Ich habe wie so mancher Dartfan mit Spannung dieses Buch erwartet. Habe es dann via Facebook des Autors online erworben, weil es dazu noch eine Signatur des Autors gab, was ich ganz nett fand.
Zum Inhalt: Die erste Hälfte des Buches - so etwa 100 Seiten - ist wirklich recht interessant zu lesen. Einiges weiß man als Dartfan natürlich schon, anderes ist neu und kurzweilig zu lesen.
Ab hier wird es aber düster. Der Rest ist ein Sammelsurium an Daten und Fakten. Zwar sollte das auch so sein, aaaaaber....
Ich bin zwar ein Fan von Statistiken, aber ich denke das geht besser. Die Formatierung lässt sehr zu wünschen übrig (z.B: Komma-Zahlen), Rechtschreibfehler gibt es auch zu sammeln. Die Tabellen sind ganz brauchbar (wenn auch besser formatierbar), dann wieder durchsetzt von beliebig anmutenden Fakten der Marke "Wussten Sie schon..." (Wer will die Schuhgrößen der Profis wirklich wissen?). Auch sind die Daten nicht immer korrekt, mir ist z.B. neu, dass Phil Taylor 2008 Weltmeister wurde (S. 176). Bei Statistiken ist das eben so eine Sache. Einmal ein gröberer Fehler und die "Glaubwürdigkeit" solcher Tabellen reduziert sich auf die Hälfte. Solche Fakten müssen einfach stimmen, wenn man sie bringen will.
Im Mittelteil gibt es zwar einige Farbbilder, ansonsten lässt allerdings die Qualität der abgedruckten Bilder - eher Grafiken - zu wünschen übrig und sie sind auch viel zu klein.
Die Interviews mit den Top-Profis sind ganz nett, wenn auch sehr kurz gehalten. Die Checkout-Tabellen jedes einzelnen Profis hätte man sich allerdings sparen können, die Unterschiede sind marginal, absolut unnötig, nach jedem Interview so eine Tabelle zu bringen. So etwas empfinde ich als "Seiten schinden". Satt dessen hätte man die Checkout-Wege mal detailliert erklären können, z.B. eine Art Verzweigungsbaum der Möglichkeiten von 170 abwärts nach unten hin aufzuschlüsseln. Aber dafür reicht wiederum das Format des Buches nicht aus (ca. A5). Auch fehlt z.B. Simon Whitlock bei dieser Aufzählung der besten Spieler, immerhin Nummer 5 der PDC Rangliste. Ein echtes No-go!
Die "Darts-Schule" in der Mitte des Buches mit Roland Scholten umfasst gerade mal 5 Seiten. Es ist einem Dartsfan ohnehin klar, dass jeder seinen eigenen Stil finden muss, aber hier hätte man etwas ausführlicher sein können. Alles in allem ein Buch für den Sonntag Nachmittag, die ersten 100 Seiten sind recht amüsant zu lesen, der Rest ist Statistik, die, wenn die Tabellen und Texte und auch die Formatierung überarbeitet werden, eine bessere Ergänzung abgeben würde. Es ist seit vielen Jahren kein vernünftiges deutschsprachiges Dartsbuch mehr erschienen. Dem hat der Autor nun löblicherweise ein Ende gesetzt, aber es geht besser. Das Buch als "Darts-Bibel" zu bezeichnen erachte ich als reinen Marketing-Gag. Zwei Sterne und eventuell ein halber dazu.