Aufgrund der hymnischen Bewertungen meiner Vorrezensenten sehe ich mich genötigt hier etwas klarzustellen. Bei dem Kriminalroman "Das Alabastergrab" handelt es sich um ein durchaus beachtenswertes Debut eines Freizeitschriftstellers, das sowohl mit einigen schön ausgestalteten Figuren wie auch mit einem durchaus durchdachten Spannungsbogen punkten kann. Auch die Darstellung fränkischer Kultur und Lebensart gelingt hervorragend. Wenn man die Gegend kennt, fühlt man sich im Roman tatsächlich heimisch.
Dies alles kann aber keinesfalls verdecken, dass deutliche handwerkliche Mängel vorliegen. Zum Einen sei hier das endlose und scheinbar beliebige Wechseln der Perspektive anzumerken, was dem Leser eine doch sehr ermüdende Sicht aller Beteiligten auf alle gemeinsamen Erlebnisse aufzwingt. Spätestens als die Erzählperspektive nach einem Ferkel und einem Biersud auch noch die Sicht eines Vogels erfasst, der zufällig Zeuge eines Vorfalls wird, war ich geneigt das Buch aus dem Fenster zu werfen. Auch die inhaltlichen Wendungen scheinen grotesk auf das vorgefertigte Ende hingetrimmt, die Einfältigkeit der Beamten ist gegen Ende des Buches selbst für eine fränkische Polizeiwache nicht mehr duldbar. Nichtsdestotrotz ist die Lösung des Falles zum Großteil ab der Hälfte des Buches vorhersehbar, der Rest ist zumindest deutlich vor der Auflösung zu erahnen, von den sich anbahnenden Liebeleien der Kommissare ganz zu schweigen.
Insgesamt ein durchaus solider Krimi mit Lokalkolorit, unterhaltend, nett und mit einem gewissen Charme ausgestattet. Nicht mehr und nicht weniger. Dem Autor sei für zukünftige Romane geraten, dass manchmal ein vermeintlicher Kunstgriff weniger dem Gesamtbild besser täte.