Meiner Meinung nach hat dieses Buch einen riesigen PLUS und ganz viele grosse und kleine Nachteile, Fehler und Unstimmigkeiten. Trotzdem gebe ich dem Buch 5 Sterne, in der Hoffnung, dass die Leser Streu vom Weizen trennen koennen.
Der PLUS: Prof. Froboese sagt klipp und klar, dass Diaeten durch das Jojo-Effekt dick machen, und auch WARUM das passiert. Es liegt naemlich keineswegs an der Willenslosigkeit der Abnehmwilligen, sondern es hat physiologische Gruende. Jojo-Effekt ist in unseren Genen verankert und hat uns geholfen, die hundertausende Jahre der Evolution durchzustehen.
Es funktioniert ganz einfach: Sobald die Nahrung knapp wird, faehrt der Koerper den Stoffwechsel ganz schnell runter (innerhalb von 3-5 Tagen). Wenn die Nahrung wieder da ist, geht der Stoffwechsel aber nur langsam wieder hoch (ueber Monate). Fazit: jede Diaet schraubt den Stoffwechsel runter, und egal wie man danach isst, der Stoffwechsel bleibt ueber lange Zeit viel zu niedrig. Dadurch kommt der Jojo-Effekt, und nicht dadurch, dass man nach einer Diaete uebermaessig viel isst.
Es soll auch so sein, sagt Herr Froboese, dass insbesondere Leute, die mehrere Diaeten durchgemacht haben (und infolge dessen durch Jojo dick geworden sind), einen besonders niedrigen Energiebedarf entwickeln (weit unter 1000 kcal am Tag), so dass sie eigentlich mit keiner Diaet mehr abnehmen koennen. tatsaechlich, wenn man nur 600 kcal am Tag braucht, muesste man ja ganz aufhoeren zu essen. Dann wuerde der Stoffwechsel allerdings noche mehr runtergehen, und (man ahnt das!) es kann sehr, sehr schlecht enden.
Die Abnehm-Idee ist eigentlich ganz schoen: Man soll wieder mehr essen, damit der Stoffwechsel wieder auf Hochtouren kommt, und dazu soll man die Muskelmasse durch Training aufbauen, was auch den Stoffwechsel ankurbelt. Okay, das glaube ich Herrn Froboese erstmal. Man kann seinen eigentlichen Stoffwechsel sogar messen lassen (mit Hilfe von sogenannter Spirometrie). Es wird eine Formel angeboten, mit der man nachrechnen kann, welchen Stoffwechsel man eigentlich haben muesste. Und dann soll man gezielt soviele Kalorien aufnehmen, dass der Koerper versteht: die Zeit der Knappheit ist vorbei, ich kann den Stoffwechsel wieder ankurbeln.
Dass dieses Buch den Jojo-Vorgang verstaendlich und nachvollziehbar erklaert, ist ein grosser Verdienst. Nun kommen wir aber zu Nachteilen, die dieses Buch leider auf ein Niveau runterziehen, das eines Universitaetsprofessors nicht wuerdig ist.
(1) Es wird eine Methode zum Abnhemen vorgeschlagen, die "garantiert" kein Jojo gibt. Wie sieht nun diese Garantie aus? Hat Herr Froboese vielelicht 15 Jahre lang diese Methode auf unterschiedlichen Probanden ausprobiert und festgestellt, dass wirklich kein Jojo auftritt? Aber nein, natuerlich nicht. Es gibt gar keine Langzeitstudien zum Verfahren! Es wird nur behauptet, dass die Methode EINER EINZIGEN PERSON geholfen hat, und diese Person wird als "Beweis" fuer die Wirkung vorgestellt. Dabei ist es noch erst weniger als 2 Jahre her, seitdem die Dame nach dieser Methode lebt.
(2) Damit man seinen Energieumsatz steigern kann, soll man also mehr essen. Aber um wie viel mehr? Die ehrliche Antwort waere: das kann man eigentlich nur durch Ausprobieren herausfnden. Sagt das Herr Froboese? Aber nein! Er meint, man soll eben Kalorien zaehlen, so dass man z.B. auf 2500 kcal pro Tag kommt (das wird im Buch als Bespiel angegeben). Dazu gibt es im Buch grosse Tabellen mit kcal-Angaben.
