Der Rolling Stone nannte es eines dieser Alben, welches die Art und Weise, in der wir Rock & Roll hören, grundlegend verändert. Unter Springsteens Fans ist ein absoluter Favorit, manchmal wird dieses Glanzstück aber leider etwas übersehen. Dabei ist es nach meiner Meinung das beste Album des „Boss", vielleicht zusammen mit Born To Run und Nebraska, „Darkness" wirkt aber noch mehr aus einem Guss und enthält absolut keinen schwachen Track.
Der geplante Titeltrack „Badlands", diesen Namen hätte das Album nämlich auch tragen sollen, ist einer der besten Rocksongs überhaupt, auch wegen des Textes, und steht wie kaum ein anderer für den „Boss". Bis heute ist der majestätisch, kraftvolle Rocksong ein Kernpunkt der Liveshows und seine textliche Mischung aus Verzweiflung („You wake up in the night / With a fear so real / Spend your life waiting for a moment / That just don't come"), Trotz und Hoffnung, („We'll keep pushin' till it's understood /And these badlands start treating us good"), zieht sich durch das ganze Album. Ein weiteres Highlight ist Candy's Room, wo Springsteen abwechslungsreiche Strukturen bietet und wie auf dem gesamten Album seine Qualitäten als Gitarrist unter Beweis stellt. Auch die E Street Band ist auf „Darkness" in Höchstform. Von Weinbergs Bassdrum bis Fredericis Orgel, es passt alles. So auch beim wunderschönen „Racing In The Street", einer von Springsteens liebsten Songs wie er selbst sagt. In Textzeilen wie „Some guys they just give up living/ And start dying little by little, piece by piece/ Some guys come home from work and wash up/ And go racin' in the street" zeigt sich der Kontrast zwischen düsterer Verzweiflung, aber auch fast optimistischer Hoffnung.
Der auf Born To Run verbliebene Optimismus („I'm pulling out of here to win") scheint fast gewichen, Springsteen beschreibt nun überhaupt nicht mehr das romantisierte jugendliche Leben an der Küste New Jerseys, sondern vielmehr die (oft traurige) amerikanische Wirklichkeit, das Arbeitsleben, die Familie, geplatzte Träume, denn „Mister I ain't a boy, no I'm a man" (The Promised Land). Er verliert sich aber nicht in der Hoffnungslosigkeit und schafft es vor allem auch nachdenklich stimmende Themen in unglaublich schöne, kraftvolle Songs zu verwandeln. Hierzu betrachte man bespielsweise die Textzeilen "Tonight my baby and me we're gonna ride to the sea / And wash these sins off our hands" (Racing In The Street) oder "I wanna find one place, I wanna spit in the face of these badlands" (Badlands). Die Flucht ist also auch auf Darkness On The Edge Of Town noch möglich, weil "I believe in a promised land".
Ein weiterer Klassiker der heute noch live funktioniert ist eben das triumphal klingende "The Promised Land", wo auch die Mundharmonika zum Einsatz kommt. Das traurig, schöne „Factory" schrieb Springsteen für seinen Vater: "Factory takes his hearing, factory gives him life/ The working, the working, just the working life." Highlights sind auch die zweite Single "Prove It All Night" und der geniale Titeltrack. Wieviele Emotionen der „Boss" hier in seinen Gesang legt ist unvergleichlich und macht „Darkness On The Edge Of Town" zu einem seiner besten Songs, der auch regelmäig live gespielt wird.
Insgesamt stellt das Album einer der Höhepunkte der Schaffenskraft Bruce Springsteens und E Street Band dar und zieht für mich mindestens mit seinem Meilenstein Born To Run gleich. Gleichsam ist „Darkness On The Edge Of Town" als mit das Beste zu bezeichnen, was an Rockmusik dieser Art jemals aufgenommen wurde, es ist schlichtweg eines der besten Alben aller Zeiten