Ich störe mich nicht im geringsten daran, dass Glenn Danzig einen neuen Weg eingeschlagen hat, daran erkennt man seine Vielseitigkeit und sein Unwillen sich auf einem Stil festnageln zu lassen. Dennoch kann man beim ersten Durchhören nicht glauben, dass DAS wirklich derselbe Glenn ist, der die Welt zuerst mit leichtem Punk und dann mit bluesig-doomigem Metal beliefert hat. Blackacidevil ist wohl das brutalste, bösartigste, kälteste was ich jemals gehört habe, seit ich mich dem Industrial zugewandt habe.
Schon der Refrain des Opener 7th House gleicht einem Dampfhammer, der dem Hörer Löcher in den Kopf schlägt, darüber kreischt und kratzt Glenns bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Stimme, die jetzt mehr nach eine rostigen Kreissäge klingt.
Blackacidevil setzt diesen Kurs fort mit einem Drum-Computer-Trommelfeuer, das sich durch den gesamtem Song zieht; das darauffolgende See All You Were ist das erste langsame Stück aber es ist von einer solchen Gefühlsleere, die von Glenns körperloser Stimme noch getoppt wird, dass man beim Refrain schon eine Gänsehaut bekommt.
Ich habe volles Verständnis für diejenigen, die von Blackacidevil verschreckt worden sind, denn diese Musik ist natürlich ein Extrem, allerdings gibt es auch ruhige Stücke, wie das düster-tragende Hint Of Her Blood oder die depressive Ballade Come To Silver. Die Texte sind, wie gehabt, gespickt mit Anleihen aus Mythologien diverser Kulturen oder erzählen von Beziehungen, die ein eher morbides Ende finden.
Summa summarum sollte es sich jeder Käufer gut überlegen, ob er sich diese Scheibe zulegt oder sie lieber umgeht.
Wer bisher nur den alten Danzig kennt oder, noch schlimmer, Glenn Danzigs Musik mit dieser CD kennenlernen will, sollte lieber auf 6:66 Satan s Child zurückgreifen, wo es wieder nach altbewährtem Muster zur Sache geht.
Fans von Hardcore-Industrial, die sich nicht durch Drum-Computern oder extreme Verzerrer stören lassen werden an Blackacidevil jedoch ihre Freude haben.
Ich jedenfalls hoffe darauf, dass Glenn irgendwann wieder seine Wut in einem derartigen musikalischen Inferno entlädt.