„Den halben Tag Recht, den anderen halben frei haben - was ist schon Lehrerbelastung?" Schlucken auch Sie bei diesem Satz? Dann sollten Sie „Das Anti-Burnout-Buch für Lehrer" von Andreas Hillert lesen. Ein seelisches Bockbierfest für geschundene Lehrerseelen. Und ein Aufklärungsbuch für alle, die mit dieser Berufsgruppe zu tun haben, also fast allen anderen. Ein Buch, das in aller Klarheit aus einem trüben Sumpf von Vorurteilen, Selbstbetrug und realitätsfernen Erwartungshaltungen glasklare Schlüsse zieht. Und dieses gern mit einem Augenzwinkern.
Der Autor belehrt sie nicht, keine Sorge, es ist eher so, als säße er mit einem in geselliger Runde und gibt so dies und das zum Besten. Erst nach und nach merkt man, wie er einen vorsichtig, doch fest an der Hand nimmt und versucht, den besten nächsten Schritt zu wählen. Das hilft nicht nur und tut gut, sondern erleichtert auch ungemein die nicht zu umgehende, oft schmerzhafte Nabelschau - so denn Lehrer/in wirklich etwas ändern will.
Doch Hillert ist nicht einseitig auf seine Zielgruppe fixiert: genauso beleuchtet er die Schüler und die Gesellschaft. Er hilft wortgewandt und diplomatisch, manche Fehleinschätzungen der anderen zu enthüllen, um dann die Lehrerschaft selbst zu bitten, das gleiche auch bei sich zu tun. Wer sieht sich wo stehen? Und wo sehen die anderen uns stehen? Und wir sie? Im Regen jedenfalls lässt der Autor niemanden stehen. Dafür denkt er zu umfassend, bringt zu viele Beispiele, gibt klare Handlungsleitlinien.
Letztere sollten jedoch immer in den Rahmen der jeweiligen Persönlichkeit passen. Denn schematisches Denken liegt ihm völlig fern. Er arbeitet mit Fragen. Nicht selten bleiben sie von ihm unbeantwortet. Doch für Sie selbst werden die Antworten nach dem vorher Gelesenen auf der Hand liegen. Meditieren Sie beispielsweise gerne? Oder graben Sie lieber Ihren Garten um? Vielleicht bringt Ihnen ein Gang durch den regnerischen Wald die nötige Ruhe? Oder das Gespräch mit einem guten Freund? Musik? Und schon wissen Sie, welche Art von Entspannungstyp Sie sind ...
Das Buch ist wie seine Sprache: kreativ aufgefächert und klar gegliedert. So wird zuerst die gesellschaftliche Stellung des Lehrerberufs reflektiert. Dann lässt Hillert unterschiedliche damit befasste Berufsgruppen zum Thema „Lehrerbelastung" zu Wort kommen. Dabei geht es naturgemäß sehr widersprüchlich zu, was die Schwierigkeit des Sujets belegt. Teil drei befasst sich mit Schüler-Lehrer-Verhältnissen, Teil vier zeigt anhand von Praxisbeispielen die möglichen Auswirkungen vom System auf den Menschen. Zum Schluss der „Praxisteil": Wie kann ich schulische Belastungen tatsächlich mindern? Der Autor verzichtet hier auf platte Ratschläge. Er zeigt individuell ausformbare Möglichkeiten auf.
Ein herausragendes Buch, das tiefgehende wissenschaftliche Kompetenz mit der hohen Kunst einer anschaulichen und lockeren Schreibart verbindet, in der Sie sich häufig persönlich angesprochen fühlen werden. Theorie und Praxis sind absolut ausgeglichen. Auffallend sind die Bandbreite und Vielfalt seiner Überlegungen. Und: Hillert triftet nie in's Moralisierende ab, er will es nie besser wissen.
Aber eines ist sicher: nach der Lektüre dieses Buches haben Sie eine wirklich gute Chance selbst besser zu wissen, wie Sie persönlich Einiges in Ihrem Leben zu Ihrer Zufriedenheit hin ändern können. Und zwar Entscheidendes. Denn nur bei Batterien nimmt die Energie zwangsläufig ab.
Sie müssen nur noch losgehen ... Doch wem fällt der Weg schwer, dem die Richtung klar ist?