Es ist wohl wenig hilfreich für die Leser, hier einen Text im gleichen Wortlaut nochmals anzubieten wie er bereits zur ersten John Drake Box verfaßt wurde. So billig wie ein anderer Rezensent möchte ich es mir daher nicht machen mit dieser legendären englischen Agentenserie aus dem Jahre 1960. Optisch und inhaltlich unterscheiden sich beide Boxen zwar nur marginal, dennoch lassen sich noch einige interessante Details beleuchten.
Wer z.B. auf der Homepage des Epix Label von Problemen beim Abspielen einiger DVDs der Edition gelesen hat, braucht sich trotzdem nicht zu sorgen. Es betraf offenbar wirklich nur die Erstauflage; die Ware von amazon ist natürlich neueren Datums, und diese Scheiben laufen alle einwandfrei. Box 2 bietet mit 19 Folgen insgesamt eine Episode weniger an, doch erscheinen hier lediglich die Folgen 33+36 ohne deutsche Synchro, wodurch die Laufzeit der ARD-Bildmaster um ca 42 Minuten höher liegt als in der ersten Staffelhälfte.
In Box 2 setzt sich übrigens jenes Phänomen fort, daß abermals einige wenige Episoden der deutschen Schnittfassung sogar die gleiche hohe Bildqualität erreichen wie die restaurierten englischen Master. Eine Erklärung dafür ist der Box nicht zu entnehmen, vermutlich mußte auf verschiedene Archive der ARD zurückgegriffen werden, um überhaupt noch alle Episoden zur Verfügung stellen zu können. Dabei fanden sich nur noch wenige in solch gut erhaltener Qualität. Ist ohnehin fast schon ein kleines Wunder, nach fast 50 Jahren die alten Sendebänder noch alle komplett aufzutreiben. Für die ansonsten meist nur altersentsprechende Qualität entschädigt aber bereits der schnörkelige Titel-Schriftzug GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE. Mit solchen stilvollen Details gab sich das Deutsche Fernsehen in den frühen 1960er Jahren noch richtig Mühe, dagegen wirkt das Original beinahe lieblos und schlicht.
Natürlich kommt man auch bei der zweiten Box nicht umhin, sich nochmals mit den leidigen deutschen Kürzungsschnitten zu beschäftigen. Üblicherweise intigierten ARD und ZDF damals die Prologe ausländischer Serien gerne in die eigentliche Folge hinein, bei John Drake ließ man sie bekanntlich gleich ganz weg. Auch der Abspann besteht im ARD-Master hauptsächlich aus einer kurzen Info über die deutsche Synchronisation, so sparte man weitere 20 Sekunden ein. Den Rest der fehlenden ca 4 Minuten pro Folge wurde dem Hauptspielblock entnommen. Je länger also deren Prolog ist, je weniger sonstige Handlung wurde entfernt. Und neben diesen Kürzungen gibt es da noch die kleinen Zensurschnitte. Für damalige Verhältnisse zeigten sich die von John Drake bevorzugten Faustkämpfe ja manches Mal recht heftig, was natürlich etwas entschärft wurde, da die Sendereihe bereits im Vorabendprogramm zur Ausstrahlung kam. Selbst heutzutage sind die Boxen (inkl. der ungeschnittenen Fassungen) noch mit FSK 16 eingestuft. Für eine so alte TV-Serie schon recht ungewöhnlich.
Fazit: Mit den beiden separaten Schnittfassungen deckt auch die zweite Hälfte der Staffel wieder ein Höchstmaß der Zuschauerinteressen ab. Mit den originalen ARD-Mastern läßt sich uneingeschränkt in tiefster Nostalgie wandeln, durch die englischen Uncut-Fassungen aber auch endlich einmal die Sequenzen und Folgen nachholen, die dem Zuschauer seinerzeit vorenthalten wurden. Die exorbitanten Preisschwankungen von bis zu 57 Euro sind jedoch nicht wirklich nachvollziehbar, daher einfach geduldig abwarten und sofort zugreifen, wenn es aktuell (wie jetzt) gerade mal günstig ist. So habe ich beide Boxen mit allen 39 Kurzfolgen für zusammen knapp 40 Euronen erstanden - und das ist selbst für einen legendären Serienklassiker mit zwei Bildmastern angemessen genug...