Auch wenn "Daredevil" zu einer Zeit entstand, als mit Effekten geladene Comicverfilmungen längst IN waren, hebt er sich doch wohltuend von Filmen wie "Fantastic Four" oder "X-Men" ein wenig ab. Am ähnlichsten ist Daredevil als nächtlicher Superheld noch Batman und ähnlich wie bei Nolans "Batman Begins" setzt "Daredvil" mehr auf starke Story und Charaktere, als auf Spezialeffekte. Von letzterem gibts hier sogar recht wenige, aber dafür sorgfältig eingesetzte und das kann sich der Film auch leisten. Zum einen sind die Szenen, wenn Daredevil auftaucht oder man durch seine Augen sieht, sehr gelungen, zum anderen ergänzt Elektra Daredevil gekonnt und man fragt sich, wie sich das zwischen den beiden entwickelt. Das Problem, das Superhelden Privatleben und Verbrechensbekämpfung nicht so ganz unter einen Hut kriegen, kennt man ja.
Für die Seite des Bösen hat man mit Michael Clark Duncan ("Armageddon", "The Scorpion King") und Colin Farrell ("Miami Vice") zwei Typen, die sich ebenso gut ergänzen. Für die lustigen, aber auch dramatischen Highlights ist vor allem Farrell zuständig, der gekonnt mit wenig Worten auskommt und der die Frage, wie das zwischen Elektra und Daredevil klappt brutal beantwortet.
Die richtige Balance in der Story und zwischen den Darstellern sorgt für eine unterhaltsame Handlung, in der es mal nicht wohltuend um irgendein weltbedrohendes Megaverbrechen geht, was dem Film eine gewisse Bodenständigkeit mehr in Form eines Krimis oder Gangsterfilms gibt in dem aber halt eben ein maskierter Verbrechensbekämpfer vorkommt.
Das Zeug für eine eigene Serie hat der Film nicht doch passt er in eine Riege mit Comicverfilmungen wie "Das Phantom" (mit Billy Zane), "Rocketeer" (mit Bill Campbell) oder "The Shadow" (mit Alec Baldwin) als für sich gelungene einzelne Comicverfilmung.
Ich muss zugeben, die Kinoversion von "Daredevil" fand ich schwach und der Film flog recht schnell weg, doch ihm im Directors Cut eine zweite Chance zu geben, hat sich gelohnt. In dieser Version ist er richtig gut und in sich stimmiger.