Regisseur Randall Miller ist ein cleveres Kerlchen. So nutzt er die Aufnahmen des von ihm 1990 gedrehten Kurzfilms "Marilyn Hotchkiss Ballroom Dancing and Charm School" gleich noch einmal für seinen 2005 gedrehten Film gleichen Titels. Dieser wurde wieder wunderbar sinnlos vom Englischen ins Englische mit "Dancing to Heaven" "übersetzt" und bastelt um die Story des Kurzfilms noch eine Rahmenhandlung drumherum. Klingt verwirrend? Ist es aber gar nicht. Miller nutzt seine 1990er Version als Rückblenden und versucht so, seiner aktuellen Geschichte mehr Tiefe und Emotionalität zu verleihen. Leider ist ihm das nur sehr bedingt gelungen, so dass der angedeutete Tanz in den Himmel doch weitestgehend auf dem Parkett der Realität bleibt. Schade, denn Miller kann eine ganze Schar hervorragender Schauspieler zum Tanz bitten: Robert Carlyle ("Ganz oder gar nicht"), John Goodman ("Roseanne"), Mary Steenburgen ("In the electric mist"), Marisa Tomei ("The Wrestler"), Donnie Wahlberg ("Saw II"), Sean Astin ("Herr der Ringe") usw. usf. Als halbwegs geübter Filmeseher wird man noch viele weitere bekannte Gesichter entdecken, an Starpotenzial mangelt es dem Film also nicht.
Bäcker Frank Keane (Carlyle) trifft eines Tages auf dem Highway auf Steve Mills (Goodman), der schwerstverletzt in seinem Wagen liegt. Steve erzählt ihm, dass er auf dem Weg zu einer Verabredung ist, die er bereits vor 40 Jahren mit seiner damaligen großen Liebe Lisa getroffen hat. Sie wollten sich in der Tanzschule wiedertreffen, in der sie sich damals ineinander verliebt hatten. Steve ringt Frank das Versprechen ab, an seiner statt zu dieser Tanzschule zu gehen und Lisa zu treffen, um ihr zu sagen, warum Steve nicht selbst dort erscheinen kann. Frank ahnt nicht, was dieses scheinbar leicht einzulösende Versprechen für einschneidende Folgen für sein eigenes Leben haben wird...
Millers Film ist ein nur leidlich geglückter Genremix und schwank als solcher unentschlossen zwischen Komödie, Drama und Romanze hin und her. Des Weiteren hat er mit immer wieder auftauchenden Längen und zahlreichen vollkommen belanglos in Szene gesetzten Versatzstücken einer Geschichte zu kämpfen, die man leider viel besser hätte erzählen müssen. Die Grundidee ist nicht neu aber auch nicht schlecht, nur hätte sie wesentlich stringenter und emotionaler erzählt werden müssen. Die Charaktere sind teilweise herrlich schräg, was es dem Zuschauer allerdings schwer macht, ihre vorhandene emotionale Tiefe zu erkennen. Durch die Zweitverwertung von Millers Film von 1990 wird der Film mit Rückblenden nahezu überschüttet, die aber nur in Ausnahmefällen wirklich etwas zur Story beizutragen haben. Immer wieder werden Steve und Lisa als Kinder in der Tanzschule gezeigt, die Tanzszenen nehmen gar kein Ende, haben aber keinen großen erzählerischen Nutzen. Ebenso die zahllosen Tanzszenen von Frank & Co. im Hier und Jetzt wirken nahezu identisch und sind meist langweilig abgefilmte Mini-Choreographien einer latent durchgeknallten Tanzlehrerin. Dazu ein bisschen Trauerarbeit, undurchsichtige Beziehungsverhältnisse und eine Handvoll recht ergreifender Szenen und fertig ist...der Film leider nicht. Also, nicht rund eben. Letztendlich muss man sagen, dass Steves Geschichte - und auch die von Frank - eigentlich nichts Besonderes sind bzw. von Miller einfach schlecht erzählt werden.
Der Film verfügt sowohl über ergreifende als auch skurrile Momente, leider fügen sich diese nicht harmonisch in das 103 minütige Gesamtkonstrukt. Meist bleibt der Film seltsam oberflächlich und verworren und Miller muss sich die Frage gefallen lassen, was er uns hier eigentlich erzählen will. Er schafft es weder, Franks von einem schweren Schicksalsschlag beeinträchtigtes Leben noch Steves offensichtlich auch nach 40 Jahren noch vorhandene Liebe zu Lisa adäquat zu thematisieren. Durch die ständigen Zeitsprünge zwischen den 60er Jahren, Steves Unfall und Franks Besuchen in der Tanzschule wird keinem der drei Erzählstränge die Tiefgründigkeit und Emotionalität zuteil, die sie verdient hätten. Die durchaus vorhandenen schönen Momente, die einen schmunzeln lassen oder berühren, verlieren sich in einem Meer aus Belanglosigkeiten, die es dem Zuschauer nahezu unmöglich machen, mit Figuren und Story wirklich warm zu werden. Somit hat Miller hier nahezu alle Chancen verspielt, ein stimmiges Gesamtwerk abzuliefern. Das ist wirklich schade, denn das Potenzial, über welches der Film zweifelsohne verfügt, bleibt somit nahezu unangetastet.
Somit ist "Dancing to Heaven" ein Film, der dem Zuschauer Einiges an Geduld abverlangt, die aber nach dem Einspielen des Abspanns nicht belohnt wurde, wie man leicht enttäuscht feststellen muss. Wer genug Geduld für diesen Genremix und Millers eigenwillige Erzählweise und die verschrobenen Charaktere aufbringt, wird zumindest mit einem ungewöhnlichen Film belohnt, dessen Cast über jeden Zweifel erhaben ist. Das kann man vom Regisseur leider nicht behaupten. Da aber auch Millers andere Filme (z. B. "Noble Son" und Bottle Shock") sich durch letztendlich komische Geschichten, die sowohl eigenwillig als auch langweilig erzählt werden, auszeichnen, weiß man zumindest ungefähr, worauf man sich einlässt. Wem das gefällt, der kann Dancing to Heaven" sicherlich Einiges abgewinnen. Alle anderen sollten jetzt lieber schnell wegtanzen. Somit leider nur zwei von fünf kessen Sohlen, die hier auf ein abgetanztes Parkett gelegt werden.