Was für ein Buch!
"Darum" habe ich in zwei Phasen gelesen: 60 Seiten vor dem Schlafengehen, 240 nach dem Aufstehen. Plötzlich war es Nachmittag, und ich am Ende angelangt. Schade. Ein solcher Geniestreich und so schnell vorbei - eines dieser Bücher, das man nur mit Widerwillen zuklappt, wenn man die letzte Seite erreicht hat. Am liebsten nochmal an den Anfang und alles von vorne beginnen!
Besonders beeindruckend ist, dass es Daniel Glattauer so meisterhaft gelingt, seinen Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem zu halten, obgleich er vom monotonen Selbstmonolog nicht einen Moment lang abweicht. Die Emotionen, die sich in diesem Werk stauen und in gebündelten Absätzen mit einem Knall entladen, rauben einem förmlich den Atem. Die Geschichte zieht einen in sich hinein, man verschmilzt mit dem Protagonisten, fiebert stets mit ihm und wartet doch ebenso begierig auf die Auflösung wie jeder Polizist, jeder Anwalt, jeder Geschworene und jeder Journalist, der den Prozess verfolgt.
Das Ende ist nicht unvorhersehbar. In den letzen 50 Seiten habe ich geahnt, worauf die Geschichte hinausläuft, und ich habe Recht behalten. Doch ich WOLLTE schlichtweg nicht, dass sie so endet. Mein Mitleid mit diesem armen, geplagten Mann, der nie und nimmer ein Mörder sein konnte, war nicht minder gering als das der Figuren in Glattauers Buch. Man möchte Jan förmlich anschreien: "Nun gib doch zu, dass du nicht Schuld warst, dass du kein Mörder bist, dass alles gelogen war, lass dir doch helfen, quäl dich doch nicht!" Die Auflösung ist ein Paradebeispiel der berühmt-berüchtigten Ironie des Schicksals.
Etwas unbefriedigt und ganz und gar deprimiert bleibt man als Leser schließlich zurück. Legt das Buch zur Seite. Lehnt sich zurück. Schließt die Augen. Und denkt sich: Warum?
Die Antwort liegt vor einem: Darum!