Jeder Hundebesitzer hört im Laufe der Jahre die unterschiedlichsten Ratschläge von verschiedensten Menschen. Wie ein Roter Faden zieht sich die Rangordnungstheorie durch diese Tipps. Zum Beispiel darf der Hund nicht ins Bett, weil dort nur die Rudelführer schlafen sollen. Oder der Mensch solle immer zuerst essen. Doch was ist wirklich dran an diesen Weisheiten?
Anders Hallgren ist nicht nur Hundetrainer, sondern auch Psychologe. Daher war es für ihn interessant, woher die Theorien rund um die Rangordnung kommen, aber auch, warum sie sich so lange gehalten haben.
Die ersten Kapitel behandeln die Unterschiede im Umgang mit den Hunden. Wie geht ein Hundehalter mit seinem Vierbeiner um, wenn er davon überzeugt ist, dass dieser ihm ständig die Position streitig macht? Und wie verhält sich im Gegensatz dazu jemand, der ein Team bilden möchte, das zusammen durch dick und dünn geht?
Natürlich fehlen auch Wolfsbeobachtungen nicht. Wie setzen sich Rudel zusammen? Gibt es dort überhaupt eine richtige Rangfolge? Woher kamen die früheren Erkenntnisse über das Verhalten von Wolfsfamilien? Sind sie überhaupt richtig? Was weiß man stattdessen heute?
Schließlich stellt der Autor Vergleiche auf, um zu zeigen, was man von Wölfen übernehmen kann und was nicht. Denn unsere Haushunde sind schließlich keine wilden Tiere mehr, die täglich ums Überleben kämpfen müssen. Trotz allem können sie ihre Wurzeln nicht leugnen, und so ist es interessant zu lesen, was wirklich dran ist an diesen Geschichten.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Hundebuch-Autoren formuliert Anders Hallgren keine altbekannten Ratschläge um, sondern macht sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit. So hat er nahezu alle Studien über wild lebende Wölfe gelesen und nutzt Informationen aus erster Hand. Das merkt man auch bei der Lektüre seines Buches, denn die Quellen werden immer angegeben und wer Interesse hat, kann selbst nachlesen und weiter in die Tiefe gehen. Hallgren bemüht sich, so viel Wissenschaft wie möglich in ein Buch für normale Hundebesitzer zu packen, ohne diese zu überfordern. Das gelingt so gut, dass man nie Probleme hat, seinen Aussagen zu folgen. Verwendet er Fachbegriffe, werden sie immer erklärt. So kann 'Das Alpha-Syndrom' flüssig gelesen werden.
Als Hundetrainer gibt Anders Hallgren auch Erziehungsratschläge, die aber immer fachlich fundiert sind. Er lehnt physische und psychische Gewalt im Umgang mit Hunden strikt ab und orientiert sich an lerntheoretischen Grundsätzen. Dem gesamten Konsens des Buches folgend spielt die Rangordnungstheorie keine Rolle im von ihm empfohlenen Umgang mit Hunden. Die Tipps sind durchweg realitätsnah.
Trotzdem handelt es sich nicht um einen Erziehungsratgeber, sondern um ein Buch, das mit Vorurteilen aufräumt und jedem Hundebesitzer empfohlen werden sollte, der unsicher ist, ob er sich seinem Hund gegenüber durchsetzen muss, um von ihm ernst genommen zu werden.
Der Verlag hat sich zwar bemüht, passende Bilder zum jeweiligen Thema zu finden, doch immer ist das nicht gelungen. Auch die Aufmachung wirkt stellenweise etwas altmodisch.
Die Zeiten, in denen körperliche Misshandlungen von Hunden mit Sätzen wie "'Der muss wissen, wer der Chef ist!'" gerechtfertigt werden konnten, sind endgültig vorbei. Anders Hallgren zeigt, was an der Rangordnungstheorie dran ist und welche Bedeutung sie im Alltag mit unseren Vierbeinern hat - ein echter Easy Dogs Insidertipp.