Kurt Russel ist auf den coolen, extremen und deshalb auch auch einzelgängerischen Soldaten-Typus abonniert, dessen softeste Version im Film "Stargate" anzutreffen ist. Andere neuere Kinofilme mit ihm sind "Einsame Entscheidung", "Flucht aus L.A." und "Soldier". Filmhistorisch sind aber die alten Filme von ihm "Die Klapperschlange" (1981 !) und "Tango & Cash" (1981 !) hervorzuheben. Denn an diesen beiden stilistisch hervorragenden Filmen lässt sich die Weiterentwicklung der Drehbücher und Ressigeur-Leistungen -nicht nur für Kurt Russel- messen. Stets schwingt eine leise Genugtuung mit, wenn man beim Wiedersehen von "alten" Haudegen in neuen "alten" Filmrollen merkt, dass sie ihrem Filmklischee neue Seiten abgewinnen dürfen (siehe "Blood Work" von & mit Clint Eastwood) ohne ihrem Orginal untreu zu werden und dadurch an Charakter zu verlieren. Dieser Fortschritt ist sicher auch dem Regisseur Ron Shelton ("Weiße Jungs bringen's nicht", "Tin Cup", "Blaze", "Knocked Out") zu verdanken, der mit diesem Film im Action Genre, Sparte "Cops", debütiert. Routine und professionelle Film-Arbeit kann heute noch ohne Trickfilmtechnik auskommen, trotzdem überzeugen und nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Im Film muss Kurt Russel im Team mit seinem Partner wieder einmal mehr "als bestes Pferd im Stall der brauchbaren Manröviermasse der Oberen" Orders ausführen, deren Hintergründe er nicht genau kennt. Es bleibt ihm nur, wie stets, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren - hier die Auflösung von Verbrechen und Verfolgung der Gesetzesbrecher - in L.A. - ausgerechnet in der Zeit vor den Unruhen nach dem Totschlag von Rodney King am 3. März 1991 und dem Freispruch der 4 Polizisten am 29. April 1992 (Ergebnis des mehrtägigen Chaos mit Strassenschlachten, Brandstiftungen und Plünderungen : 53 Tote, fast 2000 Verhaftungen und Sachschaden von etwa 1 Milliarde Dollar). Um in diesem Mileu Fälle gründlich lösen zu können, bedarf es einer gewissen Durchsetzungsstärke, zwar hart am Rande der Legalität, stets aber immer korrekt - und einen Chef, der darauf pocht, damit die Cops im gefährlichen Kampf gegen die Hydra der Krimalität nicht das Maß verlieren. Und Russel ist durch und durch ein waschechter Cop. Er identifiziert sich mit seinem Beruf - in der Hölle von L.A.- was nicht ohne Folgen bleibt.
Alle Extreme, vor allem auch die richtig gut gemeinten, sind letztendlich schlecht. Wieso, das erklärt der Film. Dieses (unbemerkte) Abrutschen auf die schiefe Bahn und dieses dadurch verursachte, auf direktem und indirektem Wege weit ausbreitende Leid, werden auf eine glaubhafte Weise vermittelt. Der Film ist vielschichtig und fesselt wirklich, ohne dabei zu überfordern. Sogar auf sinnliche Momente (und deren Gift) muss der Cineast nicht verzichten. Daher 4 Sterne.
Warnung an Eltern: Der Film enthält eine extreme Szene. Hierbei ist nichts zu sehen, aber das Geschehen läuft aber im Kopf mit einer ziemlichen Intensität ab. Wegen der erfolgenden Bestrafung für diese Untat ist die Freigabe ab 15 Jahren gerade noch akzeptabel, dennoch sollten Eltern mit dem Nachwuchs noch einmal zum einen über die fliessenden Grenzen des Unrechtsbewusstsein (besonders unter Druck) und deren Konsequenzen sprechen, zum anderen über die weitreichenden Folgen des eigenen Urteils über andere und über jene imaginäre Linien im Leben, bei deren Überschreitung es heisst : "They 'll never come back!". Im beschleunigten Lebenstempo geschieht das schneller als man es zu glauben vermag.
Im Hinblick auf die historische Bedeutung, auf die Botschaft des Filmes, auf dem Potenzial, das eine DVD bietet und angesichts der anvisierten Preisebene, wurde durch das nicht vorhandene Bonusmaterial der Wert des Films ziemlich gesenkt. In dieser Hinsicht hat nämlich die DVD "Blow" mit Johnny Depp, Penélope Cruz und Franka Potente Maßstäbe gesetzt.