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Darwins gefährliche Erben
 
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Darwins gefährliche Erben [Gebundene Ausgabe]

Steven Rose
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: C.H.Beck (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406459072
  • ISBN-13: 978-3406459078
  • Größe und/oder Gewicht: 22,7 x 15,2 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 161.946 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Für die meisten Laien bedeutet Darwins Evolutionstheorie das Überleben des Stärkeren, bei der eine Art im brutalen Zermürbungskrieg der Natur die Vorherrschaft über eine andere gewinnt. Für die meisten Biologen allerdings ist Evolution weitaus komplizierter. Fortgeschrittene Studien in der Genetik geben Anlass zu einer Evolutionstheorie auf genetischer Ebene, in der "egoistische Gene" um Überlegenheit innerhalb von Organismen kämpfen. In ihrer extremsten Auslegung werden die Arten selbst gegenüber der genetischen Kriegsführung, die in ihrem Inneren tobt, geradezu nebensächlich. Andere Biologen wiederum haben da eine weniger enge Einstellung zur Evolution und glauben, dass viele Faktoren -- sowohl genetische als auch äußere -- einen Einfluss darauf haben, wie sich ein Organismus entwickelt.

In Darwins gefährliche Erben vertritt der Autor Steven Rose eindeutig diese Seite des Disputs. Rose ist Biochemiker und hat sich auf die Funktion des Gedächtnisses spezialisiert. Sein Buch enthält einige faszinierende Informationen über den Einfluss der Chemie auf die Entwicklung unserer Körper. Das Gleichgewicht zwischen DNS-Chemie und Umwelteinflüssen ist sogar so empfindlich, dass Rose die regelmäßigen Bekanntmachungen, dass Wissenschaftler ein Gen "gefunden" hätten, das beispielsweise für sexuelle Neigung oder kriminelles Verhalten verantwortlich sein soll, als unerhört und geradezu gefährlich bezeichnet. Einfache Antworten auf komplizierte Prozesse beunruhigen ihn. Das ist wohl auch der Grund, warum er der "Genetik als Schicksal"-Haltung, für die sich bekannte Wissenschaftler wie Richard Dawkins einsetzen, mit aller Entschiedenheit entgegentritt.

Neue Zürcher Zeitung

Wider den Ultra-Darwinismus

Der Darwinismus ist die zentrale Theorie in der Biologie. Der Populationsgenetiker Theodosius Dobzhansky fasste die Bedeutung in dem Satz zusammen: «Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn, ausser im Lichte der Evolution.» Allerdings bedeutet die allgemeine Anerkennung ihrer Gültigkeit noch lange nicht, dass ebenso Einigkeit über ihre Auslegung besteht. Der Streit um die «Dirigenten» der Evolution und die Angriffspunkte der Selektion wird prononcierter geführt, seitdem mehr und mehr menschliche Gene und die von ihnen codierten Proteine identifiziert werden. Eine der Positionen markieren Wissenschafter, die in ihrem Glauben an die Macht der Gene hinter jedem menschlichen Verhalten das Wirken eines Erbfaktors sehen. In Anlehnung an einen früheren Buchtitel von Richard Dawkins bemühen sie das Bild der «egoistischen Gene», um zu umschreiben, dass diese als Schrittmacher der Evolution auf ihre Reproduktion abzielen und persönlichkeitsbestimmend seien. Hier hören wir die Sprache eines Ultra-Darwinismus und Reduktionismus, in denen die Ansicht gedeiht, wir seien die «Sklaven unserer Gene».

Eine ganz und gar andere Auffassung vertritt der Londoner Biologe Steven Rose. «Die Biologie macht uns frei», sagt er in seinem neuen Buch «Darwins gefährliche Erben». Für Rose beruhen die Betrachtungsweisen der Ultra-Darwinisten sowohl auf ungenügenden Voraussetzungen als auch auf wenig überzeugenden Versuchsergebnissen. Zwar anerkennt er den Reduktionismus als Methode, um konkrete Fragen zu bearbeiten; aber in vielen Fällen überstrapazierten seine Anhänger die Aussagekraft bestimmter Experimente. Für seine Auseinandersetzung mit Dawkins und der Haltung des Ultra-Darwinismus löst sich Rose vom Gen als alleinigem Untersuchungsobjekt und ordnet die Zusammenhänge auf den einzelnen Stufen biologischer Komplexität. In einem Organismus mit individueller Geschichte, der ständig mit der Umwelt im Wechselspiel steht, antworten jeweils mehrere, miteinander vernetzte Gene auf die sich ändernde Umgebung. Obwohl er seine Auseinandersetzung breit anlegt, vermeidet Rose Beliebigkeiten und verbindet Daten sauber miteinander.