Nun, diese Angaben sind KEINESWEGS exakt! Das koennen sie eben nicht sein, weil das alles Schaetzungen sind, die fuer einen "statistisch gemittelten" Menschen bestimmt sind. Dazu gibt es z.B. in Wikipedia einen Artikel "Physiologischer Brennwert" (einfach googeln!). Also, waehrend mein Organismus einem Ei 50 kcal entlockt, wuerde mein Mann daraus vielelicht 100 kcal "machen". Und damit ist die ganze Kalorienzaehlerei ein Pi-Mal-Daumen-Wert und keineswegs wissenschaftlich exakt.
(3) Es werden im Buch sehr viele hirnrissige Ratschlaege gegeben, die absolut dilettantisch sind. Z.B. soll man sich belohnen, wenn man auf Sahnesauce in Kantine verzichtet hat. Womit? Na klar, mit einem Bad, einer CD oder einem Paar Schuhe. Fuer was haelt Prof. Dr. Froboese eigentlich seine Leser und Leserinnen?!
(4) Und damit kommen wir zu einem weiteren Nachteil: dieses Buch ist definitiv fuer FRAUEN ALS ZIELGRUPPE geschrieben (denken Sie an Schuhe als Belohnung!). Im ganzen Buch gibt es keine einzelne Abbildung von einem Mann, es sind alles Frauen, ueberwiegend schlank.
(5) Und wenn wir schon bei Abbildungen sind: Auf seite 85, wo es um Ernaehrung geht, gibt es ein Bild von zwei Frauen, die eine ist deutlich pummeliger als die andere, beide lachen uebergluecklich (warum, eigentlich?!), und die Duennere haelt der Dickeren ein SALATBLATT vor dem Mund.
Moment mal! Man soll ja auf ca. 2500 oder sogar mehr kcal am Tag kommen. Wie soll man das denn schaffen, wenn man auf die Sahnesosse verzichtet (siehe oben) und sich vom Salat ernaehrt?!
(6) Es gibt im Buch auch Rezeptvorschlaege fuers Mittag- und Abendessen, mit kcal-Angaben. Kaum eines der Rezepte uebersteigt 600 kcal, die meisten haben weniger. Also, kann man mittags uns abends so um 1200 kcal aufnehmen. Folgt daraus, dass man mit dem Fruehstueck ueber 1300 kcal aufnehmen soll?! Das ist gar nicht so einfach, versuchen Sie es mal selber auszurechnen. ;-)
(7) Es wird im Buch zwar ab und zu auf wissenschaftliche Quellen hingewiesen ("Forscher A von Universitaet B hat dies und das endeckt"), aber es werden keine wissenschaftlichen Quellen genannt. Warum bloss? Kommt es vielelicht deswegen, weil das Buch sich an Beduerfnisse von Frauen orientiert und "die bloeden Tussis brauchen eh keine Quellenangaben". (Achtung, Ironie!) Das kommt hoechst unserioes an.
(8) Es wird auf Seite 87 gesagt: "Bei leichtem Uebergewicht (BMI<30) empfehlen wir weniger Kalorien, da die letzten ueberschuessigen Pfunde oftmals sehr hartnaeckig sind". Moment mal! Ich dachte, wenn man weniger isst, wird man dicker? Da wird doch der Stoffwechsel runtergefahren, oder, Herr Froboese? Uuuhps...
(9) Schon die Formulierung "die letzten ueberschuessigen Pfunde" ist absolut am Thema vorbei. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen mit leichtem Uebergewicht gesuender sind und laenger leben. Warum denn um Gottes Willen soll man noch die "die letzten ueberschuessigen Pfunde" los werden?!!!!
Ok, ich hoffe, ich konnte Sie ueberzeugen, dass das Buch nicht so ganz stimmt -- und trotzdem lohnenswerte Erkenntnisse anbietet. Am bestem liesst man es in Kombination mit folgenden Buechern:
"Lizenz zum Essen" von Dr Gunter Frank (SEHR empfehlenswert)
"Diaetlos gluecklich" von Nicolai Worm
"Mein Ich-Gewicht" von Maja Storch
"Esst endlich normal!" von Udo Pollmer
"Lexikon der Fitness-Irrtümer: von Pollmer, Warmuth, Frank
All diese Buecher bieten das, was Prof. Dr. Froboese versaeumt: eine kritische Auseinandersetzung mit sogenannten "Binsenwahrheiten" ueber Ernaehrung, Fitness, Dick- und Duennsein und Diaeten. Es werden wissenschaftliche Quellen angegeben, und der Leser wird ernst genommen.
Das alles gibt es im Anti-Jojo-Buch leider nicht! Schade.