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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Interessante Ansätze, aber oft spekulativ,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Darwin-Code: Die Evolution erklärt unser Leben (Gebundene Ausgabe)
Die Autoren wollen zeigen, dass nicht nur die Körperfunktionen der Menschen, sondern auch ihre Verhaltensweisen mit der Evolutionstheorie erklärbar sind. So können beispielsweise sowohl Selbstmordattentate als auch die Neigung der meisten Menschen, religiösen Überzeugungen anzuhängen, biologisch begründet werden. Besonders interessant fand ich die Überlegung, dass die Entstehung der Kunst einen wichtigen Faktor für die Vormachtstellung des modernen Menschen darstellt. Im letzten Kapitel betrachten die Autoren sogar den Sinn des Lebens aus wissenschaftlicher Perspektive.Großteils sind die Ausführungen leicht nachvollziehbar und schlüssig. Vor allem im ersten Kapitel "Steak und Schokolade" gibt es aber einige Dinge, die mich störten, da die aufgestellten Behauptungen meiner Meinung nach nicht ausreichend begründet werden: 1. Die Autoren ziehen die Grenze zwischen der unserem Erbgut entsprechenden "natürlichen" Ernährungsweise und der von ihnen kritisierten Änderung bei der neolitischen Revolution. Warum gerade diese - und nicht etwa die Verwendung des Feuers zur Bearbeitung von Nahrungsmitteln - als einschneidenste Veränderung angesehen wird, obwohl das Kochen die Grundstruktur der Lebensmittel entscheidend verändert, wird nicht erklärt. Es erscheint mir daher willkürlich, dass ein gebratenes Steak als unserer Natur entsprechend dargestellt wird, obwohl alle anderen Tierarten in freier Wildbahn ihr Fleisch roh essen, Getreide und Milch aber eher abgelehnt werden. 2. In dem Buch wird die Behauptung aufgestellt, die paläolithische Ernährung habe vor allem aus verschiedenen tierischen Lebensmitteln sowie Obst und Gemüse bestanden, aber kein Getreide enthalten. Ein Blick auf die Ursprünge der Landwirtschaft scheint aber eine andere Sprache zu sprechen: Die frühesten Hinweise auf die Domestikation von Pflanzen finden sich im vorderen Orient (Fruchtbarer Halbmond) sowie in China. Bei den ersten landwirtschaftlich genutzten Pflanzen des fruchtbaren Halbmonds handelt es sich um Gerste, mehrere Weizensorten und Hülsenfrüchte. In China wurden zuerst Reis und Hirse angebaut, etwas später kamen Sojabohnen hinzu. Auf dem amerikanischen Doppelkontinent basierte die erste Landwirtschaft auf Mais und Bohnen. Es lässt sich also festhalten, dass am Beginn der Landwirtschaft überwiegend Getreide und Hülsenfrüchte standen, keine anderen Gemüse- und überhaupt keine Obstsorten, obwohl diese angeblich einen Großteil der "natürlichen" Ernährung des Menschen darstellen. Es findet sich aber keine plausible Erklärung dafür, wieso die Menschen damals auf die Idee gekommen sein sollen, gerade die Samen von Pflanzen, die in ihrer bisherigen Ernährung kaum eine Rolle spielten, zu sammeln, planmäßig auszusäen und über viele Generationen zu kultivieren. Dass sie also ihre ganze Lebensweise umgestellt haben (vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit), um Pflanzen anzubauen, deren Verwendung zu Nahrungszwecken ihnen zuvor gar nicht bekannt war. Die Tatsache, dass die früheste Landwirtschaft, die in verschiedenen Gegenden über den ganzen Erdball verteilt unabhängig entwickelt wurde, auf diversen Getreidearten basierte, lässt vielmehr den Schluss zu, dass die Urformen des heutigen Getreides schon zuvor einen wesentlichen Teil der Nahrung ausmachten. 3. Die Autoren führen an, dass ein großer Teil der Menschheit laktoseintolerant ist und sehen dies als Hinweis, dass die Milch nicht so gut sei, wie von Ernährungswissenschaftlern behauptet. Aus Sicht der Evolutionsbiologie müsste die Argumentation aber in die genau entgegengesetzte Richtung gehen. Es wird schließlich davon ausgegangen, und auch in diesem Buch immer wieder betont, dass sich Eigenschaften nur dann durchsetzen, wenn sie für das Individuum bzw eine Gruppe von Individuen einen Vorteil hinsichtlich des Überlebens- oder Fortpflanzungserfolgs darstellen. Aus der Tatsache, dass ein Teil der Menschheit - darunter der Großteil der Europäer - im Gegensatz zu allen anderen Säugetieren in der Lage ist, auch im Erwachsenenalter Milch bzw Milchzucker zu verdauen, muss somit zwingend geschlossen werden, dass der Konsum von Milch zumindest für unsere Vorfahren vorteilhaft war. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Anschaulich & vergnüglich!,
Von Dr. Michael Blume (Filderstadt, Baden-Württemberg, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Darwin-Code: Die Evolution erklärt unser Leben (Gebundene Ausgabe)
