Ich bin, ganz offensichtlich im Kontrast zu den anderen Rezensenten, ein 'Newcomer' in der klanglichen Welt des polnischen Jazz Trompeters Thomasz Stanko. Bislang war mir lediglich sein Name bekannt, doch eine CD mit dem Titel "Dark Eyes" kann ich nicht ohne weiteres ignorieren und so nahm ich die Gelegenheit war und hörte mich hinein ... was mir nicht schwer fiel: Gehört, erworben! Dabei gefällt mir das längste und auf dieser CD wohl dynamischste, dabei auch titelverleihende Stück "The Dark Eyes Of Martha Hirsch" bislang fast immer noch am wenigsten. Auch "Amsterdam Avenue" kann ich wenig bis gar nichts abgewinnen. Das Gros der anderen Stücke finde ich wunderbar: Genau die Art von Musik, die einen des Abends die Zeit vergessen und in andere Sphären eintauchen läßt. Das liegt dabei nicht ganz allein an Stanko's Trompetenspiel (das ich dennoch großartig finde), es ist das gesamte klangliche Ambiente, das einfach stimmt - und daran hat (wie so oft) auch das Piano einen hohen Anteil. Und obwohl ich generell nicht sehr für Jazz Gitarre zu begeistern bin, gefällt mir der eher spärliche, dabei effiziente Einsatz auch dieses Instrumentes im musikalischen Kontext dieser CD ausgesprochen gut. Titel #1, "So Nice", ist 'real nice', das etwas dynamischere "Terminal 7" und gleichfalls "Grand Central" repräsentieren für mich zwei der Highlights dieser Scheibe, ein weiteres ist definitiv "Samba Nova" und als träumerisch schön empfinde ich "Dirge For Europe", sowie den Schlußtitel "Etiuda Baletowa No. 3".
Erschienen ist diese außergewöhnliche CD auf dem ECM Label - jener eigenwilligen Nahtstelle von Jazz, Klassik und Avantgarde mit ihrer skurrilen Covergestaltung. Für viele stellt ECM bereits auf dem Vorweg ein 'Gütesiegel' dar, ich persönlich muß diese Produkte immer einer 'gesonderten Prüfung' unterziehen, da ich mich bei weitem nicht (und schon gar nicht prinzipiell) mit allem anfreunden kann, was durch diese drei Buchstaben bereits so veräußert wurde. Dabei habe ich natürlich dennoch für mich einige 'Bonbons' entdecken können, wozu unzweifelhaft (wenigstens streckenweise) das "Officium" vom Hilliard Ensemble mit Garbarek, sowie Jan Garbarek's "Invisible World" gehören und natürlich auch "Playground" von Manu Katche. Ebenfalls die klangliche Atmosphäre von Anouar Brahem's "Le Pas Du Chat Noir" kann ich nur empfehlen und sehr gut gefällt mir auch Enrico Rava's "New York Days", sowie "January" vom Marcin Wasilewski Trio. Meine bisherigen ECM-Favoriten sind allerdings "The Ground" und noch mehr "Being There" vom Tord Gustavsen Trio ... und in die Gallerie dieser Highlights reihe ich "Dark Eyes" von Thomasz Stanko per sofort vorbehaltlos ein. Ich bin wirklich begeistert und meine, das wird generell jeder sein, der gern sogenannten 'Midnight Jazz' hört, denn mehr als diese Kathegorisierung oftmals herzugeben vermag, verfügt der Audio Inhalt von "Dark Eyes" über wirkliches Niveau - die Stücke dieser CD kann man wieder und wieder hören. Empfohlen (für 'Nachtschwärmer')!
-- theSilentNoirFreak