Bewertung: Schulnotensystem von 1-6 (mit - oder +). Ein * kennzeichnet Besonderheiten.
01 - Crazy in love: Was kann man zu so einem solch großartigen Opener sagen? Viel, denn bei einer solch gelungenen Komposition kann man nur ins Schwärmen geraten. In erster Liene stechen daher vor allem die markanten, andersartigen Beats hervor, die sich trotz unglaublich Lautstärke perfekt an Beyonces markerschütternde Stimme anfügen und diese dennoch nicht übertönen. Als mehr als gelungen und gleichzeitig auch stark bereichernd stellt sich auch der Gastauftritt von Jay-Z heraus - ebenso wie die äußerst eingängige Hook, die wohl Ohrwurmtauglicher nicht ginge und "Crazy in love" zu den heißesten Anwärtern des Sommerhits 2003 machem. (1)*
02 - Naughty girl: Gleich zu Beginn jenen Songs fallen mehrere Dinge auf: Der absolut hohe Gesang, die indisch angehauchte, musikalische Unterstützung sowie das kurz gesungene, gelungene Sample des Donner Summer-Klassikers "Love to love you baby". Beyonces Gesang erreicht sogar die schier unerreichbare Höhen von Mariah Careys Stimmlagen und bietet somit auch hier wieder ein riesiges Spektrum an stimmlicher Vielfalt dar. (1)
03 - Baby boy: Ein weiterer, orienatlischer Track - der allerdings noch ein Tick aggressiver und einprägsamer ist. Schuld daran sind vor allem die tiefen Beats, die stark an jene von 50 Cent's "In da club" erinnern und auch hier im Gedächtnis haften bleiben - ebenso wie der "getoastete" Rap-Beitrag von Seiten Sean Pauls, der hier abermals nachweist, warum er momentan so höchst erfolgreich ist und eine höchstwahrscheinlich zweite Auskopplung meistert. (1)
04 - Hip Hop Star: Der von Big Boi und Sleepy Brown gefeaturte Track ist bedauerlicher Weise der schlechteste des gesamten Albums. Beyonces gehauchter, gar zierlicher Gesang kann sich kaum an die knallharte, von E-Gitarren geleitete Melodie anfügen (die eigentlich eher als Wirrwarr und nicht als Tonfolge zu bezeichnen ist) und wirkt schwacher denn je. (5+)
05 - Be with you: Nach einem ersten musikalischen Fehlschlag kommt nun die erste, langsame Nummer. Zwar ist "Be with you" nicht als Ballade zu bezeichnen, sondern eher in die Kategorie "Smooth" einzuordnen, doch der leichtfüßige Song begeistert gerade wegen dieser Faktoren so stark. Es ist also durchaus von einem Track die Rede, der ein anderes Zeitgefühl vermittelt und wegen seiner verschachtelten aber dennoch gradlinigen Tonfolge ein wenig an die Anfänge von Destiny's Child erinnert. (2+)
06 - Me, myself and I: Von einer telefonisch entstellten Männestimme eingeleitet, entpuppt auch dieser Track sich schon nach wenigen Sekunden als typisch relaxter Song für heiße Sommerabende. Musikalisch unterschiedet er sich nur wenig vom Vorgänger "Be with you" - jedoch ist der Chorus eingängiger und der Beat leiser, was den Chill-Faktor erhöht. Insgesamt also ein angenehm warmer Song, der jedoch einen kleinen aber feinen Höhepunkt missen lässt. (3+)
07 - Yes: Dieser Song zeichnet sich in erster Linie vor allem durch seine eigenartige aber dennoch ideenreiche Unterstützung aus, denn der überaus langsame Beat wird von dem kratzenden Geräusch eines Plattenspielers und einer Harfe bereichert. Schön und gut - bis es nach 3 Minuten immer schwieriger wird, die Melodie genau zu verfolgen und man sich langsam aber sicher fragt, wie diese seltsame, smoothe Komposition denn überhaupt in den Köpfen der Songwriter hängengeblieben ist. Fraglich ... (2)
08 - Signs: Gespannt lauscht man den ersten Klängen dieser ungewöhnlichen Komposition und man bemerkt schnell, dass sich - wie der produktive Name "Missy Elliott" verspricht - hinter den sommerlichen, hawaiianischen Klängen eine andersartige Up-Tempo-Ballade erster Klasse steckt. Jene Töne berauschen geradezu und wünschen an einen möglichst warmen Ort. Eion Rap von Missy Elliott ist jedoch nicht zu erwarten - ist aber auch nicht weiter schlimm. (1-)
