Eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, stellt eine wirkliche Herausforderung dar. Der Ingenieur (!!) Hans Joachim Zillmer hat sich 1998 in seinem Buch "Darwins Irrtum - Vorsintflutliche Funde beweisen: Dinosaurier und Menschen lebten gemeinsam" dazu berufen gefühlt zu zeigen, dass die Welt so wie wir sie kennen vor ca. 10.000 Jahren durch eine große Sintflut entstanden ist. Die Evolutionstheorie sei eine große Lüge der Wissenschaftslobby und die Wahrheit über die Entstehung der Welt findet sich im...Alten Testament!
Jeder Mensch, der seine fünf Sinne halbwegs beisammen hat, wird diesen Gedanken automatisch als Blödsinn abstempeln. Dennoch habe ich das Buch gelesen, um zu erfahren, wie diese sogenannten "young earth creationists" argumentieren. Das Ergebnis ist in seiner Ignoranz, Leichtgläubigkeit und Dummheit schlicht und einfach erschreckend.
Von jemanden, der Darwins Evolutionstheorie zu widerlegen versucht, könnte man erwarten, dass er zumindestens die zentrale Prämisse des Evolutionsprinzips verstanden hat. Doch schon hier blamiert sich Zillmer: "Eine Evolution und langsame zufällige Entwicklung des Menschen durch viele Zufälle und Mutationen über lange Zeitepochen hinweg, stellt sich unter diesem Blickwinkel als Märchen dar" (23). Dieser Satz ist sprachlich auf dem Niveau eines Zehnjährigen ("zufällige Entwicklung durch viele Zufälle") und inhaltlich einfach nur falsch. Jeder Siebtklässler weiß, dass Evolution nicht auf Zufällen, sondern auf einem Prozess der natürlichen Selektion beruht. Dieser Prozess arbeitet höchst zielgerichtet und hat nun gar nichts mit Zufällen zu tun.
Detailliert berichtet Zillmer von seiner Reise ins "Creation Evidence Museum" in den USA, der er seine Erkenntnisse zu verdanken hat. Die dort präsentierten Beweise (Fußabdrücke von Menschen und Dinosauriern direkt nebeneinander) wurden von seriösen Wissenschaftlern bereits mehrfach als plumpe Fälschungen entlarvt. Das hindert Zillmer nicht daran, auf jeder zweiten Seite zu schreiben: "Es kann sich unmöglich um Fälschungen handeln". Warum nicht? Nun, an diesem Punkt überschreitet die Darstellung die Grenze zur Realsatire. Hier Zillmers Begründung: "In diesem Fall kann es aufgrund des Zeitproblems auch keine Evolution gegeben haben. Für die Entwicklung der Arten war einfach zu wenig Zeit vorhanden! Diese Schluß ist logisch zwingend! Wenn es aber keine Evolution gegeben haben kann, stellt sich die Frage: Woher kommen alle hoch entwickelten Lebewesen? Es gibt nur eine Antwort: Sie wurden erschaffen, von wem auch immer" (67).
An anderer stelle "beweist" er, dass Gott die Erde erschaffen hat. Dazu zitierte er einfach zahlreiche Stellen aus der Genesis und schließt daraus: Die Evolutionstheorie muss falsch sein, da sie dem Alten Testament widerspricht (vgl. 150ff.). Angesichts solcher argumentativen Armut eines christlichen Fundamentalisten fehlen einem schlicht die Worte.
Aber wenn man denkt, dass es schlimmer nicht mehr kommen kann, setzt Zillmer noch einen drauf. In den Bildern 96-98 ist zu sehen, wie japanische Fischer 1977 den Kadaver eines Dinosauriers (!!) aus dem Meer angeln. Zillmer erdreistet sich, diese verschwommenen Bilder, die alles mögliche darstellen können, als weiteren Beweis für seinen Unfug heranzuziehen. Dieser sensationellen Fund ist leider nicht zu besichtigen, da die Fischer ihren Fang natürlich sofort wieder ins Meer geschmissen haben. Was man halt so mit Dinosaurierkadavern macht, wenn man mal einen findet.
Fazit: Inhaltlich ein Witz, sprachlich peinlich und ideologisch verbohrt. Um sein christliches Weltbild zu retten, ignoriert und fälscht Zillmer die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung der vergangenen 150 Jahren. Jeder sollte dieses Buch lesen, um zu sehen, wie armselig manche Menschen versuchen, wissenschaftliche Fakten zu verleugnen, um ihr Weltbild zu retten.