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5.0 von 5 Sternen
Schwere Wasser, 12. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Darwins Schöpfungsgeschichte (Audio CD)
Schwere Wasser
Wenn ich diesem Hörstück etwas vorwerfen kann, dann, dass mich die assoziative Flut, die die Geschichte in mir auslöst, auch nach dem Hören noch längst nicht loslässt.
Wie ein Kammerspiel kommt "Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies daher". Und so muss es sein! Kein Hörspiel, kein Hörbuch - zielsicher hat der Autor Andreas H. Drescher sein Werk über Darwins Seereise, Darwins Innenreise, wie wir sehen werden, dazwischen angesiedelt. An drei Stücke musste ich denken: Weischedels 'Philosophische Hintertreppe', weil uns als Hörern der Wissenschaftler Darwin hier so konkret als Mensch gegenübertritt, Thomas Manns 'Tristan', weil Darwin so sehr mit der erwarteten Dumpfheit seines vermeintlichen Antagonisten Fitzroy hadert und Raoul Schrotts 'Finis Terrae' und 'Die Wüste Lop Nor', weil die Irritation zwischen Stringenz und Chaos so spürbar wird.
Die ganze Zeit sind wir in Darwins Selbst, bzw. dem, was er dafür hält. Seine längst verstorbene Mutter dringt in ihn, gleichsam in uns fortwährend ein, mal mütterlich fürsorglich, mal höhnisch am Rande der Verachtung, mal gelassen auf eine Weise, die fast nach Zen klingt.
Zuerst jedoch konzentriert sich Darwins Gedankenwelt, seiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise durch ständige Seekrankheit beraubt, auf die am leichtesten zu fassenden Objekte, wie er meint: die See und Captain Fitzroy. Darwin arbeitet sich geradezu ab an dem, was er nicht ändern kann und dem, was er nicht sein will.
Und doch... zieht das Hörstück zentrifugale Kreise, auf den Kern hin drängend, letztlich auf ihn selbst deutend.
Und in Momenten, in denen man es sich soeben im Hörstück gemütlich gemacht hat und mitten im Sturm locker zuhörend auf den Wellen schaukelt, dreht uns der Autor auf Links: es entsteht eine flüchtige Schicksalsgemeinschaft zwischen den Gegnern. Frappierend folgen wir den veränderten Umständen, um uns alsbald in einer neuen Stufe von Darwins psychologischen Verstrickungen wieder zu finden.
Dabei lässt der erzählerische Zug des Stücks uns nicht ruhen, fordert uns und macht dies gleichzeitig leicht, da man dem Bann der Erzählung weder ausweichen mag noch kann.
Karg eingesetzt, lassen Geräusche oder Musik kurz durchatmen, bevor der Wellengang der Erzählung wie die See unablässig weiter an uns zieht. Wobei auch der musikalische Einsatz nichts mit Untermalung gemein hat. Mal hämmern zwei, drei Pianotöne unvermittelt scharf, dann wieder perlt das Klavier anderswo als Kontrapunkt zum Erzählten dahin.
Die sozialen, ökologischen und religiösen Aspekte, welche die Konfrontationen begleiten, werden wahrgenommen, geraten jedoch zur Beigabe des furiosen Pendelns zwischen nautischer, psychologischer und introspektiver (Irr-)fahrt.
Die beiden Sprecher - und auch das ist eine Wegmarke im Hörstück - richten sich auch vom klanglichen Ausdruck her nicht an ein Gegenüber, sondern sprechen gewissermaßen nach innen. Nichts könnte der Erzählung besser dienen als genau diese Präsenz.
So wie ich selbst nach dem Hören bleibt Darwin schließlich mit Fragen und vagen Antworten aber auch mit weiten Stücken offenen Himmels zurück
Möchte ich mit Darwin, Fitzroy oder Darwins Mutter ein Bier trinken gehen? Nein. Dennoch begegne ich allen jeden Tag: in mir selbst. Andreas H. Drescher lässt uns in den Spiegel schauen, wenn wir wollen. Toll!!
Ein faszinierendes Hörstück! Dicht, mitunter fast hermetisch geschlossen - und immer wieder mit Augenblicken, in denen die Wolken über den schweren Wassern aufreißen...
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5.0 von 5 Sternen
Ganz dicht dran an Darwin, 19. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Darwins Schöpfungsgeschichte (Audio CD)
Was wissen Sie von Ch. Darwin? Autor des bahnbrechenden Werkes über die Entstehung der Arten. Sicherlich. Aber können Sie sich Darwin als Mensch vorstellen, gebeutelt, erschöpft, fast am Ende? Lassen Sie es, überlassen Sie das getrost dem Autor Andreas H. Drescher. Sie werden mit diesem grandiosen Hörbuch in die unterseeischen Tiefen der Seele Darwins entführt.
Andreas H. Drescher, ohne Frage ein Großmeister der Sprache, legt einen Text mit subtil-intensiven Bildern vor, wie man ihn nur selten zu hören bekommt.
Kongenial auch aus meiner Sicht die Wahl der Stimmen, die den Text in seiner Lage jenseits der Buchstaben vorzüglich erfassen.
Ein Hörbuch zur Unterhaltung kurz vor dem Einschlafen ist das Werk von Andreas H. Drescher (und natürlich des Bellerive-Verlags)allerdings nicht, die Konzentration der Sprache fordert die Konzentration des Lauschens, aber was man für diese "Anstrengung" bekommt ist absolut bemerkenswert. Ein sicherer Tip für Hörbuchfans mit gehobenem Anspruch.
Dr.Joachim Kramp, Hergenrath
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5.0 von 5 Sternen
Höhepunkt des Dawin-Jahres, 17. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Darwins Schöpfungsgeschichte (Audio CD)
Eine unglaublich dichte Atmosphäre. Musik und Geräusche ziehen einen gleich hinein. Und ich höre einen Darwin, wie ich ihn nicht erwartet hätte. Sehr plastisch beschrieben, der Charakter des hier noch lange nicht berühmten Mannes. Gut recherchiert das Ganze, wenn ich es mit meinem Wissen aus den Dokumentationen des Jahres 2009 vergleiche. Und mit Einfühlung geschrieben. Jeder, der schon einmal unter der Willkür eines Vorgesetzten gestöhnt hat, wird nachvollziehen können, wie schwierig es für Darwin gewesen sein muss, mit einem so pedantischen und harten Mann fünf Jahre lang die Kabine zu teilen. Und dann auch noch diese fortwährende Seekrankheit! Kein Wunder, dass er irgendwann so ausgelaugt ist, dass er die Stimme seiner toten Mutter zu hören glaubt. Auch hier zeigt sich wieder, was für ein außergewöhnliches Hörbuch das ist. Dass seine Mutter nämlich aus dem Jenseits spricht, begreift man durch die zurückhaltende und doch intensive Musik sofort. Unbedingt empfehlenswert!
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