... sondern auch zur Vorbereitung einer Befunderhebung, vor allem in Zusammenhang mit dem "Leitfaden zur Erfassung des Psychopathologischen Befundes". Während der eben genannte Leitfaden eine Auflistung von (standardisierten) Einstiegsfragen und möglichen tiefergehenden Fragen beinhaltet, sind hier auf weniger als 200 Seiten alle 140 Merkmale des Psychischem und Somatischen Befundes aufgelistet. Jedes Merkmal wird zunächst einmal definiert (Beispiel "Örtliche Orientierungsstörungen": "Der gegenwärtige Aufenthaltsort wird nicht oder nur teilweise gewusst."), darauf folgen Erläuterungen und Beispiele (hier z. B.: "(...) Eine Störung der räumlichen Orientierung im Sinne einer Agnosie, bei der sich ein Patient möglicherweise in seiner gewohnten Umgebung nicht mehr zurechtfindet, ist nicht als örtliche Orientierungsstörung zu markieren."), dann erhält der Leser "Hinweise zur Graduierung". Hierbei wird bei jedem der 140 Merkmale ein Beispiel für eine leichte (z. B.: "Der Ortsname kann nur mit Mühe genannt werden.") und für eine schwere (z. B. "Der Ortsname wird auch mit Hilfestellung nicht gewusst.") Ausprägung genannt, wobei explizit darauf hingewiesen wird, dass der Ausprägungsgrad selbstverständlich noch "schwerer" sein kann. Abschließend sind immer "abzugrenzende Merkmale" aufgeführt, hier z. B. die Situative Orientierungsstörung ("Die gegenwärtige Situation wird in ihrem Bedeutungs- und Sinnzusammenhang für die eigene Person nur teilweise oder gar nicht erfasst.")
Der Psychische Befund ist anhand der typischen AMDP-Gliederung gegliedert: Bewusstseinsstörungen - Orientierungsstörungen - Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen - Formale Denkstörungen - Befürchtungen und Zwänge (Anm.: entspricht den inhaltlichen Denkstörungen) - Wahn - Sinnestäuschungen - Ich-Störungen - Störungen der Affektivität - Antriebs- und Psychomotorische Störungen - Circadiane Besonderheiten - andere Störungen. Dadurch wird dieses kleine Buch zum optimalen Nachschlagewerk - wer die ungefähre Reihenfolge weiß, kann es wie ein Lexikon benutzen. Zudem enthält jedes o.g. Kapitel Vorbemerkungen, bei den Orientierungsstörungen steht z. B.: "Orientierung meint das Bescheidwissen über Zeit, Ort, Situation und Person. (...)"
Der Psychische Befund umfasst 100 Symptome. Außer ihm ist hier auch noch der Somatische Befund enthalten (40 Symptome, z. B. die Schlaf- und Vigilanzstörungen oder die Appetenzstörungen) sowie Hinweise zur Anamnese. Zudem enthält "Das AMDP-System" eine allgemeine Einführung, in der unter anderem auf die formale Logik der Entscheidungen eingegangen wird (Beurteilbarkeit (beurteilbar, nicht beurteilbar) - Entscheidungssicherheit über Vorhandensein oder Nichtvorhandensein (sicher, fraglich) - Vorhandensein (vorhanden, nicht vorhanden) - Quantifizierung (leicht, mittel, schwer)) und Hinweise zur Voraussetzung zur Verwendung des AMDP-Systems. Es wird z. B. empfohlen, vor einer selbständigen Arbeit mit dem AMDP-System Trainings mit AMDP-erfahrenen Kollegen durchzuführen. Das Training vor Gebrauch des AMDP-Systems sollte mindestens zehn Interviews mit abschließender Befunddokumentation umfassen!
Und übrigens: der Begriff 'AMDP' hat nichts mit 'America(n)' zu tun (wie z. B. eine befreundete Kommilitonin meinte), sondern steht für 'Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie', die 1965 aus der Verbindung einer deutschen und einer schweizerischen Arbeitsgruppe hervor ging. Somit kann hier auf eine über 40jährige Erfahrung zurückgegriffen werden!