"Bunter Hund" mag 2007 Reinhard Meys erfolgreichstes Albums seit langem gewesen sein; ironischerweise berührt es mich bis heute von all seinen Alben am wenigsten, was einerseits wie üblich an der Produktion liegt, vor allem aber daran, dass seine Kompositionen nicht ganz sein gewohntes Niveau hielten.
Wie gut daher zu wissen, dass Mey mit seinen Alben immer wieder auf Tournee geht, um sie uns in ihrer Urform, so, wie er sie am Schreibtisch entwarf, "unplugged" sozusagen (wenn man von der Nebensächlichkeit absieht, dass auch seine Akustische eingestöpselt ist), näher zu bringen. Und in dieser Form gehen sogar die neun Songs aus "Bunter Hund", wie er sie auf diesem Tournee-Dokument präsentiert, viel besser an mich ran. (Zum Glück hat er dabei "Ich bin verliebt in meine Sekretärin" weggelassen!)
Wie üblich würzt Mey seine aktuellen Songs mit persönlichen Konzertfavoriten wie "Freundliche Gesichter", "Alle rennen", "Komm gieß mein Glas noch einmal ein" und "Lass Liebe auf uns regnen"; diese Songs und andere wie vor allem "Pöter" und "Ich liebe dich" zieren seine letzten Live-Alben allerdings mit solch schöner Regelmäßigkeit, dass ich mir hier doch etwas Abwechslung wünschte.
Der Themenzyklus kreist dabei wie gewohnt um z.B. Erinnerungen ("Sommer 52", "Drei Kisten Kindheit", Weißt Du noch Etienne?"), Ironisch-Bissiges ("Pöter", "Bei Hempels unterm Bett", "Irgendein Depp mäht irgendwo immer"), Philosophisches ("Liebe ist alles"), Besinnliches ("Die Zeit des Gauklers ist vorbei"), Loblieder auf den Wein ("Komm gieß mein Glas noch einmal ein", "Ich brauche einen Sommelier"), nachdenklich Stimmendes ("Der Fischer und der Boss") und bittere Kritik am Krieg ("Kai").
Einer liebgewordenen Tradition folgend hat Mey speziell für diese Tournee nicht nur ein, sondern diesmal sogar zwei neue Lieder für den Zugabenteil geschrieben, und diese sind für mich auch der Höhepunkt des Albums: zum einen, wie er sich in "Männer im Baumarkt" über eben diese Spezies amüsiert (und sich dabei, nicht zuletzt unter Verwendung eines kleinen Eigenzitats aus "Über den Wolken", selber mit einbezieht); und dann, wie er wieder mit gewohnter Wortakrobatik auf höchstem Niveau die "Abendpantolette" (und damit einhergehend Modeerscheinungen etc.) auf die Schippe nimmt. Ich habe Reinhard Mey am 17.10.2008 in Wetzlar live gesehen (und gestaunt, wie fit der Mann ist!) und wusste bereits an diesem Abend: allein schon dieser beiden Lieder wegen werde ich mir die Live-CD holen! Schade, dass er sie nicht schon für sein Studioalbum fertig hatte. Den Titel "Danke, liebe gute Fee" verdankt das Album nicht allein der Tatsache, dass der gleichnamige Song im Programm enthalten ist, sondern zusätzlich in der "Abendpantolette" zitiert wird.
Wie schon das vorige Live-Album "!Ich kann" (und weitere) wurde auch dieses im Circus Krone in München mitgeschnitten. Jede seiner Live-CDs zeichnet sich durch eine ganz eigene Stimmung aus; war z.B. auf "Zwischen Zürich und zu Haus" ein sehr intensiver und teilweise wütender oder auf "Lampenfieber" ein begeisterter und beinahe "übermotivierter" (Zitat) Reinhard Mey zu hören, strahlt "Danke liebe gute Fee" die friedliche Ruhe eines Künstlers aus, der sich längst nichts mehr zu beweisen, aber immer noch viel zu erzählen hat, und wenn er dies nur mit seiner Gitarre begleitet tut, höre ich ihm dabei am liebsten zu.