Obgleich ich diverse Versionen von DSOTM mein eigen nenne, unter anderem die SACD von 2003 und die Vinylausgabe aus dem selben Jahr sowie die 1993-er Jubiläumsausgabe, habe ich mich nach einigem Zögern doch für die Experience Version entschieden; die Immersion Box ist ja aufgrund des ganzen Schnickschnacks, den man da mitkaufen soll, für den Normalsterblichen schon schmerzhaft teuer; das meiste, was dort geboten wird, kennt man zudem als eingefleischter Fan ja von diversen Bootlegs (uppss, Mr. Gilmour, zerr mich nicht vor Gericht), und Murmeln spiele ich nicht mehr seit ich 10 war. Der Anreiz war also mehr die remasterte Version des Wembley-Konzertes von 1974, die ich als Pre-FM-Aufnahme zwar kenne, von deren offizieller Veröffentlichtung ich mir allerdings einen qualitativen Sprung erhoffte hatte.
Die musikalische Qualität des Live-Konzertes auf Disc 2 ist unzweifelhaft, auch wenn an der ein oder anderen Stelle (Time-Intro !!!) doch sehr nachgebessert wurde, so dass man in meinen Augen nur noch bedingt von einem historischen Dokument reden kann (eher von 'ner schönen Mogelpackung); einen Eindruck, wie gut Pink Floyd damals als Live-Band waren, erhält man gleichwohl. Wie alle Bootlegs zu diesem Konzert, die zum größten Teil aus dem BBC-Archiv stammten, leidet die remasterte und - na sagen wir mal - überarbeitete Aufnahme allerdings etwas an nicht vorhandener Atmosphäre. Insgesamt eine nette Aufnahme, aber nichts wirklich Essentielles, zumal das Konzert ärgerlicher und kommerziell-ätzender Weise nur zerstückelt auf 2 Experience-Versionen (der unvollständige Teil 2 ohne Echoes folgt ja auf der WYWH-2-CD-Ausgabe)angeboten wird.
Die eigentliche Enttäuschung dieses Packages ist allerdings wider Erwarten das Remaster des Originalalbums. Das ist für meine Ohren im Vergleich zu o.g. Versionen, vor allem aber zur Oh By The Way-Ausgabe von 2007 vollkommen in die Hosen gegangen. Für mich ist die vorliegende Version die klanglich und atmosphärisch schlechteste, die ich kenne. Zum ersten mal klingt das Album völlig steril, ohne Biss und mit ganz mäßiger Dynamik. Da man aber bisher hammermäßig gute, brillante Ausgaben gewöhnt war, ist das hier Präsentierte ein echter Stimmungskiller: jedenfalls hat es mir die Lust genommen, mir doch noch die Immersion-Box zuzulegen.
Vielleicht sollte man an etwas Perfektem doch nicht immer weiter herumschrauben, sowas nennt man dann wohl "Verschlimmbesserung". Das Album selbst ist phänomenal, keine Frage, das Remaster ist im Besten Falle noch überflüssig (oder meine Ohren lassen mit zunehmendem Alter nach).
Die Aufmachung des Digi-Packs finde ich noch ganz passabel, kein Vergleich mit der wunderschönen 2003-er Box, aber auch nicht so übel, wie hier teilweise moniert. Das Booklet allerdings ist qualitativ auf dem Niveau des Remasters: das hat man von früheren Ausgaben schon schöner gesehen; da kann auch der Hochglanzdruck nichts mehr retten. Mensch, immer die selben langweiligen Fotos....
Nachdem ich die Remasters von Meddle und Atom Heart Mother gehört habe, würde ich eher zum Kauf dieser Ausgaben raten, denn dort ist zumindest noch ein kleiner klanglicher Fortschritt erkennbar, auch wenn man die ersten paar Minuten von Echoes schon sehr gewöhnungsbedürftig um den Keyboardsound herum remastert hat.
Also: keine Kaufempfehlung, aber wenn es tatsächlich auf diesem schönen Planeten noch jemanden gibt, der die Platte nicht hat, muß man auch nicht wirklich abraten.
Ich persönlich hatte mir etwas mehr versprochen.
P.S.: Nach zwei Durchgängen ist das gute Stück in meinem Schrank verschwunden und wird dort wohl auch längerfristig bleiben. Meine Lieblingsausgabe von DSOTM wird DAS sicher nie werden. Schade, wirklich eine vertane Chance, neue Fans dazuzugewinnen.
Die große PR-Kampagne allein bringt da natürlich auch nicht viel, wenn das Produkt so - für PF-Standards- schwach ist.