Kleine Vorinfo: Dieses Album entstand nach Gary Numans großen 'Abschieds'-Konzerten im Wembley-Stadion von 1981. Der Ruhm war ihm zu Kopfe gestiegen und eine gehässige Ex-Freundin versuchte ihn an die Presse zu verkaufen; sein bester Freund Paul Gardiner war drogenabhängig geworden. Dies und andere Sachen verarbeitet Gary Numan in diesem großartigem Album von 1981. Wer hier so instant synthpop Stücke a la "Cars" oder Alben wie The Pleasure Principle erwartet, der ist hier falsch. Die Songs werden düsterer und komplexer und Gary Numan wagte sich in musikalisches Neuland. Das Ergebnis ist für mich ein sehr erwachsenes Album, voll von Emotionen und Klangexperimenten. Das wird nicht gleich beim ersten Mal gefallen und braucht eine Weile bis man es liebgewinnen kann. Aber es lohnt sich.
Es gibt hier eben keinen Hitsong a la "Cars", damit gibt es auch keine Filler, das ist gut so, weil man dann das Album an einem Stück anhören kann und jeder Song eine Berechtigung für sich hat (und nicht wie bei manch andren Alben, z.B. der sog. 'New Romantic'-Era, wo's nur eins zwei Höhepunkt gibt und der Rest lieblos dahingeplätschert wurde).
Die Songs werden also länger, düsterer und experimenteller. Dies ist vielleicht eines der introvertiertesten und durchdachtesten Alben von Gary Numan; und auch eines der elektronischsten - während er vorher oft noch Schlagzeug und Bass verwendet hat, bestehen hier manche Songs ausschließlich aus Synthesizern und Drum Machines. Allerdings gibt es auch hier Songs mit Bass, und das nicht ohne - Mick Karn kommt hier mit seinem einzigartigen Fretless Bass-Spiel zum Einsatz (z.B. auf dem über 9-minütigen "Slowcar to China"). Auf zwei Stücken spielt Gary Numan auch selbst Bass, was zeigt dass er ein durchaus begabter Musiker ist. Violinen von einem bizarren Musiker namens Nash the Slash kommen hier gut zum Einsatz, Drums von Roger Taylor (Queen) und natürlich das Saxophon (letzteres noch nicht so über-benutzt wie auf späteren Alben Gary Numans).
Insgesamt ist das für mich ein sehr stimmiges und komplexes Album, und für Gary Numans gerade mal 23 Jahre (er ist Jahrgang 1958) auch sehr durchdacht und erwachsen. Es gibt wie gesagt keine Höhepunkte (und auch keine Tiefpunkte). Wer Gary Numan mag und sicht die Zeit nimmt (und nicht auf so vergängliche 3-Minuten-Hitsongs wie "Cars" harrt), dem sollte sich eigentlich eine sehr belohnende und erfüllende Anhörung einstellen. Die Bonustracks stellen ein zusätzliches Schmankerl dar (einzige Ausnahme vielleicht das schrullige "I Sing Rain", darauf hätte man verzichten können).
Unbedingte Kaufempfehlung