Wenn es um musikalische Vorbilder geht, nennt Emily Jane White die Namen Nick Cave und P.J.Harvey. Wer -Dark Undercoat- hört, der erkennt den Einfluss dieser beiden Ausnahmemusiker sofort. Dazu gibt es eine Stimme, die ein wenig an die junge Suzanne Vega und Chan Marshall erinnert.
Die Songschreiberin aus San Francisco fiel mir durch Filmmusiken auf. Für Roadmovies oder tragische Stories eignet sich ihre Musik genial als musikalische Untermalung. White driftet in ruhigen, manchmal schon fast depressiv wirkenden Tönen in Balladen, country-angehauchte Stücke oder chansonähnliche Liedern ab. Das hat oftmals eine fast hypnotische Wirkung und prägt sich erst nach mehrmaligem Hören tief und fest ins Bewusstsein ein. Viele Lieder sind schmal instrumentiert, aber der passgenaue Einsatz einer Akustikgitarre, eines Cello oder eines hämmernden Klaviers beeindrucken ungemein. Dazu Emily Jane Whites Stimme, fragil, klar, oder zerbrochen und um Worte ringend. Wer zu Schwermut neigt, sollte sich vielleicht doch lieber ein paar Gute-Laune-CD's kaufen, aber wer sich mal abseits der Mainestreampfade mit Liedern über Tod, Liebe, Einsamkeit und Poesie unterhalten lassen möchte, der wird an Emily Jane Whites Album vermutlich seine Freude haben.
Anspieltipps: -Bettie Smith- mit wunderbarer Cellobegleitung. -Hole in the middle- das fast wie ein alter Neil Young Song daherkommt. -Time on your side- Eine Gitarre, eine Stimme und mehr nicht. -Wild Tigers i have known- Beklemmend, düster, melancholisch und beschwörend. -Blue- Hier zeigt Miss White, dass sie auch Country beherrscht; wenn auch mit einer äußerst puristischen Begleitung.
Emily Jane White's -Dark Undercoat- kommt völlig anders daher als die meisten Singer-Songwriter CD's. Einziges Manko für mich: Die Titel sind sich allgemein ziemlich ähnlich. Ein wenig mehr Vielfalt hätte da gut getan.