Zum Inhalt ist nicht viel zu sagen, weil die für eine Rez. relevanten Punkte im Klappentext vom Verlag schön zusammengefasst sind. (Die Besprechung einer neuen Bibelausgabe kommt ja auch ohne Synopse von AT und NT aus.)
Entscheidend ist hier die Aufmachung und die ist, für Leser, die wenigstens minimale Chinesischkenntnisse mitbringen, einfach großartig gelungen.
Neben dem (alt-)chinesischen Original steht die Pinyin-Umschrift, die die Aussprache erschließt. Die Übersetzung wird in zwei Fassungen geboten: Unter dem Original platziert erscheint die Übersetzung Wort für Wort und auf der rechten Seite steht eine deutend sinnvolle Übertragung in verständlichen deutschen Sätzen. Die beiden Varianten vermitteln Lesern nicht nur einen interessanten Einblick in die Struktur der chinesischen Syntax. Auch der notwendig deutende Aspekt einer jeden sinnvollen Übertragung wird durch der Abstand zwischen Wort und Satz hervorgehoben und ansatzweise transparent.
Ausgesprochen lesenswert sind dann auch die kommentierenden Fußnoten zu einzelnen Begriffen und Wendungen. Diese fassen auf einem sinnvoll hohen Abstraktionsniveau (und dennoch gut verständlich!) die Diskussion der Forschung zu einzelnen Punkten zusammen und vermitteln daneben auch vergleichende Ausblicke auf zentrale Begriffe der europäischen Philosophie.
Sehr hilfreich ist am Ende dann auch das Glossar, das sehr prägnant die polemische Stoßrichtung vieler Kernbegriffe des Daodejing gegen die Tugendethik des Kunfuzius erklärt und zusammenfasst.
Ein auch optisch ansprechender Band, der - zumindest aus meiner Sicht des interessierten Chinesisch-Laien - allen zu empfehlen ist, die sich mit dem "Daodejing" beschäftigen wollen.