Der Name Charles Darwin dürfte vielen (hauptsächlich im Bezug auf die Evolutionstheorie) ein Begriff sein, aber der Name des Navy Captains Robert FitzRoy hingegen kaum. Er war der Mann, der Darwin um die Welt brachte und überhaupt erst die Idee hatte, auf seine Reise nach Feuerland (zur Vermessung der Küste, Entdeckung von Häfen und neuer Seewege mit der HMS Beagle) und in den Pazifik einen Gelehrten mitzunehmen, damit er während der langen Zeit Gesellschaft hatte. Die Wahl fiel auf den sehr jungen Charles Darwin und das sollte ihrer beider Leben sehr verändern.
Das vorliegende Buch ist die Biographie Robert FitzRoys, allerdings immer wieder gespickt und durchzogen von einer halben Biographie Darwins, da ihrer beider Leben zeitweise sehr eng verknüpft war. Für eine Biographie ist es allerdings absolut nicht langweilig, da der Autor sehr bildhaft schreibt und einen guten Stil wahrt. Er konzentriert sich auf das Wesentliche, nur manchmal wünscht man sich etwas detailliertere Ausführungen.
Das schöne Flair des 19. Jahrhunderts schwingt in dem Buch mit als man mitverfolgen kann, wie FitzRoy sich beispielsweise bemühte, drei entführte Feuerländer in Englands Gesellschaft einzuführen und damit scheitert, sodass er sie irgendwann zurückbringen muss, was auch einer der Gründe für die Reise ist, auf der er Darwin mitnimmt.
Vor allem arbeitet Peter Nichols jedoch sehr gut heraus, inwieweit unter anderem auch Darwin zum letztendlichen Scheitern und Selbstmord FitzRoys (der selbst sehr belesen und ehrgeizig war) führte. Zunehmender beruflicher Mißerfolg, psychische Labilität und eine Entzweiung mit Darwin (durch seine zunehmende kirchliche Position bezüglich der Evolutionstheorie), welcher selbst berühmt wurde während es FitzRoy versagt blieb, führten letztendlich zu diesem endgültigen Schritt.
Vorher schuf FitzRoy gegen Ende seines Lebens, nachdem er aus all diesen Gründen zum meteorologischen Dienst abgeschoben worden war, Dinge, welche uns noch heute geläufig sind. Er war unter anderem maßgebend für den ersten Wettervorhersagedienst Großbritanniens, richtete dort und auch auf dem europäischen Kontinent Wetterstationen ein, erfand ein weiterentwickeltes Barometer usw. Auch seine Arbeit als Vermesser war auf seinen Reisen herausragend. Einige der Karten sind bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch gewesen, einige wenige anscheinend sogar noch heute in Zeiten des GPS. Und doch stand er ewig in Darwins Schatten und wurde schließlich fast vergessen. Seine Leistungen wurden erst sehr spät (und lange nach seinem Tod) gewürdigt.
Die von Peter Nichols beschriebene Biographie ist nicht nur gut gelungen und lesenswert als solche, sondern sie liefert viel Wissen auch auf solchen Gebieten, die auf den ersten Blick nichts mit Seefahrt zu tun haben. Natürlich kommt die Evolutionstheorie irgendwoher, aber diese Wurzeln ihrer Entstehung bekommt man meistens nicht in der Schule gelehrt. Ich bereue es nicht, dieses Buch gekauft zu haben, auch wenn es wie gesagt manchmal an einigen Stellen zu knapp geraten ist. Leider gibt es keine 4,5 Sterne, weshalb ich mich doch für die 5 entschieden habe.