Büchners Drama "Dantons Tod" ist von überraschender Modernität und gehört heute zum Standardrepertoire sämtlicher großer Bühnen des deutschen Sprachraums. Danton, eine der überragenden Figuren der Französischen Revolution, ist des ungehemmten öffentlichen Mordens überdrüssig, was ihm die Feindschaft seines ehemaligen Kampfgefährten, des mächtigen Robespierre, einträgt. Obwohl Danton fliehen könnte, lässt er den Geschehnissen scheinbar gleichgültig ihren Lauf. Er wird verhaftet, vor Gericht gestellt und schließlich enthauptet. Hinter seiner Apathie verbirgt sich die philosophische Überzeugung, dass der einzelne Mensch den historischen Umwälzungen schutzlos ausgeliefert ist und dass der idealistische Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie im Grunde sinnlos ist genauso sinnlos wie die Schöpfung selbst. Kein Wunder, dass das Revolutionsdrama bei Büchners Zeitgenossen als nihilistisch galt. Aus heutiger Sicht besticht es durch formale Offenheit, sprachlichen Reichtum und philosophische Radikalität. Faszinierend ist auch die komplexe Darstellung der Hauptfiguren, die sich jedem Gut-Böse-Schema entzieht. Sowohl Robespierre als auch Danton bleiben bis zuletzt zutiefst fragwürdig.