Günter M. Ziegler versucht das, was vor ihm schon mehrmals probiert wurde (siehe u.a. die Literaturverweise am Ende): Er will die Leser davon überzeugen, dass Mathematik nichts Fernes und Abstraktes ist, sondern, dass Mathematik uns alle umgibt und - dies wird wohl das Schwerste sein -, dass Mathematik auch Spaß machen kann.
Der Autor ist Professor für Mathematik an der TU Berlin. Aus zweierlei Sicht ist dies zu betonen. Zum einen hat man mit diesem Buch zweifelsfrei ein Werk eines kompetenten Autors vor sich. Und zum anderen ist erstaunlich zu sehen wie verständlich und `lesbar` ein Mathe-Professor seine Sätze formulieren kann.
Das Buch ist untergliedert in insgesamt 10 Kapitel.
Begonnen wird mit dem Kapitel -Auf dem Zahlenstrahl- und damit mit einem Rundgang durch alltägliche, populärwissenschaftliche und medial aufgebaute Fälle, in denen uns Mathematik begegnet. Eine nette Heranführung an die Thematik.
Im zweiten Kapitel -Die unendliche Geschichte der Primzahlen- geht es wohl um einen der bekanntesten Bereiche der Mathematik: Primzahlen. Auf nicht ganz zwanzig Seiten gibt Ziegler einen knappen aber auch prägnanten Einblick in dieses faszinierende und komplexe Gebiet. Im Weiteren Verlauf des Buches kommt er immer mal wieder hierauf zurück.
Mit den Kapiteln 3 (Der mathematische Blick) und 4 (Die kleinen Rätsel) erhält man einen Einblick in die Methodik und die Arbeit der Mathematik. Dies wird in Kapitel 7 (Das BUCH der Beweise) erneut aufgegriffen. Vom Informationsgehalt sind dies sicherlich mit die besten Kapitel des Buches.
Kapitel 5 (Die kleinen Rätsel) erklärt die Arbeit der Mathematik und will eine Legitimation auch für die Forschungen geben, die sich mit den `kleinen Rätseln` befassen.
Die Kapitel 6 (Wo Mathematik entsteht), 8 (Drei Legenden) und 9 (Was sind das für Leute?) betrachten die Mathematik anhand derer, die sich mit ihr befassen. Ziegler schreibt in seiner lockeren und angenehmen Art über die verschiedenen (Ruhe-)Orte (Bett, Kirche, Café, Strand, usw.) an denen Mathematiker arbeiten und an denen sie vor allem ihre Ideen bekommen. Die drei vorgestellten Legenden über Mathematiker sind gut zu lesen und geben dem augenscheinlich eher trockenen Fach eine würzige, um nicht gleich zu sagen: spannende, Note. In Kapitel 9 werden fünf Mathematiker (darunter auch eine Mathematikerin) vorgestellt. Interessant ist hierbei besonders, dass es sich um keine rein biographischen Skizzen handelt, sondern, dass Ziegler all diese Leute auch persönlich kannte. Gerade in diesen drei Kapiteln wird die Intention Zieglers deutlich, den Lesern zu verdeutlichen, dass Mathematik nicht nur aus Abstraktem besteht und eben nicht nur von wirren, weißhaarigen Professoren hinter Bürotischen bearbeitet werden kann.
Das 10. Kapitel (Was Mathematiker können) unterstreicht nochmals die Bedeutung von Mathematik im Alltag, in der Wirtschaft, im Sport, bei Wetterkarten,u.a.m. Mathematik ist nach Ziegler nicht nur Logik, trockenes Rechnen, sondern gerade auch Spiel, Spaß, ganz effektiver Nutzen und Ästhetik.
Ein Index, sowie eine Liste weiterführender Literatur zu den einzelnen Kapiteln, vervollständigen das Buch.
Die Aufteilung des Buches in Themen, die sich mit mathematischen Fragestellungen, mathematischer Methodik und Mathematikern und deren Arbeit befassen, ist sicherlich gut gewählt. Manchmal hätte man sich ein größeres Eingehen auf mathematische Themen (wie bei der Behandlung der Primzahlen) gewünscht, da einige Bereiche eben doch nur angeschnitten werden.
Das Buch -Darf ich Zahlen?- ist sehr gut lesbar und lässt keine Langeweile aufkommen. Als erste Kontaktaufnahme mit der Mathematik ist es zu empfehlen und auch für jene, die sich bereits (ob freiwillig oder anders bedingt) mit Mathematik befassen kann es eine auflockernde Lektüre sein.