Eichelbeck zeigt die Fehler und Unstimmigkeiten dieses Denkmodells auf und entlarvt es als Mythos, der im 19. Jahrhundert als Antipode zur biblischen Schöpfungsgeschichte durchaus seine Berechtigung hatte, heute aber als überholt gelten muss.
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In seinem Buch Das Darwin-Komplott nimmt sich Reinhard Eichelbeck des Darwinismus an -- und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Der Wissenschaftsjournalist greift ein wissenschaftliches und gesellschaftliches Weltbild an, das bereits so tief in unser Bewußtsein diffundiert ist, daß es nicht mehr angezweifelt wird. Anhand unzähliger Beispiele, die die Natur ihm als Argumente täglich vor Augen führt, versucht Eichelbeck, die Annahmen, theoretischen Schwächen und ideologischen Hintergründe des Darwinismus und seiner Spielarten zu widerlegen.
Das ist beachtlich, insbesondere wegen der Detailfülle und Eichelbecks hervorragend eingängiger Schreibweise. Ein Beispiel: Giraffen haben lange Hälse, damit sie hoch gelegene Nahrung erreichen konnten. So sicherten sie sich ihr Überleben in einer Umgebung, an deren Boden nichts mehr wuchs. Das ist eine gängige Grundannahme der Evolution und jedem nachvollziehbar -- Survival of the Fittest. Eichelbeck stellt die interessante Frage, wie denn dann die Giraffenjungen mit ihren kurzen Hälsen überleben konnten, und warum Giraffenweibchen (und damit die Art) überlebt haben, obwohl diese 60 Zentimeter kürzere Hälse haben.
Der Beispiele gibt es viele; Eichelbeck führt den Darwinisus und seine wenig exakte Begriffswelt auf den Drang zurück, im 19. Jahrhundert einen mechanistischen Gegenentwurf zur Schöpfungsgeschichte zu präsentieren. Wissenschaftsgeschichtlich ist das natürlich nachvollziehbar; daß dieses Weltbild aber noch immer fast unverändert gelehrt wird und zu einer der bestimmenden Determinanten der westlichen Kultur geworden ist, ist für Eichelbeck aus heutiger Sicht stark korrekturbedürftig.
Eichelbecks Argumente gegen den verbreiteten, in Wissenschaftskreisen nicht unumstrittenen Darwinismus sind augenfällig. Seine Lösungsansätze präsentieren sich hingegen etwas dünn. Da werden Begriffe aus vorchristlichen Schöpfungsmythen bemüht und das Verhalten des Menschen (Umweltzerstörung, Krieg) als bester Beweis angeführt, warum Darwin unrecht hatte. Und Eichelbeck ruft auf, umzudenken und tolerant und harmonisch nach einer neuen Ethik im Einklang mit der Natur zu leben. Das sind hehre Vorsätze, die allerdings nicht ganz zu seiner wissenschaftstheoretisch klaren Beweisführung gegen den Darwinismus passen.
Trotz allem ist Das Darwin-Komplott ein beachtliches Buch: Eichelbeck versteht es, die wissenschaftliche Diskussion um eines der Kernthemen unserer biologischen Gesellschaftsordnung anschaulich und verständlich darzustellen. Man liest und ist gefesselt vom Offensichtlichen: Daß die Welt lange nicht so einfach beschaffen ist, wie lineare und mechanistische Denkmodelle uns in einer Zeit immer noch weismachen wollen, in der selbst Einsteins Relativitätstheorie schon fast zum Allgemeingut geworden ist. --Marcus Polke
Eichelbeck sieht es als erwiesen an, daß die Erbsubstanz (DNA) und letzten Endes die Gene keine oder nur eine geringe Wirkung auf den Phänotyp (Aussehen) der Lebewesen haben. Viele Seiten hatte er dafür verwendet, den „Darwinisten" und nebenbei den Genetikern zu zeigen, daß die so sehr ersehnte Allmacht der Gene nicht existiere und sie bei weitem nicht die Wirkung auf den Phänotyp haben, wie es oft behauptet worden sei. Wer glaubt hier handelt es sich nun um einen Menschen, der die Gentechnologie für harmlos hält, hat sich getäuscht, denn ein paar Seiten weiter verspricht er uns den „gentechnologischen Supergau"! Befinden sich die Gene in ihren angestammten Organismus bewirken sie rein gar nichts, sind sie vom Menschen jedoch verpflanzt worden sind sie die reinsten Bestien. Einen der beiden Standpunkte muß der Autor aufgeben, oder aber seine Beweisführung ist gescheitert.
Wenn man diese Ambivalenz nun doch irgendwie akzeptieren will trifft man früher oder später auf Behauptungen, die schlicht und einfach falsch sind. In der Evolution spielt der Fortpflanzungserfolg eine wesentliche Rolle, denn es werden offensichtlich die Arten überleben, die sich vermehren und eine gewisse Nachkommenschaft erzeugen.
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