Gerade weil sich die Evolutionsforschung mit der komplexen Überfülle des Lebens beschäftigt, fällt sie leider immer wieder in zwei Extreme: Sie kann sich abstrakt auf die Darstellung der evolutionären Grundregeln (Variation, Selektion, Reproduktion) beschränken oder aber ein konkretes Fachgebiet (z.B Evolution der Sprache oder Religion) vertiefen. Junker und Paul ist es gelungen, mit dem Darwin-Code einen Mittelweg zu beschreiten, der sicherlich viele Leser für die Faszination Evolution gewinnen kann: Sie wählen aktuelle, anschauliche Forschungsfelder aus und vertiefen diese so, dass auch Einsteiger folgen können. Mit Ernährung und Partnerwahl knüpfen sie pfiffig an Themen an, mit denen wir alle zu tun haben - und man merkt ihnen die Freude gerade hier auf jeder Seite an! Dann folgen aber auch dunkle Fragestellungen wie Selbstmordattentate oder das Aussterben der Neandertaler, bevor sie mit Wissen, Kunst und Religion in neueste Forschungsgebiete vorstoßen. Sie enden mit einem philosophisch angehauchten Kapitel, das zur (kontroversen) Meinungsbildung einlädt.Nun wirke ich seit Jahren in der Evolutionsforschung mit und widerstehe der Versuchung, z.B. an Details im (guten) Religions-Kapitel zu mäkeln. Aus einem ganz einfachen Grund: Junker und Paul haben etwas in Deutschland immer noch Seltenes gemacht, sie haben für Interessierte geschrieben - und zwar so, dass diese zum mit-denken und mit-forschen eingeladen werden. Ihr Buch ist launig, vielfältig und missionarisch-meinungsstark, ohne je in Klamauk abzusinken. Es ist ein Buch, dass sich nicht mit Fachjargon nach allen Seiten absichert, sondern sich festlegt, die Leserin mitnimmt und gerade damit "Lust auf mehr" macht. Damit ist es genau das richtige Buch für Menschen, die sich zur aktuellen Evolutionsforschung einen Überblick verschaffen und zugleich unterhalten lassen wollen - seriös, aber nicht abschreckend schwer. Es ist eines dieser seltenen Wissenschaftsbücher, die sich auch zum Verschenken eignen - denn an irgendeinem Kapitel wird hier jede(r) - ob Laie oder Profi - anbeißen! Und immer wieder naschen... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein kühnes Experiment!,
Von w_a_mozart (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Darwin-Code: Die Evolution erklärt unser Leben (Gebundene Ausgabe)
Vor gut 30 Jahren haben einige Biologen begonnen, Charles Darwins Theorien konsequent auf die Menschen und ihr Verhalten anzuwenden. Daraus sind die Soziobiologie und die evolutionäre Psychologie entstanden. Diese Forschungsprogramme haben sich als enorm anregend erwiesen. Wie nicht anders zu erwarten, gab und gibt es heiße Debatten um einzelne Thesen, aber das Paradigma als solches wird heute nur noch von den sog. "Kreationisten" und einer Handvoll von Geisteswissenschaftlern bestritten, die in ihrer biologischen Naivität einen Vorzug sehen.Wie weit die Erforschung menschlicher Verhaltensweisen durch die Darwinsche Evolutionsbiologie mittlerweile gediehen ist, zeigt das beachtenswerte Buch von Thomas Junker und Sabine Paul. Es ist eine sachkundige und zugleich unterhaltsame Einführung in neuere evolutionsbiologische Theorien und dürfte zu den spannendsten Büchern des Darwin-Jahres gehören. Zum einen zeigt es exemplarisch, was die Biologie heute über die Entstehung der Kultur, der Moral oder sexueller Vorlieben zu sagen hat. Ihr Buch ist aber weit mehr als das: es ist zugleich ein Experiment, das demonstrieren soll, wie weit man mit der Darwinschen Erklärung auch bei Themen kommt, zu denen die Biologie nach weitverbreiteter Ansicht nichts beitragen kann. Beispiele sind hier die Übergewichtsproblematik, die Kunst, die Religion, der Freiheitswillen der Menschen und der Sinn des Lebens. So kommt das Autorenteam etwa zu dem Schluss, dass die Kunst geradezu überlebenswichtig für das Wohlergehen und das biologische Überleben des Menschen war und ist. Gelingt es dem Buch, dem in der reichhaltigen Thematik liegenden Anspruch gerecht zu werden? Mir scheint es so, aber etwas anderes ist vielleicht noch wichtiger: es bringt frischen Wind in alte Debatten, zeigt, dass sich durchaus noch etwas Neues zur Natur der Menschen sagen lässt, und regt - so ist zu hoffen - lebhafte und sachkundige Diskussionen an. Denn es bezieht klar Stellung, formuliert begründete und widerlegbare Thesen und bereitet so die Grundlage für eine notwendige Debatte über die Natur der Menschen und ihr (Sozial-)Verhalten. Wem hierzu nur ,Biologismus' oder ,Sozialdarwinismus' einfällt, dem ist zu sagen, dass er oder sie dreißig Jahre fruchtbarer evolutionsbiologischer Forschung verpasst hat und nur eine überkommene Interpretation der Evolutionstheorie kennt. Dass der "Darwin Code" den Kreationisten (und ihren sich aufgeklärt gebenden Jüngern) übel aufstoßen wird, ist anzunehmen, doch damit können die Autoren als konsequente Verfechter der Darwinschen Evolutionstheorie wohl leben. Für alle anderen, vor allem für die Kulturwissenschaftler, aber gilt: Es ist höchste Zeit, die Scheuklappen abzulegen und in der Evolutionstheorie nicht länger eine Bedrohung, sondern eine Bereicherung zu sehen. Das Buch von Junker und Paul ist im Moment die vielleicht beste Möglichkeit, sich vorzüglich und zugleich amüsant über aktuelle Ideen von Darwins Erben zu informieren. Manche Aussagen des Buches provozieren, manche überraschen und kaum jemand wird jeder These zustimmen. Aber der Text fordert diese Fragen geradezu heraus und lädt ein, auf eine durchaus engagierte, aber sachliche Argumentation ebenso zu antworten. Den sich daraus ergebenden Diskussionen darf man mit Spannung entgegen sehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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