In diesem Roman verarbeitete Joseph Conrad seine Erfahrungen als Expeditionsteilnehmer einer Fahrt auf dem Kongo. In dieser Ausgabe wird das Kongo-Tagebuch zusammen mit dem Up-river Book vorgelegt, etwas, was in dieser Form bisher noch niemals getan wurde.
Marlow, der archetypische Erzähler vieler von Conrads Erzählungen, sitzt in einem zunehmend dunkler werdenden Setting mit einer Reihe unbekannter Zuhörer und erzählt seine Geschichte. Er berichtigt, wie er durch familiäre Vermittlungen einen Posten in einer Handelsgesellschaft für Elfenbein bekommt und von dieser seinem eigenen Wunsch nach Reisen entsprechend zu mit einem Auftrag nach belgisch Kongo geschickt wird dort einen ihrer Zulieferer, mit dem der Kontakt wohl abgebrochen ist, ausfindig zu machen.
Während er sich an Bord der NELLIE mit einigen Pilgern, die den Wilden die Zivilisation bringen wollen den Kongo aufwärts begibt, merkt er, wie der Urwald, die Trommeln und auch die Eingeborenen bei aller Gefahr, die sie für ihn bedeuten, immer mehr tief in seiner Seele eine Saite anschlagen, die im Einklang mit der Wildnis um ihn herum vibriert. Mehr und mehr distanziert er sich innerlich von den Weißen auf seinem Boot und beginnt die Schwarzen in der Mannschaft, von denen einige Kannibalen sind, mit sympathischeren Augen zu betrachten.
Sprachlich ist dieses Buch an einigen Stellen ziemlich holprig, während es an anderen Stellen eine wunderbare atmosphärische Dichte hat. Wenn man sich vor dem Kauf des Buchs einen Eindruck von der zu Grunde liegenden Atmosphäre machen möchte, sollte man sich Apoca-lypse Now, Redux anschauen, der die Handlung von Heart of Darkness in den Vietnam-krieg verlegt. Ein anderes Werk, das ebenfalls eine gewisse Interpretation von Heart of Darkness nicht verleugnen kann und dem heutigen Leserinnen und Lesern wahrscheinlich zugänglich sein dürfte ist Nelson de Milles Die Mission, eines der besten Bücher des neuen Jahrtausends.