In sachlicher und angemessener Sprache bekommt die Diskussion Substanz und Profil. Dawkins vermag zwar in seinen Büchern mit eingängigen Metaphern und Analogien zu faszinieren, läuft dabei aber Gefahr, die Dinge vereinfacht darzustellen. Mit dem Ergebnis, dass Resultate ausserhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft falsch eingeschätzt werden und sich Hoffnungen an sie knüpfen oder Forderungen darauf gründen. Rose warnt vor den politischen Implikationen und dem darin innewohnenden ideologischen Potential. Er ruft uns eine eher humanistische Gesinnung ins Gedächtnis. Mit seinen Rückgriffen auf Karl Popper, Thomas Kuhn und andere Exponenten der Wissenschaftsphilosophie entwickelt er zwar keine neuen Erkenntnisse. Aber er versetzt den Leser in die Lage, die einzelnen Positionen bewerten zu können und die weitere Entwicklung zu verfolgen.

Olaf Schmidt


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Polemisch und Peinlich 27. April 2000
Von Ein Kunde
Rose kritisiert die These, der Mensch sei nur mit Hilfe der Gene mehr oder weniger vollständig zu erklären - in der Art, daß es Gene für aggressives Verhalten, Homosexualität und dergleichen gäbe. Meiner Ansicht nach zu recht.

Doch leider übersieht er im Eifer des Gefechtes (als Versuch einer wissenschaftlichen Argumentation kann man das Buch kaum bezeichnen), daß seine beiden "Hauptzielscheiben" Richard Dawkins und Daniel Dennett diese These überhaupt nicht vertreten!

Anscheinend hat Rose nicht ganz verstanden, worum es Dawkins und Dennett geht. Der von Rose so scharf angegriffene Neo- bzw. Ultra-Darwinismus beschäftigt sich primär mit Evolution "an sich", und nicht mit Genetik. Das "Verhalten" der Gene wird nur als _eine_ Instanz der Klasse Evolution angesehen.

Rose scheint nicht über den Tellerrand seiner "biologischen Weltsicht" hinaus zu schauen; gerade Richard Dawkins hat durch die Einführung des Begriffes "Mem" für einen den Genen ähnlichen Replikator kultureller Ideen (der ebenfalls den Gesetzen der Evolution folgt) gezeigt, daß eben nicht alles nur mit Genen alleine erklärbar ist. Es spricht nicht gerade für Rose, daß er, anstatt sich mit dieser These auseinanderzusetzen, sie nur in einem Satz erwähnt - mit der unbegründeten Bemerkung, Dawkins hätte damit "mal wieder den Vogel abgeschossen".

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6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gut, aber nicht perfekt 27. September 2003
Von Ein Kunde
Steven Rose liefert hier ein Buch ab, dass sich deutlich über den Mainstream a la "egoistische Gene" erhebt. Leider ist er bei seiner Kritik an Dawkins et.al. nicht gründlich genug - vielleicht weil er dadurch seine eigene darwinistisch orientierte Position gefähren würde. Immerhin zeigt er recht deutlich, dass der Ultradarwinismus nach Dawkins&co. unter den forschenden Wissenschaftlern nicht wirklich ernstgenommen wird. Er zeigt recht schön die Beschränkungen der Biologenzunft und der Naturwissenschaft allgemein auf - das ist die Stärke seines Buches. Leider zieht er Dawkins sachlich nicht den Boden unter den Füßen weg (wenn er auch gut zeigt, dass dessen ultragenozentrische Sichtweise des Lebens falsch ist) - das kann er als Darwinist nicht machen, weil derartige Kritiken auch auf ihn selbst zurückfallen würden.
Aber als Kritik eines Darwinisten an Ultradarwinisten ist es jedenfalls lesenswert. Das er dabei ab und an etwas Polemik durchkommen lässt, ist insofern kein Problem, als sein Hauptziel Dawkins in dieser Beziehung völlig ungeschlagen ist - Dawkins, der seinen Mitmenschen schnell mal Geistesgestörtheit und Bosheit unterstellt, verdient es nicht allzu sanft angefasst zu werden.
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