Zwei Jahre sind vergangen, seit in der Stadt Valdaren der Krieg der Diebe tobte und Hearn als Wächter des Königs die Aufsicht unter den dunklen Elementen in den Gassen übernommen hat. Mit eiserner Hand und Androhung von Gewalt sorgt er dafür, daß das Verbrechen nicht überhand nimmt. Allerdings machen ihn seine Skrupel angreifbar, was seine Gegner auszunutzen wissen und ihn damit in Zweifel stürzen. Als Hearn erfährt, daß in der Stadt Angelport ein Mörder sein Unwesen treibt und das Symbol des Wächters hinterläßt, muß er von Alyssa Gemcroft nicht allzu lange überredet werden, den Fehdehandschuh aufzunehmen und der Sache auf den Grund zu gehen...
Im Finale der Trilogie läßt David Dalglish die bisher aufgebauten Handlungselemente zusammenlaufen und gibt ihnen mit der aufs Äußerste korrupten Stadt Angelport eine neue Kulisse, vor der die bisherigen Hauptfiguren und neue Gegner aufeinandertreffen. Dies ist wieder klug in Szene gesetzt, verschafft es doch den Akteuren eine neue Ausgangssituation, die die bisherigen Ereignisse und vor allem Hearns Rolle von einer anderen Seite beleuchtet. Eine der Stärken des Plots ist, daß diesmal von Anfang an Alyssa, Zusa und Hearn gemeinsam auftreten und zunächst auf einer Seite stehen. Hearn gegenüber steht ein neuer, anonymer und kampfstarker Gegner, der sich unter dem Namen "Wraith" wie ein Nachahmungstäter an Hearns Ruhm anzuhängen versucht und dabei verwerfliche Morde begeht, die Hearn nicht gutheißen kann.
Von dem Herrscher der Stadt, Lord Ingram, seiner skrupellosen Wache, und dem gesichtslosen Gegner in die Zange genommen, sieht sich Hearn damit konfrontiert, seine bisherigen als gerecht empfundenen Taten zu hinterfragen und in neuem Licht zu sehen. Dieser Prozeß ist für ihn äußerst schmerzhaft, muß er sich doch eingestehen, daß der Grat zwischen Gerechtigkeit und Selbstjustiz ein sehr schmaler ist, und daß ihn seine eigenen moralischen Hemmungen, Gewalt gegenüber Unschuldigen und Wehrlosen anzuwenden, erpreßbar machen für all diejenigen, die kein Problem damit haben, diesen einen Schritt weiter zu gehen. Dies und seine eigene Verunsicherung machen ihn angreifbar und lassen ihn auch während seiner Kämpfe aus dem Tritt geraten, was mehr als einmal fast fatale Folgen hat. Als immer mehr Intrigen aufbrechen, die einen Krieg zwischen den Elfen, dem Herrscher der Stadt, dem Trifect, und den Anführern der Händler immer wahrscheinlicher werden lassen, wird die Lage immer undurchsichtiger.
Wie bisher glänzt auch diese Folge durch zahlreiche, nahezu tänzerisch anmutende Kampfszenen, die ein ein neues Highlight damit aufbieten, Hearn und Zusa gemeinsam im Kampf zu erleben, wobei Zusa Hearn in ihren Fähigkeiten in nichts nachsteht. Die beiden vertrauen sich immer mehr und halten sich gegenseitig den Rücken frei, während sie ein überlegener anonymer Gegner bedroht; darüberhinaus erweisen sich in dieser Story die Elfen als wenig friedliebend und fackeln nicht lange, vor sie ihre Waffen zücken.
Wie der Titel andeutet, geht es in dieser Folge wirklich um gar alles; dabei sind die moralischen Abgründe tiefer als je zuvor. Hier wütet kein Kampf zwischen Gut und Böse, da es in dieser Serie keine Guten gibt, man findet lediglich alle Graustufen und menschlichen Abgründe von Habgier, Rachsucht, Machtbestreben, Eifersucht bis hin zur rohen Grausamkeit, die als Rechtfertigung für die allgegenwärtige Gewalt herangezogen werden. Wer nicht völlig eigennützig handelt, hat da schon fast als gut zu gelten, wobei die Motive nicht immer so lauter sind, wie es zunächst scheint. Vor allem Hearns Ringen mit diesen Abgründen und die Erkenntnisse, die er daraus zieht, machen das Besondere der Geschichte aus. Allerdings sollte dem Leser spätestens in Teil 3 klar sein, daß ihn hier Dark Fantasy erwartet; wer friedliche Elfen unter grünen Bäumen sucht, ist hier absolut falsch, ganz im Gegenteil gibt es wie in DANCE OF SHADOWS erneut einen besonders verwerflichen Mord, der auch den vorgewarnten Leser zusammenzucken läßt.
Mit DANCE OF DEATH endet die Trilogie; allerdings hält sich der Autor im Nachwort die Option offen, mit den überlebenden Figuren vielleicht doch noch eine weitere Geschichte zu schreiben; ansonsten empfiehlt er seine HALF ORC-Serie, die in der gleichen Welt spielt. Nach dieser Trilogie scheint dies auf jeden Fall einen Versuch wert.