Die neue Silje ist tatsächlich anders. Ihre Musik ist reifer geworden!
Leider kann ich mich der Meinung meiner Mitrezensenten so gar nicht anschließen, diese CD sei nur Mittelmaß oder es nerve eine "mickeymausartige" Stimme. Und wer immer nur die Weiterführung des bereits Bekannten erwartet, spricht einem Musiker seine Entwicklung ab, genau das, was einen Künstler doch gerade zum Künstler macht.
"First Light" und "Nightwatch" sind in sich perfekt und nicht zu toppen, wohl auch so nicht mehr wiederholbar. Zeit für etwas Neues. Und dieses Album ist jetzt anders. Stiller, verhaltener, subtiler ... und reifer. Und auch diesmal hat Silje Nergaard wunderschöne Melodien gefunden ( meine absoluten Favoriten: The Diner, Let me be troubled), immer noch singt sie mit dieser klaren, verzaubernden mädchenhaften Stimme, immer noch kann sie gerade auch die ganz zarten Töne so ergreifend interpretieren ( What might have been). Dabei ist es ein Album, das seine Stärken erst langsam, nach und nach offenbart.
Sicherlich, der Sound ist nach der Trennung von Tord Gustavsen gitarrenlastiger, folkiger geworden und erinnert hier und da sogar ein wenig an Norah Jones (Before you called me yours), diese CD ist anders eben. Und dabei wäre "How are you gonna deal with it" mit der Promotion einer Norah Jones längst zum Hit avanciert.
Meine Empfehlung also lautet: Ein absolutes Muss für den, der es schätzt, auch noch nach vielmaligem Hören Neues zu entdecken, der Musik mag, die klar und manchmal auch ein wenig melancholisch klingt wie eine nordische Landschaft, der es auch liebt, verzaubernden Melodien nachzuträumen und für den, der die so spannende Symbiose zwischen Jazz, Pop und Folk schätzt.