09 - Speechless: Ein weiterer Track der Marke "smooth" und "relaxt", der diesmal jedoch schon ein wenig in Richtung "lahm" übergeht und daher genau der richtige Track für Stunden in trauter Zweisamkeit scheint. Anzumerken ist auch hier vor allem die Spitzenleistung seiner Interpretin, denn Bee zeigt auch hier überdeutlich, was sie auf dem Kasten hat. Schade nur, dass man nach gut 4 Minuten das Gefühl der Sätte verspührt und beinahe dazu gezwungen wird, die 6 Minuten (und daher zu) lange Produktion wegzudrücken. (4+)
10 - That's how you like it: Zum Glück geht es hier nun wieder ein wenig schneller zu, denn nach der langen Periode der langsamen Songs, hat man diese Komposition wieder mehr als nötig! Von verträumten, klaren Beats untermalt, dankt man daher vor allem Jay-Z, der wegen seines schnellen Raps die Geschwindigkeit ankurbelt und mit Beyonces Stimme innerhalb der Hook wie immmer wunderbar zusammenpasst. (1-)
11 - The closer I get to you: Kommen wir nun zum Schmankerl der Platte, denn dieser Song ist wohl das balladeskeste Stück, dass ich seit Jahren gehört habe. Luther Vandros rauchige und dennoch jugendliche Stimme harmoniert perfekt mit der von Beyonce, die gemeinsam mit ihrem Duettpartner einen weiteren Schmusesong für ungestörte Stunden zu zweit verspricht, der in der Tat zum Träumen anregt. Da stört es nicht einmal, das die stimmlichen Grenzen nur ein wenig "angesungen" werden. (1)
12 - Dangerously in love 2: Diesmal von Klavier- und Harfenklängen unterstützt, geht hier die zweite Version der Destiny's Child-Nummer an den Start, die bereits auf der gemeinsamen LP "Survivor" zu den herausragensten Liedern gehörte und auch hier eine deutlich Gänsehaut hervorrufen lässt. Ein wenig unpassend erscheint jedoch die bereits erwähnte, musikalische Untermalung, die "Dangerously in love" für meinen Geschmack ein wenig zu zart erscheinen lässt. Dennoch einfach grandios! (1-)
13 - Beyonce Interlude: Bee zitiert eine Art Gedicht oder ähnlich poetisches. Musik ist nicht zu hören, weshalb ich das 12 Sekunden lange Interlude aus der Bewertung ausschließe.
14 - Gift from virgo: Engelsgleiche Stimmen zu Beginn verzaubern und versetzen tatsächlich in andere Spähren. Der zum Großteil mehrstimmige Gesang berauscht und macht zeitgleich ein wenig schläfrig, wirkt aber auch unheimlich entspannend ein. Insgesamt ist also von einem (muskialisch gesehen) anspruchsvollne Song die Rede, dem allerdings eine Tonfolge fehlt und dem keinerlei Melodie zu entnehmen ist. (3)
15 - Daddy: Eine weitere Ballade, die ebenfalls der Titeltrack zu irgendeinem diversen Schnulzenfilm sein könnte und durch Leichtfüßig- und Friedfertigkeit betört. Unterstützt wird das (stimmlich gesehen) phänomenale Spektakel von Klavier und einem leisen Schlagzeug im Background, welche insgesamt einen anhörlichen, galanten Ausgang formen. Fragte sich nur, warum man diesen Track versteckt und nicht als Bonus erwähnt hat. (2)
Fazit: Mit der Vor-Ab-Single "Crazy in love" hat Beyonce einen Song vorgelegt, der ihre Solo-LP nur sehr geringfügig beschreibt, denn eigentlich besteht "Dangerously in love" zu 75% aus Balladen und vorrängig langsamen Titeln. Ein Fakt, der beim Kauf bzw. der Bestellung deutlich beachtet werden sollte, denn Fans von Hip-Hop und schnelleren R&B-Titel werden wahrscheinlich mehr als enttäuscht sein, denn jediglich die ersten vier Titel versprechen eine gewisse Würze. Das soll aber nicht heißen, dass der Rest schlecht - nein, ganz im Gegenteil ... Darunter sind auch erstklassige Produktionen zu finden, deren stimmliche Qualität für sich spricht - die allerdings betont langsam sind. Ich schätze daher, dass die Anordnung der Tracks vor allem Schuld daran ist, dass die Balladen und Mid-Tempo-Nummern sich nur wenig unterscheiden lassen und in der großen Menge untergehen. Folglich ist es also jedem selbst zu überlassen, ob er sich diese innovative Platte zulegt, denn eventuell wird der ein oder andere mehr als enttäuscht sein, wenn er absolut eingängige Titel im Sinne von Destiny's Child oder "Crazy in love" oder was auch immer erwartet ...
Berechnete Durchschnittsentwertung: 1,96 ~ eine rechtfertigende, anerkennende 2