Mit dem deutschen Seriennamen GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE können wir hiesigen Nostalgiker natürlich ungleich mehr anfangen als mit dem Originaltitel DANGER MAN. Die Reihe lief ab Januar 1962 in den Regionalprogrammen der ARD. In dieser frühen Fernseh-Ära war noch nicht einmal das ZDF auf Sendung, dementsprechend hoch lagen auch die Einschaltquoten. 32 der insgesamt 39 Kurzfolgen der 1.Staffel kamen hierzulande in geschnittener Fassung zur Ausstrahlung. Untrennbar mit der Figur des John Drake (Patrick McGoohan) ist auch seine deutsche Synchronstimme im Gedächnis verblieben: Heinz Drache. Seine distinguierte Sprechweise unterstrich den tugendhaften Charakter des ungewöhnlichen Agenten auf ganz besondere Weise. Joseph Offenbach, Uwe Friedrichsen, Friedrich Schütter, Günther Jerschke oder auch Synchronprofi Gerd Martienzen sind weitere hochkarätige Namen, die hier anno 1961 ihre markanten Stimmen ausliehen. Es wäre daher einer Verschandelung von Kulturgut gleichgekommen diese durch eine Neusynchro zu ersetzen - wie hier in einer Rezension angeregt - , nur um die komplette Staffel mit einer deutschen Tonspur zur Verfügung zu haben. Leider fielen ja bereits einige alte Klassiker solch gedankenlosen Tun zum Opfer. Ich denke z.B.mit Grauen an dadurch verstümmelte James Steward Western oder auch an die Cartoon-Reihe mit Bugs Bunny & Co. Wer hat denn daran nun noch echte Freude?!
Das Epix Label verschont uns glücklicherweise damit, bietet auch nicht die sonst übliche Variante des ewigen hin und her zwischen Passagen mit deutschem Ton und Originalfassung mit festen UT an. Oder gar wie bei den RAUMSCHIFF ENTERPRISE Boxen, wo die fehlenden Sequenzen mit einer Neusynchro eingefügt wurden und so innerhalb einer Szene die Stimmen plötzlich wechseln. Mit Verlaub, aber so eine Ignoranz geht nun wirklich gar nicht. Im Falle von GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE werden uns stattdessen innovativ gleich beide Bildmaster auf den DVDs angeboten, so daß jeder Zuschauer selbst entscheiden kann welche Fassung er wählen möchte, die ungeschnittene englische oder die gekürzte ARD-Fassung. Mit der Anwahl der gewünschten Sprache im DVD-Menü wird automatisch gleich das entsprechende Bildmaster abgespielt. Solch löblichen Service hätten sich zahlreiche Zuschauer auch schon bei anderen TV-Serien der 60er und 70er Jahre gewünscht. Für die junge Privat-TV Generation mag das alles etwas befremdlich erscheinen, doch wir älteren Semester sind halt ausschließlich mit ARD und ZDF aufgewachsen, verständlich also, daß all unsere Erinnerungen überwiegend nur an deren Fassungen und vor allem dessen Synchronstimmen hängen.
Weshalb die öffentlich rechtlichen Sender damals nahezu alle ausländischen Serien schnitten, dürfte den meisten wohl spätestens seit dem DVD-Boom bekannt sein: Die Episoden passten zeitlich nur selten in die starren Programmfenster. Also schnitt man sie passend und kürzte die Handlung um die jeweils benötigten Minuten ein - aus Kostengründen natürlich vor der Synchronisation. Und um auf die bezügliche Irritation eines Vor-Rezensenten zu antworten: Nein, es hat die Zuschauer damals nicht gestört!!! Aber nicht etwa weil sie diese unsägliche Praxis so toll fanden, sondern weil fast niemand dies überhaupt wußte und erst recht keine Vergleichsmöglichkeit mit den Originalfassungen hatte. Wie soll man also etwas vermissen, was man gar nicht kennt?! Provokante Gegenfrage: Wie halten es die Menschen denn bloß heutzutage vor der Mattscheibe aus? Wenn gerade kein endloser Werbeblock läuft, wird schriftliche Werbung ins laufende Programm eingeblendet, vom allgegenwärtigen Sponsoring einmal ganz zu schweigen. Von den Privatsendern wird generell kein einziger Abspann mehr gezeigt und kaum ein Film, der dort ungeschnitten läuft. Ist das etwa besser?!
Doch zurück zur JOHN DRAKE Box: Die englischen Bildmaster weisen im allgemeinen zwar eine bessere Qualität auf wie unsere deutschen, doch auch die erscheinen noch befriedigend, wenige Episoden wirken nahezu gleichwertig. Der Ton erklingt dort teils sogar besser, denn im englischen Master liegt manchmal ein leichtes Nebengeräusch mit auf der Audiospur. Zusatzmaterial oder ein Booklet gibt es nicht, die 6 DVDs lagern aber wenigstens einzeln in der Box.
Fazit: Die Variante mit den beiden Bildmastern gefällt mir ausgezeichnet und bleibt hoffentlich keine Eintagsfliege auf dem deutschen DVD-Markt. Wünschenswert wäre es, auch die 8 Langfolgen mit heimischen Ton aus den Folgestaffeln in gleicher Weise noch nachgereicht zu bekommen. Einziger Kritikpunkt ist die hohe Preispolitik, nicht die aktuellen knapp 20,- EUR für diese Box, sondern die rund 70,- EUR für die andere Hälfte der Staffel. Das steht wirklich in keinem Verhältnis zum gebotenen Produkt und überschreitet bei weitem die Schmerzgrenze, die selbst eingefleischte Nostalgiker wie ich bereit sind dafür zu bezahlen.