An den Rezensionsleser:
Wenn Sie den Kauf dieses Buches ernsthaft in Betracht ziehen, dann bitte ich Sie inständig, diese Rezension zu Ende zu lesen, denn Sie werden nicht enttäuscht, sondern dankbar sein, gutes Geld für eventuelle gute Bücher gespart zu haben.
Die Frage nach dem Selbst und den Abgründen der menschlichen Psyche ist ein interessantes Thema, dessen Umsetzung (nicht etwa in ein Sachbuch, sondern in einen Roman) nicht schwer erscheint.
Nun, man kann sich irren.
Ich habe tatsächlich noch niemals ein Buch gelesen, dessen Handlung zusammenhangloser und stockender war als diese.
Die Geschichte ist in sich nicht schlüssig und widerspricht sich an einigen Stellen sogar.
Dazu ist der Protagonist noch charakterlos und absolut austauschbar, was dem Leser dann auch die letzte Neugier nimmt, zu sehen, wie es mit ihm weitergeht.
Damit kämen wir zu dem, was man allgemein als "Schreibstil" bezeichnet, worüber man aber hier schlecht sprechen kann, da dieser nicht vorhanden ist.
Einige Kapitel sind in Umgangs- bis Fäkalsprache verfasst, in wieder anderen wagt sich der Autor an blumig-bildhafte Umschreibungen, die wohl nicht mal in einem Schulaufsatz als akzeptabel gelten würden.
Dass der Autor dennoch stolz auf sie ist, beweist er in endlosen Wiederholungen dieser sprachlichen Pannen, bei deren zehntem Auftauchen ich gegen Ende dann nicht mehr wusste, ob ich darüber lachen oder weinen sollte.
Sie sehen, lieber Rezensionsleser, meine Meinung steht fest. Doch ich habe mir diese wahrlich erkämpft.
Man sagt, um ein Buch zu verstehen, müsse man sich in den Zustand des Autors beim Schreiben begeben. Ich tat es.
Probeweise bei drei Kapiteln:
Das erste las ich leicht angeheitert, das zweite schon ziemlich beduselt, um diesen Zustand dann zum dritten hin in die absolute Volltrunkenheit zu steigern.
Sie sehen, ich gab mir Mühe, ließ selbst meine Gesundheit (vornehmlich die Leber) darunter leiden, und was hat es genützt? Gar nichts.
Sie interessieren sich für Psychologie, für die tatsächlichen Abgründe der menschlichen Psyche, oder einfach nur für einen spannenden (Sach-)Roman?
Dann kaufen Sie sich entsprechendes, aber lassen Sie sich nicht so täuschen und enttäuschen wie ich es getan habe.
Der Autor versucht hier mit einigen hübschen, oftmals falsch verwendeten(!) Termini zu beeindrucken und zu beweisen, welch brillante Menschenkenntnis er doch hat - davon sollte man sich nicht blenden lassen.
Wie sagte schon Goethe: "Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt."
mfg,
M.P.