Klar kann sie's, Renée Fleming's treuer Hörerschaft ist dies nichts Neues. Nur wird diese in aller Regel eher die Qualitäten dieser außergewöhnlich begabten Sängerin in ihrer Eigenschaft als Sopranistin zu würdigen wissen. Seit ihrem 1986er Debüt gewann 'The Beautiful Voice' viele Preise (u.a. Grammy Awards, Solti-Preis, Metropolitan Opera National Auditions), sang bislang 51 verschiedene Partien und dies z.T. in einigen der größten Opernhäuser der Welt (u.a. Wiener Staatsoper, Met, Scala & Covent Garden). Was manche vielleicht gar nicht wissen: Während ihrer Studienzeit sang Renée Fleming, deren Eltern als Gesangslehrer tätig waren, in einem Jazz Trio.
Mit DARK HOPE begab sich die Sängerin nun jüngst auf ein Terrain, das sie bislang - zumindest auf Tonträger - noch nicht erschlossen hatte, schlicht: Die Pop-Musik. Das Konzept für dieses Album entstand initiativ zunächst intern bei (der Plattenfirma) Universal; die Idee war, oft noch gar nicht so bekannte Stücke von z.T. jüngeren Künstlern durch eine klassisch geschulte Stimme einsingen zu lassen - für Renée Fleming offenbar eine Herausforderung, der sie auch voll und ganz gerecht geworden ist. Heraus gekommen ist dabei letztendlich eine CD mit Werken u.a. von Duffy ("Stepping Stone"), Muse ("Endlessly") und Arcade Fire ("Intervention"), ebenso wie von Depeche Mode ("Mad World"), Jefferson Airplane ("Today"), Peter Gabriel ("In Your Eyes") und Leonard Cohen ("Hallelujah"). Im Booklet der CD kann nachgelesen werden, daß sich die Sängerin bei einer riesigen Vorauswahl für die vorliegende Zusammenstellung entschied, weil sie der Meinung war, daß die Stücke schon von ihrem Text her irgendwie zu ihr passen mußten ... Glückwunsch, Renée, schöne Wahl! Einige der Stücke sagten mir zuvor gar nichts, aber, durch diese Stimme eingesungen, brennen sich die Worte in die Seele ein, was man nur allzu gern zuläßt. Obwohl Renée Fleming sich - gemessen an ihrer gesanglichen Expertise - für diese Aufnahmen zurück genommen hat und noch nicht einmal so klingt, wie man sie eigentlich kennt ... ihre ganz eigene Kraft schwingt unverkennbar in jedem einzelnen Stück mit und macht DARK HOPE zu einem interessanten Hörerlebnis. Hier dominiert musikalisch einmal nicht die Klangfülle eines klassischen Orchesters (oder die verhaltene Begleitung eines Pianos), sondern primär Elektronik, Beats und Gitarren, die - im Kontext einiger wirklich interessanter Arrangements - nicht allein für ein hörenswertes Klangerlebnis sorgen, sondern ebenfalls erfolgreich ein weiteres Gesicht der vielschichtigen Persönlichkeit Renée Flemings zu enthüllen vermögen. Ihr persönliches Charisma, ihr Sinn für Ästethik vermitteln beinahe den Eindruck, als gehörten viele dieser Songs längst zu ihrem Standard-Repertoire - eben darin zeigt sich die Sensibilität, die Einfühlsamkeit dieser Ausnahmesängerin. Unterstützt wurde sie im Studio von Profis, die ebenfalls unüberhörbar ihr Handwerk verstehen.
DARK HOPE ist tatsächlich von ein wenig Dunkelheit durchwirkt (die sich nicht allein durch die überwiegend tiefere Stimmlage der Vokalistin auf diesem Album darstellt), doch ebenfalls schwingt Hoffnung mit, der CD-Titel ist schon gut gewählt, sorgt für Stimmigkeit - stimmig in sich ist die Zusammenstellung dieser 11 Titel allerdings nicht unbedingt (was keiner Abwertung gleich kommt!); es gibt Momente, in denen man DARK HOPE von vorn bis hinten durch hören kann, je nach Stimmung, bevorzuge ich persönlich es allerdings, jeweils einzelne Stücke (und gern laut) für sich zu hören - soll letztlich jede/r für sich selbst entscheiden. Meiner Meinung nach hat DARK HOPE das Potential, jüngeren Hörern erfolgreich nahe zu bringen, daß die Top-Titel ihrer Favourites auch in einer anderen Variante fantastisch klingen können und ebenfalls, einem älteren, eher klassisch ausgerichtetem Publikum - das dabei dennoch in alle Richtungen offen ist - aufzuzeigen, daß diese Sängerin, neben ihren bereits etablierten Qualitäten, auch auf einem anderen Sektor zu überzeugen vermag ... sie kann's eben! Weil die eingesungenen Stücke im Ursprung ganz unterschiedlichen Dekaden entstammen, bin ich der Meinung, daß sie auch ein Publikum anzusprechen vermögen, das sich aus ganz verschiedenen Altersgruppen zusammen setzen kann. Ich halte DARK HOPE für ein zeitlos gutes Werk, das es wert ist, gehört zu werden und wünsche daran viel Freude.
-- theSilentNoirFreak