Dieser Band ist ein Schmuckstück!
Obwohl nicht allzu dick geraten, wird hier kompakt die Crème de la Crème der Rokokomode toll in Szene gesetzt.
Ein einleitender Text klärt den Leser über das uns modernen Menschen mittlerweile unbekannte Konzept früher Mode, speziell der Louis-Quinze und Louis-Seize-Zeit auf: Mode war damals mehr als nur ein simples Schönheitskonzept. Speziell die Damenmode war auf mehr als das ausgerichtet: Sie sollte die Sinne erfreuen, sowohl weltlich als auch geistig. Stoffe, Schnitte, Motive, Farben und Verzierungen wurden sorgfältigst aufeinander abgestimmt und ausgesucht.
Anhand zeitgenössischer Gemälde erklärt der Text Mode in verschiedenen Situationen, bevor das Buch zum eigentlichen Bildteil übergeht.
Und dieser erfreut wahrlich die Sinne: Basierend auf Exponaten aus dem Metropolitan Museum of Art und der Kyoto Costume Collection werden Robe à la française, Justaucorps und Robe à l'anglaise lebendig in Szene gesetzt. Nicht nur schnöde an einem kopflosen Kleiderständer abfotografiert, sondern an lebensecht gestalteten Puppen in einem historisch korrekten Umfeld präsentiert (als Vorlage dienten die Nachbildungen originaler Räume im Museum, mit echten Exponaten wie Möbeln, Böden, Bildern, Wandvertäfelungen usw.).
Jedes "Zimmer" trägt einen anderen Titel, z.B. "Das Musikzimmer" und präsentiert Mode im Kontext von Sinn und Sinnlichkeit. Die Abbildungen sind farbig, meisterhaft fotografiert, lediglich das Layout ist manchmal etwas unglücklich indem das Foto in die Mitte gerückt und links bzw. rechts ein weißer Rand gelassen ist, so daß der Falz des Buches leider mitten durch die Abbildung geht. Das ist jedoch nur 2 oder 3 Mal der Fall.
Insgesamt ein sehr opulentes Buch, das dem Leser zwar keine "Modegeschichte" im herkömmlichen Sinn bietet, dafür aber neben herrlichen Fotos als Augenschmaus eine interessante Komponente der Rokoko-Mode beleuchtet.
Dieses Buch sollte in keiner Modesammlung fehlen.