Kurzbeschreibung
Das nach den Plänen des amerikanischen Architekten Daniel Libeskind entstandene Jüdische Museum in Berlin-Kreuzberg hat bereits vor seiner Eröffnung weltweite Beachtung und Anerkennung gefunden. Doch trotz der außergewöhnlichen Medienpräsenz steht eine umfassende Betrachtung und kritische Würdigung des Baus bislang aus. Die vorliegende Werkmonographie will diese Lücke schließen. Am Beginn des Buches stehen zwei Gespräche mit dem Architekten, die während verschiedener Phasen des Bauvorhabens geführt wurden. Dokumentiert wird außerdem die Bau- und Planungsgeschichte in ihren wichtigsten Etappen. Dabei kommen auch die gegensätzlichen Positionen im Konflikt um die Autonomie des Jüdischen Museums zu Wort. Libeskind >opus magnum< verkörpert durch seinen blitzhaften Umriß Katastrophe und Erinnerung zugleich. Als Gedächtnisarchitektur verwischt der Bau die traditionellen Grenzen zwischen Museum und Mahnmal. Das dekonstruvistische Etikett, das ihm angeheftet wurde, hat andere historische Bezüge zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Die Untersuchung legt daher ihr Augenmerk auch auf bisher unerkannte Traditionslinien, mit denen die Magie der Winkel in Verbindung steht. Die Architektur stellt die Präsentation der Sammlung vor große Schwierigkeiten und birgt andererseits Potentiale für Inszenierungen, indem sie der Raumerfahrung eine neue Bedeutung verleiht, die in der Geschichte des Museumsbaus einzigartig sein dürfte. Der von den Berliner Landschaftsarchitekten Cornelia Müller, Elmar Knippschild und Jan Wehberg geplante Museumsgarten ist ebenso in die kritische Betrachtung einbezogen.