Rose kritisiert die These, der Mensch sei nur mit Hilfe der Gene mehr oder weniger vollständig zu erklären - in der Art, daß es Gene für aggressives Verhalten, Homosexualität und dergleichen gäbe. Meiner Ansicht nach zu recht.
Doch leider übersieht er im Eifer des Gefechtes (als Versuch einer wissenschaftlichen Argumentation kann man das Buch kaum bezeichnen), daß seine beiden "Hauptzielscheiben" Richard Dawkins und Daniel Dennett diese These überhaupt nicht vertreten!
Anscheinend hat Rose nicht ganz verstanden, worum es Dawkins und Dennett geht. Der von Rose so scharf angegriffene Neo- bzw. Ultra-Darwinismus beschäftigt sich primär mit Evolution "an sich", und nicht mit Genetik. Das "Verhalten" der Gene wird nur als _eine_ Instanz der Klasse Evolution angesehen.
Rose scheint nicht über den Tellerrand seiner "biologischen Weltsicht" hinaus zu schauen; gerade Richard Dawkins hat durch die Einführung des Begriffes "Mem" für einen den Genen ähnlichen Replikator kultureller Ideen (der ebenfalls den Gesetzen der Evolution folgt) gezeigt, daß eben nicht alles nur mit Genen alleine erklärbar ist. Es spricht nicht gerade für Rose, daß er, anstatt sich mit dieser These auseinanderzusetzen, sie nur in einem Satz erwähnt - mit der unbegründeten Bemerkung, Dawkins hätte damit "mal wieder den Vogel abgeschossen".