Angelos Chaniotis, u.a. in den 80er Jahren am Heidelberger Amnisos - Projekt beteiligt, liefert ein 120seitiges Büchlein über das antike Kreta. Jeder Archäologe denkt dabei zunächst an das minoische Kreta der Paläste wie Knosos, Phaistos und Mallia. Dieses Werk jedoch liefert neben zwei kursorischen Kapiteln zur Bronzezeit (minoisches Kreta - mykenische Einwanderung bzw. Eroberung) auch etwas zu geographischen Grundlagen sowie zur griechischen und römischen Zeit der Insel, ehe ein abschließendes Kapitel zur christlichen Spätantike den Band abschließt.
Dass die Ausführungen zum bronzezeitlichen Kreta dabei sehr knapp ausfallen, ist auch dem kleinen Format zu schulden. Dabei hätte man die weit gespannten Kontakte der Minoer in die nördliche Ägäis und bis in den vorderen Orient sowie Gründungen von „Vorposten" an der kleinasiatischen Küste wie Milet und auf den Inseln noch etwas stärker herausstellen können. Sehr positiv fällt dagegen auf, dass in der bis heute strittigen Frage um den Ausbruch des Theravulkans auf Santorin beide Chronologien, die hohe wie die niedrige, genannt werden.
Ansprechend sind vor allem die Abschnitte zum klassischen, hellenistischen und römischen Kreta, in denen auch die in Vergleich zur sonstigen griechischen Geschichte anders gesetzten Epochengrenzen (630-300 v. Chr. als eine Epoche) begründet werden.
Das Werk ist gut lesbar und mit Liebe zum Thema geschrieben, aufgrund der Knappheit v.a. in den ersten Kapiteln aber mehr Einstieg in das Thema und Anregung zum Weiterlesen als komplette Abhandlung.