Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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67 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Warnung vor dem Meister , 29. November 2007
"Jedes Schicksal, wie weitläufig und verschlungen es auch sein mag, besteht in Wirklichkeit aus einem einzigen Augenblick, dem Augenblick, in dem der Mensch für immer weiß, wer er ist," heißt es in der Geschichte "Biographie von Tadeo Isidoro Cruz 1829-1874". Die menschliche Würde bemisst sich allerdings dann danach, fährt Borges fort, inwieweit der Einzelne in diesem entscheidenden Augenblick auch bereit ist, sein Schicksal anzunehmen, das heißt, zu dem zu stehen, was er in sich trägt.
Das ist in aller Kürze der moralische Anker, um den die Psychologie der Hauptfiguren in den achtzehn Kurzgeschichten des vorliegenden Buches kreisen. Inhaltlich dagegen sind sie in ihrer Themenweite unvergleichlich: sie erzählen von den mythischen Zeiten Homers, von spätantiken Theologen, aztekischen Priestern, muslimischen Gelehrten, deutschen KZ-Kommandanten und über die Gauchos der argentinischen Pampas - immer aber von Momenten der Entscheidung, in der der Mensch mehr oder weniger plötzlich die Grundmuster seiner faktischen und moralischen Existenz erkennt.
Das alleine ist schon ein anspruchsvolles Programm, dessen literarische Einlösung jeden Autor befriedigen müsste. Aber natürlich nicht Borges. Fast alle Geschichten des Alephs verfügen über eine formal raffiniert komponierte zirkuläre Struktur, die den Leser unausweichlich mit in das Geschehen einbezieht und verblüfft. Mehr als einmal muss er die Fronten wechseln, was gut schien, ist schlecht und was schlecht schien, wird gut, bis beides sich als Variation der gleichen Wesenheit erweist. Die formale Raffinesse, die der Aufbau der Geschichten verrät, und die geradezu furchterregende Gelehrsamkeit, die sie fast wie nebenbei transportieren, erheben jede der Aleph Geschichten in den Rang klassischer Miniaturen, die man wieder und wieder lesen kann, ohne sie jemals ganz zu begreifen.
Aber auch das ist noch nicht alles. Die moralische Entschiedenheit, die formalen Raffinessen und die unglaubliche Bildung des Autors blieben achtbar, aber belanglos, würde es Borges nicht gelingen, seine Leser mit wenigen Worten mitten in seine Geschichte hineinzuziehen, um ihn bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Borges ist also nicht nur ein Ethiker, ein Poethologe und Gelehrter von höchsten Graden sondern auch ein Erzähler von unglaublicher Intensität, ein Magier, der seine Geschichte wie Fangnetze über die Leser auswirft. Deswegen Achtung: Wer "Die Theologen" "Der Unsterbliche", "Deutsches Requiem", "Der Zahir" oder andere Geschichten gelesen hat, gerät in die Gefahr, von ihnen nicht mehr loszukommen und sie immer aufs Neue lesen zu müssen - ihre Gedanken, Rätsel und Symbole verfolgen einen leicht bis in den Schlaf.
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31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meisterwerk des phantastischen Realismus, 19. Dezember 2002
"Der gesamte Kosmos der modernen wie der klassischen Erzählkunst wird von Jorge Luis Borge ausgebreitet". So lautet der Klappentext von Borges "Das Aleph". Diesen Satz, der keinerlei Rückschlüsse auf den eigentlichen Inhalt des Buches zuläßt, verstand ich erst nach beendeter Lektüre der 16 Erzählungen. Jede dieser Erzählungen führt den Leser auf einen Weg durch die Geschichte des Erzählens, der verschiedensten literarischen Gattungen und Textsorten. Borges schafft durch seine Vermengung der unterschiedlichen Erzähltechniken und ständig wechselnden Erzählperspektiven eine eigene literarische Gattung, die als eine literarische Revolution galt. Gleichzeitig geben die Geschichten Borges enormes Wissen über historische und aktuelle Gestalten, Orte und Zusammenhänge in Literatur, Politik, Philosphie und Religion wieder. Die Wirklichkeit dieses Wissens wird in den Erzählungen durch Fiktion ergänzt und durchdrugen. Ebenso umgekehrt, fiktive Erzählungen werden durch tatsächliches Wissen auf eine andere, höhere Ebene gehoben. Phantastischer Realismus auf seinem Höhepunkt. Borges ist ein absolutes Muß für jeden der Literatur schätzt.
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16 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Sein in leuchtenden Metaphern, 18. Januar 2000
Da werden Lobesreden ueber nichtssagende, angeblich den Zeitgeist ganzer Generationen einfangende Eintagsfliegen abgehalten und das Funkeln zeitloser Einsicht droht unterzugehen in der Flut blendender Scheinwerfer. In magischem Realismus werden hier ewig wiederkehrende Fragen des menschlichen Seins in geheimnisvoll leuchtenden Metaphern fokussiert. Eine einzelne dieser aeusserst dichten Erzaehlungen enthaelt mehr als manch anderer auf vielen hundert Seiten auszudruecken vermag. Religion und Philosophie sind hier, wie es Borges selbst ausdrueckte, Teile der phantastischen Literatur...
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