Dandys?
Wer oder was sind das eigentlich?
Viele werden nur Oscar Wilde und seine Exaltiertheiten kennen oder ahnen oder gar (fälschlich) den Dandy mit dem Snob gleichsetzen. Und snobistisch, nein, das geht ja nicht, das tut man nicht. Thomas Kastura hat in der vorliegenden Anthologie Texte zusammengestellt, die den Dandy vorstellen, seine Haltung zum Leben, seine Gewohnheiten (Garderobe, Essen, Wohnen, Amüsement, Zeitvertreib usw.), seine Vorlieben und Abneigungen. Autoren und Autorinnen des 19. und 20 Jh. (Wilde, Balzac, Puschkin, Tom Wolfe, Max Beerbohm, Julian Barnes, Bret Easton Ellis, Evelyn Waugh, Baudelaire, Otto Julius Bierbaum ...) beschreiben das Phänomen, die Menschen und ihre Marotten: Amüsant, aufschlussreich, überraschend, interessant, geistreich.
Dandys standen und stehen häufig in der Kritik: Verliebt in Äußerlichkeiten, verschwenderisch im Lebenswandel, oberflächlich und desinteressiert für die Belange der Gesellschaft. Eine Kritik, die auch der Generation Golf und ihren Pop-Literaten vorgeworfen wird.
Die Anthologie zeigt, was Dandytum bedeutet, und das ist weit mehr, als Polo Ralph Lauren Hemden unter Kenzo-Jackets spazierenzutragen und sich blasiert abzuwenden von sozialen und politischen Themen.
Kasturas als Postludium bezeichnetes, umfangreiches Nachwort brilliert durch immensen Witz und fundierten literaturwissenschaftlichen Hintergrund. Es gelingt dem Autor hervorragend, das Phänomen Dandys in ein umfassendes historisches und kulturelles Panorama einzuordnen. Er korrigiert so Fehlurteile über das Dandytum, wobei das ganz nebenbei, fast unbeabsichtigt geschieht. Kastura schärft das Bild für eine Geisteshaltung, die seit dem frühen 19. Jahrhundert periodisch große Wirkung erzielte. Nur periodisch? - Nein, denn Kastura hat Texte von Autoren und Autorinnen gefunden, die man bislang den Dandys nicht zugerechnet hatte.
Fazit: Ein sehr unterhaltsames und aufschlussreiches, längst überfälliges Buch.