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Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik [Gebundene Ausgabe]

Eckart Conze , Norbert Frei , Peter Hayes , Moshe Zimmermann
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

28. Oktober 2010
Ein Mythos bröckelt: Das nach dem Krieg vom Auswärtigen Amt verbreitete Geschichtsbild erweist sich als Legende

Der Mythos, das Auswärtige Amt sei von 1933 bis 1945 ein Hort des Widerstands gewesen, gehört zu den langlebigsten Legenden über das Dritte Reich. Wie aber verhielten sich die Angehörigen des Auswärtigen Dienstes nach Hitlers Machtübernahme wirklich? Und wie stellten sie sich dann in der Bundesrepublik zu ihrer Vergangenheit? Vom ersten Tag an war das Auswärtige Amt unmittelbar in die Gewaltpolitik des NS-Regimes eingebunden. Es schirmte die »Judenpolitik« des Dritten Reichs nicht nur nach außen ab, sondern war in allen Phasen aktiv an ihr beteiligt. Überall in Europa fungierten deutsche Diplomaten als Wegbereiter der »Endlösung«, sie wirkten mit an der »Erfassung« der Juden und an ihrer Deportation. Opposition aus dem Auswärtigen Dienst heraus blieb individuell und die Ausnahme. Nach Kriegsende wurden nur wenige Beamte für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen, viele konnten auf ihre Wiederverwendung hoffen und setzten ihre Karriere fort.

Noch auf Jahrzehnte lagen über den außenpolitischen Entscheidungen der Bundesrepublik die Schatten der Vergangenheit. Gestützt auf zahlreiche bis heute unter Verschluss gehaltene Akten, räumt das Buch mit alten Legenden auf und korrigiert das Geschichtsbild einer der wichtigsten politischen Funktionseliten des Landes.


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Pressestimmen

"... ohne Zweifel eines der wichtigsten zeithistorischen Bücher der letzten Jahre, zudem oft spannend zu lesen wie ein Thriller." (Benedikt Erenz, Die Zeit)

"Das Amt ist eine deutsche Studie - und ein internationales Ereignis. Erst dieses Buch lässt uns wesentliche Teile der Geschichte des "Dritten Reiches" und der Bundesrepublik verständlich werden." (Avi Primor, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"... ein epochales Werk ..." (Ernst Piper, Der Tagesspiegel)

Über den Autor

Eckart Conze, geboren 1963, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg, von ihm zuletzt: Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik von 1949 bis in die Gegenwart, München 2009

Norbert Frei, geboren 1955, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena, von ihm zuletzt (zusammen mit Ralf Ahrens, Jörg Osterloh, Tim Schanetzky): Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht, München 2009

Peter Hayes, geboren 1946, Professor of History and German an der Northwestern University Evanston, Illionois, von ihm zuletzt: Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft, München 2004, Mitherausgeber des Oxford Handbook of Holocaust Studies, Oxford 2010

Moshe Zimmermann, geboren 1943, Professor für Neuere Geschichte an der Hebrew University Jerusalem, von ihm zuletzt: Deutsche gegen Deutsche Das Schicksal der Juden 1938-1945, Berlin 2008

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Diplomaten als Verbrecher 10. Dezember 2012
Von Jörg Raach VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Dieses Buch ist zurecht inzwischen ein wichtiges Standardwerk geworden. Umfassend wird hier belegt wie die Mehrheit der Diplomaten im "III. Reich" sich an Verbrechen des Regimes beteiligten, dies nicht bereute und weiter hoch bezahlt in der Bundesrepublik in Amt und Würden blieb.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch, das auf Betreiben des damaligen Außenministers Joschka Fischer durch die vier Autoren Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann in mehrjähriger, wissenschaftlicher Arbeit entstanden ist, räumt endlich mit dem Mythos auf, dass das "Auswärtige Amt" und dessen Diplomaten in der Zeit der Hitler-Diktatur mit den verbrecherischen Machenschaften der Nationalsozialisten und ihrer Organisationen SS und SA nichts zu tun gehabt hätten. Diese Geschichtsklitterung wurde von dem "Diplomatischen Korps" in der neugegründeten Bundesrepublik intensiv propagiert, aufgrund der Tatsache, das die neuen Diplomaten eigentlich die alten waren. Dies bedeutet, dass das "Diplomatische Korps" der Bundesrepublik Deutschland überwiegend aus Beamten bestand, die auch schon zu Zeiten des Dritten Reiches Funktionsträger im "Auswärtigen Amt" waren.

Die Nazi-Diplomaten gingen nach dem Kriege noch einen Schritt weiter, denn sie versuchten das Bild des "sauberen Beamten" darzustellen, der nichts mit Judenverfolgungen und Deportationen zu tun hatte, der vom Holocaust nie etwas Konkretes gehört hatte und der allein mit den außenpolitischen Aufgaben betraut war, um Deutschland zu repräsentieren, weit entfernt von der Ideologie der verbrecherischen Nazischergen.

