Vieles hat man über "Das Affenhaus" gehört und gelesen: Auf den Titelseiten der Büchermagazine war die Autorin Sara Gruen im Großportrait zu sehen, Buchbesprechungen im Radio und in den Zeitschriften folgten, und es gab viele Lobeshymnen, wie zum Beispiel diese:
"Sara Gruen weiß Dinge - sie weiß sie mit dem Kopf und mit dem Herzen. Und aus diesem Wissen heraus hat sie einen wahrhaften Thriller geschrieben, der vom ersten Satz an süchtig macht. Nur sehr wenige Bücher verändern den Blick des Lesers auf unsere Welt. Dieses Buch gehört dazu. - Robert Goolrick".
Als regelmäßiger Zoogänger habe ich das Buch sehr neugierig gelesen, und die ersten Seiten sind, wie auch die Grundidee, einfach hervorragend!
Die Wissenschaftlerin Isabel Duncan betreut von der Öffentlichkeit abgeschirmt in einem Institut einige Bonobos (nicht zu verwechseln mit Schimpansen), mit denen sie im wahrsten Sinne des Wortes kommuniziert. Plötzlich explodiert im Institut eine Bombe, Isabel Duncan wird schwer verletzt und entstellt (die Affen bleiben hingegen unbeschadet). Später sieht Isabel Duncan im Fernsehen des Krankenhauses, daß die Affen eingesammelt und an einen unbekannten Ort transportiert wurden. Als sie wieder halbwegs genesen ist (mit rasiertem Kopf, Narben, neuer Nase und Zahnprothese) macht sie sich auf die Suche nach ihren Affen. Sie erfährt, daß ihre Schützlinge an einer Reality-Show teilnehmen, und sie will sie davon befreien ...
Die Szenen, in denen die Affen eine direkte Rolle spielen, sind sehr gelungen, insbesondere die "Übersetzung" der Affensprache durch Hervorhebung der Schrift. Beim Lesen ergibt sich ein wahrhaftes Bild, das lange im Gedächtnis bleibt, und die sechs Affen wachsen einem regelrecht ans Herz! Jedoch sind diese Szenen auf maximal 20 Prozent des Buches beschränkt. Die restlichen 80 Prozent beschäftigen sich nur mit den menschlichen Protagonisten. Und das geschieht leider viel zu ausführlich.
Natürlich möchte ich wissen, wie Isabel Duncan sich in ihr neues/altes Leben hineinfindet, aber wir erfahren auf unzähligen Seiten und in allen Kapiteln überdurchschnittlich viel über das Berufs- und Liebesleben anderer Personen (John Thigpen, seine Frau Amanda u.a.). Wir erfahren Details, die man durchaus in Kauf nehmen würde, wenn sie knapper dosiert wären bzw. einen stärkeren Bezug zur gegenwärtigen Geschichte hätten. Streckenweise bekam ich das Gefühl, keinen "Thriller" mehr zu lesen, sondern eher eine "Metamorphose" zu anderen Genres, wie z.B. Liebesroman, Gesellschaftsroman oder was auch immer. - Aber waren da nicht irgendwo noch Affen im Spiel? Richtig: "Das Affenhaus" lautet der Titel.
Nun gehöre ich zu den Lesern, die (meistens) ein Buch zu Ende lesen. Insbesondere hier wollte ich wissen, was aus den Bonobos wird. Und ja, es kommt tatsächlich etwas besser, Sara Gruen bündelt die Story zum Schluß sogar sehr gut zusammen! Die letzten fünfzig Seiten sind sehr spannend, und wer am Ende das Buch nicht ergriffen zuklappt, hat aus meiner Sicht kein Herz! Und genau das ist der Grund dafür, warum ich dem Buch nicht die ursprünglich gewählten drei, sondern (zähneknirschend) vier Sterne gebe.
Und dennoch hat Robert Goolrick manchen Leser mit seinem Plädoyer getäuscht.