'Dancer' ist ein aussergewöhnlich spannendes Buch über das Leben des charismatischen russischen Tänzers Rudolf Nureyev. Das als Fiction geschriebene Werk lebt weniger von Fakten als von Stimmungen. Verschiedene Personen, erfundene oder real existierende, die in einer Beziehung zum Startänzer stehen, geben in kurzen, tagebuchartigen Vignetten ein Sittenbild der Welten, in denen sich Nureyev bewegte. So etwa wird das Leben mit Rudik von seiner Schwester, (hier werden drei Schwestern in der Person von Tamara zu einer Figur zusammengefasst) oder seines dänischen Geliebten Erik kommentiert. Raffiniert kommt so, wie nebenbei das repressive System im Russland Gorbatschovs zur Sprache, welches letzlich Nureyev zum Asylsuchenden werden lässt. Oder man erlebt das zwielichtige Milieu der siebziger Jahre in New York, welches auch unter dem Titel: "'Sex, Drogen and Ballett"' zusammengefasst werden könnte. Obschon der Stimmenwechsel den Reiz des Buches ausmacht, ist nicht immer klar, wer denn gerade spricht. Dies kann manchmal irritieren oder mindestens den Lesefluss etwas einschränken. Man braucht nicht unbedingt vom Ballett begeistert zu sein, um von diesem Buch gefesselt zu werden.