Dieser Mär setzt das Buch auf 880 Seiten endgültig ein Ende. Wissenschaftlich exakt wird anhand von einer Vielzahl von Dokumenten (Protokolle, Weisungen und Erlasse) nachgewiesen, dass das "Auswärtige Amt" ab 1933 Zielscheibe der nationalsozialistischen Einverleibungstaktik war.

Diplomaten jüdischer Herkunft wurden kurzerhand entlassen, allen anderen empfahl man der SS oder der SA beizutreten, wenn diese nicht schon freiwillig aus Karrieresüchten entsprechende Anträge gestellt hatten. So sollte die Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut dokumentiert werden.

Der Wahrheit halber zeigt das Buch auch auf, dass es nur einige wenige Diplomaten waren, die freiwillig den Dienst aus politischer Überzeugung oder ethischen Gründen quittierten, das Gros der Beamten jedoch sich bereit erklärte, alle Verbrechen der Nazis mit durchzuführen. Dieses bedeutet: sie beteiligten sich aktiv in allen besetzten Gebieten bei Deportationen verfolgter Menschen. Sie wurden freiwillig zu Handlangern der NS-Rassenpolitik.

Mit das Interessanteste an diesem aufklärerischen Werk ist nicht alleine die sehr umfangreiche Darstellung der Handlungsmuster der meisten Diplomaten, die oft namentlich genannt werden im Hinblick auf ihre aktiven Beteiligungen als auch die Darstellung ihrer jeweiligen Schicksale nach dem Kriege, sondern was mich zutiefst berührt hat, ist die Tatsache, dass in sehr anschaulicher Form dem Leser erkenntlich gemacht wird, welche menschenverachtende Ideologie in den Köpfen dieser selbsternannten Herrenmenschen zementiert war. Nicht nur, dass Millionen von unschuldigen Menschen auf grausamste Art und Weise ihr Leben verloren haben wird zweifelsfrei dokumentiert, sondern die Niedertracht dieses geisteskranken Denkens sollte auch die Würde all dieser Menschen vernichten und selbstverständlich war auch das Eigentum eine willkommene Beigabe auf diesem zynischen Vernichtungsfeldzug.

Was geschah mit diesen "diplomatischen Herrschaften" nach dem Kriege? Auch darauf gibt dieses Buch eine dezidierte Antwort, denn es galt ja nach 1945 durch die Entnazifizierungsaktionen zu schlüpfen, um schnellstmöglich wieder eine exponierte Stellung in der deutschen Gesellschaft einzunehmen. Das Buch beschreibt genau wie sich die Diplomaten jeweils gegenseitig "Persilscheine" ausstellten, um so nachzuweisen, dass jeder von ihnen mehr oder weniger ein Widerstandskämpfer war und dass sie selbstverständlich die Eignung besaßen, erneut die diplomatische Laufbahn einzunehmen. Dieses erklärt auch weshalb so viele der Alten auch die Neuen waren. Dieses erklärt ferner, weshalb jahrzehntelang das Märchen vom "sauberen Amt" Bestand haben konnte.

Mit dem vorliegenden Buch ist nun endlich die Wahrheit auf dem Tisch. Viele Jahrzehnte jedoch zu spät, aber nicht spät genug, um die Geschichte aufzuarbeiten. Endlich verstummen die geschichtsfälschenden Lobeshymnen auf verstorbene Diplomaten im amtseigenen Presseorgan und endlich kann mit der wirklichen Aufarbeitung der Geschichte des "Auswärtigen Amtes" während des Dritten Reiches begonnen werden.

Freilich zeigt das Buch auch auf, dass der Geist der jungen Diplomatie der Bundesrepublik Deutschland ein anderer geworden ist. So zeigt es, dass der Geschichtsunterricht den junge Männer und Frauen, die nach dem Krieg geboren wurden und die sich für den diplomatischen Dienst entschieden haben, die eigentliche Aufklärung gebracht hat.

Zusammenfassend sei gesagt, dass dieses Buch einen notwendigen Beitrag dazu leistet, mit einer Geschichtsfälschung aufzuräumen.

Eine empfehlenswerte Werk.
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102 von 138 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Es war im Jahr 2005, als der erste grüne Außenminister der Republik, Joschka Fischer, einer internationalen Historikerkommission den Auftrag gab, die Geschichte des Auswärtigen Amtes während der Nazizeit und vor allem seine fast nahtlose Weiterarbeit mit vielen ehemaligen Nazidiplomaten nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 in Bonn n zu untersuchen.

