hochprozentiges Frusttrinken in Cocktail-Bars mit Bigband-Blues als Begleitmusik im Hintergrund. In die perfiden Machenschaften einer solchen besonders frivolen Sorte wenig bemitleidenswerter Sexprotze gerät auch Jack Lemmon als schnöder Karrierist C.C. Baxter in Billy Wilders wundervoller Screwball-Komödie "The Apartment". Baxter ist ein unsichtbarer Mensch in der anonymen New Yorker Alltagsmasse, der in das Korsett eines gnadenlosen Leistungssystems eingebunden ist und ein kümmerliches Dasein als unbedeutendes Rädchen in der gigantischen Maschinerie einer großen Versicherungsgesellschaft fristet. Obwohl der loyale Angestellte stets zuverlässig seine Arbeit verrichtet, steckt er nun in ernsthaften Schwierigkeiten. Die kleine graue Büromaus möchte nämlich unbedingt befördert werden. Um das zu erreichen, muss er jedoch seinen Vorgesetzten einen Gefallen erweisen, indem er ihnen in regelmäßigen Abständen sein Appartement als Vergnügungstempel zur Verfügung stellt, damit sich die libidinösen Schürzenjäger mit ihren neuesten Errungenschaften ungestört eine kreative Auszeit von ihren langweiligen Ehefrauen genehmigen können. Und genau hier beginnt das Missverständnis seinen verhängnisvollen Faden zu spinnen. Denn Buddy Boy, wie Baxter etwas despektierlich von seinen einflussreichen Bossen genannt wird, hat ein Auge auf die kecke Miss Kubelik geworfen, die als Fahrstuhlführerin in der Firma täglich seine Wege kreuzt. Er lädt sie ins Theater ein, wo er jedoch von der hübschen Fran versetzt wird, weil diese bereits eine Verabredung mit ihrer Sommeraffäre hat, hinter der sich kein Geringerer als der verheiratete Mr. Sheldrake verbirgt, Baxters Personalchef, dem er ausgerechnet ein paar Stunden zuvor noch die Schlüssel für sein Appartement im Tausch gegen die Theaterkarten geliehen hat. Als Fran durchschaut, dass sie von dem scheinheiligen Sheldrake nur ausgenutzt wird, entschließt sie sich in diesem ominösen Appartement nach einem enttäuschend verlaufenden Schäferstündchen mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen, was wiederum fatale Konsequenzen für den windigen Baxter hat, der Fran nach einer durchzechten Nacht mit stark alkoholisiertem Damenbesuch im Arm bewusstlos in seinem Bett auffindet. Denn die ganze Maskerade beginnt ihm jetzt krachend um die Ohren zu fliegen. Er bemüht sich zwar noch krampfhaft, das obszöne Spiel von Sheldrake weiter mitzuspielen und die schon am Einstürzen begriffene Fassade verzweifelt aufrechtzuerhalten, doch je mehr er auch versucht zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist, desto schneller gleiten ihm die Fäden aus den Händen. Aus jener raffinierten Wendung zieht dieser locker-flockig erzählte Screwball-Klassiker auch seinen unglaublichen Drive. Wegen einer profanen Beförderung läuft Baxter sehenden Auges in eine menschliche Katastrophe und im Prinzip macht dieser törichte Narr in seinem opportunistischen Verhalten wirklich alles falsch. Erst als ihn seine Bosse wie eine heiße Kartoffel fallen lassen und er merkt, wie sehr er Fran mag, kommt dieser schlagfertige Lügner zur Vernunft und ringt sich endlich dazu durch, seine Selbstverleugnung aufzugeben und seinen skrupellosen Gönnern die längst überfällige Abfuhr zu erteilen.
Auffällig ist, dass es Billy Wilder in diesem originellen Beziehungsfiasko stets gelingt, den richtigen Ton zu treffen und er selbst den melodramatischsten Momenten noch eine komische Note abgewinnt. Denn es gibt in diesem Film auch einige schwermütige Augenblicke, die richtig traurig sind und still und leise auf die Tränendrüse drücken, ohne dabei ins Kitschige abzugleiten. Alles andere würde auch an Heuchelei grenzen, weil die Liebe, wie im Falle der vom Pech verfolgten Fran, mitunter dazu neigt, tiefe Wunde zu schlagen. Vor allem aber Jack Lemmon, mit seinem markanten trotteligen Habitus des ewigen Zweiten, sorgt dafür, dass der Plot immer wieder rechtzeitig Richtung Screwball zurückkehrt, sodass ironischer Humor und bittere Tragik oft nah beieinander liegen. Wobei es Billy Wilder sich nicht nehmen lässt, so ganz nebenbei die Doppelmoral neurotischer Puritaner durch den Kakao zu ziehen, die sich extrem in Baxters Nachbarn manifestiert, die aufgrund des lustvollen Gestöhnes, das permanent durch die Wände zu ihnen vordringt, nur noch pikiert die Nase rümpfen und den biederen Junggesellen irrtümlicherweise für einen überirdischen Sexgott halten. Und auch das typisch amerikanische Erfolgsstreben bekommt sein Fett weg, wenn sich beispielsweise in der entmenschlichten Szenerie dieses klaustrophobischen Großraumbüros die monotonen Arbeitsabläufe in ihrem erbarmungslosen rhythmischen Takt nahtlos auf die Körperbewegungen des geplagten Baxter übertragen. Besser als in "The Apartment" kann man kaum ein derart verlogenes Leistungsprinzip, das auf ganz bigotte Weise sozialen Aufstieg durch Talent und Fleiß verspricht, der Lächerlichkeit preisgeben.