Im Jahre 522 v.Chr. tötet der persische Adlige Dariuvahush zusammen mit einigen Getreuen den Usurpator Gaumata, der in Abwesenheit des mittlerweile gestorbenen Königs Kambyses die Macht an sich gerissen hatte. Die Freunde wählen Dariuvahush zum Thronfolger und damit beginnt die 36-jährige Regentschaft des großen Darius, der durch seine Eroberungen im Westen und Osten des persischen Reiches dieses gefestigt und erweitert hat.
Hanns Kneifel beschreibt dieses königliche Leben in epischer Breite mit eindringlichen Schilderungen der kriegerischen Ereignisse, des Lebens am Hofe und auf dem Lande. Gleichzeitig versucht er, das Panorama der damaligen Welt zu vermitteln, das im indischen Ozean begann und sich bis Sizilien erstreckte. Ägypten, auf Persisch Mudraya, stellt einen wesentlichen Fixpunkt in dieser antiken Welt dar, den auch die Perser wegen der alten Kultur und der kolossalen Bauten bewundern.
Auf der anderen Seite des Mittelmeers kollidiert Darius immer wieder mit den expansionslustigen Griechen, denen es vorrangig um Handel und ihre Freiheit geht. Darius kann wie alle "großen" Machthaber der Geschichte keine freiheitsliebenden Völker an seinen Grenzen ertragen. Alle müssen sich ihm unterwerfen und Tribut zahlen, seien es die kleinasiatischen Griechen oder die Saken im fernen Nordosten hinter dem Kaspischen (Hyrkanischen) Meer.
Kneifel versagt es sich jedoch, Darius aus der Sicht eines heutigen kritischen Historikers zu betrachten und ihn gar als Despoten darzustellen. Er beschränkt sich auf die romanhafte Beschreibung des damaligen Lebens, wie es in den dürftigen Relikten überliefert ist oder wie er es sich vorstellt. Dabei kommt eine süffige Mischung aus Blut und Sex zustande, die sich anfangs spannend liest, dann aber doch etwas ermüdet. Da ihm die analysierende Geschichtssicht abgeht, verliert Kneifel sich zu oft in wiederkehrenden Schilderungen königlichen Sexes oder, etwas langatmiger, in der Beschreibung von Gärten, Palästen und Reliefs.
Zwischendurch reflektiert er die Gedanken Darius' in fiktiven Aufzeichnungen, die man nicht als dokumentarisch nehmen sollte, wenn sie auch das Lokalkolorit nach bestem Wissen und Gewissen wiedergeben. Man weiß nicht, ob es wirklich so gewesen ist, aber es könnte leicht so gewesen sein.
Alles in allem ein unterhaltsames und teilweise lehrreiches Buch, das jedoch auch mit einem geringeren Umfang als 930 Seiten noch ausreichend Lesestoff und Nutzwert geliefert hätte. --Frank Raudszus