Darr ist, was Shahrukh Khans Bösewichtstreifen betrifft, der schlichteste, griffigste und nachvollziehbarste von allen.
Während Baazigar, einen super spannenden Krimi zeigte, mit meines Erachtens leichten Regiebrüchen in der recht wilden Story und Anjaam mit bizzaren Erotikphantasien und bestürzend gewalttätige Szenen aufwartete, kommt Darr in der Storyline zunächst als klassisch angelegter Liebesfilm daher.
Auf die Handlung will ich hier nicht näher eingehen....seht selber.
Nur so viel: Kiran und Sunil, liefern sicherlich auch im Sinne des indische Publikums, das ideale Saubermann-Liebespaar ab. Sunil gibt den Prototyp des männlich-mutigen, alles im Griff habenden ganzen Kerls, der beherzt Kinder außer Lebensgefahr bringt. Kiran eine im Manne Beschützerinstinkte weckende süße, bezaubernde und gebildete junge Frau aus gutem Hause. Natürlich knisterte da nicht viel zwischen Sunny Doel und ihr. Muss es aber auch nicht.....
Der Film wäre vielleicht eine übliche BW-Schmachtoperette, wenn er sich nicht durch bestimmte Besonderheiten, Shahrukhs Rolle betreffend, einen höheren Anspruch erwirkte. Kenner von spezielleren SRK-Rollen werden sich sicher für diesen Film interessieren. In Szenen wie z.B. Rahul mit Kiran Selbstgespräche führt, ist sehr gut zu beobachten, dass SRK einmal ursprünglich auch Bühnenschauspieler war.
Sein Appartement, an den Wänden eine Dia-Show mit Bildern nur von Kiran, wirkt wie sein eigenes Mausoleum, in dem Rahul seine unerfüllten Mannesträume konserviert. Diese intimen Szenen eines psychisch beschädigten Mannes machen den Film, als Freundin von komplizierteren SRK-Rollen, äußerst sehenswert.
Shahrukhs Schauspiel, löst hier wie auch schon in den anderen bösen Filmen, irgendwie mein Mitgefühl für diese Männerfigur aus. Er versteht es sehr sensibel seine Rolle als Rahul, der aus krankhafter Angst vor Zurückweisung sich Kiran nicht zu nähern traut, zu erfüllen. Man könnte darüber spekulieren, was bei Rahul in seiner Gefühlsentwicklung schief gelaufen ist. Der unverkraftete frühe Tod der Mutter. Die Vaterfigur, ein von militärischen Regeln geprägter Mensch. Ein ganzer Mann von echtem Schrot und Korn, wie man bei uns sagen würde. Rahul vielleicht eher sensibel gestrickt, der neben dieser übermächtigen Vaterfigur nie zur seiner eigenen inneren Stärke finden konnte. Auch keine Alternative erfahrend, während er in diesem von der starken Männlichkeit seines Vaters geprägten Umfeld aufwuchs.
Ja, ich war sehr erleichtert am Ende des Filmes, als der lange dauernde Zweikampf zwischen Sunil und Rahul endlich entschieden war.
Ein -must see- Film, wenn man Shahrukh in Rollen als Bösewicht schätzt.
Anzumerken sei noch, dass Sunny Deol nach dem der Film raus kam sehr sauer auf den Regisseur und Shahrukh Khan war. Sunny Deol hatte ja die eigentliche Hauptrolle im Film inne. Der Film wurde aber durch Shahrukhs Rolle ein Erfolg. Er war im indischen Kino damals noch nicht so berühmt wie Sunny Deol, spielte diesen, wie in diesem Streifen zu sehen ziemlich mühelos an die Wand.