Herausgekommen ist ein Werk, das unter der Herausgeberschaft der international renommierten Historiker Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann im Blessing Verlag veröffentlicht wird.
Das Buch ist geeignet, den lange auch in der neuen Bundesrepublik gepflegten und gehüteten Mythos von der besonderen Rolle des Auswärtigen Amtes in der Hitlerdiktatur zu zerstören und das ist auch gut so.

Mehr als man bisher angenommen hat bzw. mehr als von denen, die es wissen mussten, zugegeben wurde, war das Auswärtige Amt in Berlin von Anfang an involviert und aktiv beteiligt an der systematischen Verfolgung und Ausrottung der europäischen Juden. Von den damals beteiligten Personen wurden nur sehr wenige nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen, etwa Ernst von Weizsäcker, damals von seinem noch jungen Sohn Richard von Weizsäcker verteidigt. Dieser Richard von Weizsäcker legte mit seiner berühmten Rede als Bundespräsident 1985 vierzig Jahre nach Kriegsende vielleicht einer der wichtigsten politischen Grundlagen dafür, dass es noch einmal 20 Jahre später politisch möglich wurde, diese Untersuchung in Auftrag zu geben.

Die meisten Diplomaten wurden nach 1949 übergangslos in das neue Außenamt übernommen und man erinnert sich an das böse Wort von Helmut Heißenbüttel, der den Adenauerstaat einmal "die Fortsetzung des Dritten Reiches mit demokratischen Mitteln" nannte.

Die Diplomaten des Auswärtigen Amtes, so zeigt dieses Buch, waren mitnichten die heimlichen Oppositionellen der Nazidiktatur, die Schlimmeres verhüteten. Das war lange die raison d`etre der Außenpolitik der BRD bis lange nach der Adenauerzeit. Sie waren mitnichten die Verführten, auch wenn sie unter Nutzung vielfältiger familiärer und adelsständiger Netzwerke diesen Mythos begründeten und lange aufrechterhalten konnten.

Ein wichtiges Buch, das einen Teil der offiziellen deutschen Geschichtsschreibung vom Kopf auf die Füße stellt.
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5.0 von 5 Sternen Informativ!
Das Buch ist sehr umfangreich, lesenswert und äußerst informativ. Wenn man auch nicht alles im Zusammenhang lesen kann, so sind einige Kapitel doch ein absolutes... Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Hans-Ulrich Stötzel veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Das Amt und die Vergangenheit
Das Amt im Dritten Reich (und die Beteiligung am Holocaust) ist endlich komplex dargestellt.
Gratulation an die Autoren. Sehr lesenswert.
Vor 3 Monaten von Martin Finke veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Bin sehr begeistert
Endlich hab ich dieses Buch fertig gelesen und bin wirklich sehr begeistert.
Ich war sehr überrascht, wie gut dieses Buch doch vom Inhalt her zu lesen ist. Lesen Sie weiter...
Vor 9 Monaten von Black-betzi veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Ein dicker Brocken
Lange, lange Zeit hat sich das Auswärtige Amt gegen eine gründliche Untersuchung und Darstellung der Verstrickung seiner Mitarbeiter in die nationalsozialistische... Lesen Sie weiter...
Vor 20 Monaten von Tom Kadi veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Nicht nur für Historiker (Neueste Geschichte/Zeitgeschichte) und...
Dieses Buch kann sehr abschreckend wirkend: Es ist wahnsinnig umfangreich (es ist sehr viel wissenschaftlicher Anhang), recht klein geschrieben und etwas unhandlich zum... Lesen Sie weiter...
Vor 23 Monaten von T. Hofbauer veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen Historisch und juristisch unseriös
Vorbemerkung

Leider ist es eine Modeerscheinung geworden, daß sich Nicht-Juristen über komplexe juristische Themn auslassen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 29. März 2011 von Anja Friedrich
5.0 von 5 Sternen Diplomatie, Partei und Staat
Das "Amt" bietet einen Blick in die deutsche Geschichte, der so außergewöhnlich wie irritierend ist. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. März 2011 von H. Mewes
5.0 von 5 Sternen Schuld und Verantwortung
Dieses Buch hat gefehlt. In den letzten Jahren wurde die deutsche Vergangenheit umfangreich aufgearbeitet, nur wenige weiße Flecken blieben übrig. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. März 2011 von Beinwell
3.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert, aber unübersichtlich
Das behandelte Thema ist sehr wichtig, weil es den Mechanismus aufdeckt, wie Täter immer wieder auf die Füße fallen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. März 2011 von A. Herzfeld
2.0 von 5 Sternen etwas langatmig
Das Buch hat viele begeisterte Kritiken bekommen, deshalb wurde ich neugierig.Aber von Thriller keine Spur . Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 19. Januar 2011 von Osorno
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