Seit der blutigen Schlacht zwischen den Gilden unter ihrem Anführer Thren Felhorn und den Mächtigen des Trifect sind 5 Jahre vergangen. Den heimlichen Krieg konnte der Kampf nicht beenden; bis auf einen gewissen Machtverlust Felhorns hat sich nicht viel geändert. Während er seinen Sohn und Nachfolger Aaron für tot hält, lebt dieser verborgen weiter auf den Straßen Veldarens und jagt den Gildenangehörigen als The Watcher Angst und Schrecken ein. Als er der Schlangengilde die Beute eines Goldraubes abjagen kann, verteilt er diese zum Entsetzen der Diebe unters Volk und macht sich daran, die Herkunft des Goldes ausfindig zu machen, wobei er tief in eine Intrige hineingezogen wird.
Auf Seiten des Trifect hat Alyssa Gemcroft die Nachfolge ihres Vaters angetreten und wehrt sich dagegen, erneut einem Mann durch Heirat Macht und Mittel ihres Hauses zu überlassen. Als sie die Nachricht vom Tod ihres Sohnes erreicht, beschließt sie einen erneuten Rachefeldzug gegen die scheinbar verantwortlichen Gilden...
Mit dem 2. Teil der Serie knüpft Dalglish nahtlos an die Ereignisse von Teil 1, A DANCE OF CLOAKS, an. Der Plot ist schon dadurch interessant, daß zwei der übermächtigsten Hauptfiguren aus Teil 1 mehr oder weniger vollständig ausgeschaltet sind und anfangs nicht abzusehen ist, wie es danach weitergeht. Klugerweise begeht der Autor nicht den Fehler, eine allzu schnelle und wenig glaubhafte Veränderung der davon betroffenen anderen Charaktere darauf folgen zu lassen, so daß man sich als Leser immer wieder dabei ertappt, die nächsten Ereignisse vorauszuahnen, die dann doch in eine andere Richtung laufen. Das erinnert ebenso wie das Leitmotiv der Mördergilden an Brent Weeks, ohne ihm aber zu nahe zu kommen.
Gerade bei Aaron/Hearn wartet man förmlich darauf, wie er zu einer Art Robin Hood und Retter der Schwachen wird - weit gefehlt. Ausgebildet als einer der besten Assasssinen der Stadt, kann er sich nur schwer von dem Weg lösen, den ihm sein Vater vorgegeben hat, im Grunde genommen ist er noch schlechter dran als vorher. Fast täte es einem leid, ihn nicht mehr kämpfen zu sehen, hat er doch einen ganz eigenen eleganten Kampfstil - Dance of Cloaks - entwickelt und führt die Gilden manchmal richtiggehend an der Nase herum. Entgegen der sonstigen Gaunergeschichten kann er sich daran allerdings nicht freuen, und es ist für ihn ein sehr langer Weg, sich auf Dinge wie Freundschaft und Vertrauen einzulassen oder nicht darauf zu warten, daß jede gute Tat bestraft wird. Das macht ihn zu einer faszinierenden Figur, die man sehr gespannt durch ihre Abenteuer und Kämpfe begleitet (die er nicht immer gewinnt, was die Handlung nur umso realistischer macht).
Bei Alyssa Gemcroft würde man noch eher damit rechnen, daß sie einen anderen Weg einschlägt als ihr Vater, der sie genauso schonungslos für seine Ziele eingesetzt hat wie ihr Beinahe-Verlobter. Wie sie als einzige Frau des Trifect mit der Gesichtslosen Zusa im Hintergrund ihr Haus zu leiten versucht, läßt einen früh in der Handlung nicht mehr los. Es zählt zu den Stärken der Geschichte, daß auch Frauen in den endlosen intriganten Tanz um die Macht verstrickt sind und daß sie genauso schlau sind und gut kämpfen können wie die Männer. Daß dabei kaum romantische Elemente mit ins Spiel kommen, ist dabei dem straffen und kompakten Spannungsaufbau eher förderlich. Welchen Intrigen Alyssa zum Opfer fällt, wer alles hinter ihrem Rücken versucht, ein Stück vom Kuchen abzubekommen, und wie diese alle Register von einem gnadenlosen Rachefeldzug bis zu subtileren Methoden zieht, ist mindestens so spannend wie Hearns Entwicklung.
Insgesamt besticht auch Teil 2 durch die vielen tänzerisch-eleganten Kampfszenen, verwickelte Intrigen und zahllose Abscheulichkeiten in einem verwickelten und doch kompakt konstruierten Plot, sowie interessante und gut herausgearbeitete Hauptcharaktere (wobei auch einige neue eingeführt werden, deren Geheimnisse am Ende der Geschichte nicht alle gelüftet sind). Teil 3 trägt den Titel A DANCE OF DEATH.