Acht kürzere bis mittellange Geschichten, in denen Thomas Kapielski nach "Gottesbeweisen" in den Niederungen seiner Alltagserlebnisse sucht. In "Die Hamburg-Nordhausensche" begegnet ihm Gott als anfangs störrischer Geldautomat, der sich vor versammeltem Mob und Ordnungshütern nach lautstarker Anrufung eines Gottesurteils doch noch breitschlagen lässt, Geld auszuwerfen. Während in "Bekenntnissen", den selbstbezüglichen Gedanken eines Schriftstellers, der Gottesbeweis etwas abstrakt bleibt, zeigt sich der Schöpfer in "Die Hannoversche" sehr konkret und zwar u.a. in einer wieder gefundenen Aktentasche und in einer vermeintlich erfundenen Bombendrohung zur Umgehung eines erhöhten Beförderungsentgelts. "Die Zwiefachen Zeugen" und vor allem das 50-seitige "Irrlehren und Linsengerichte" sind unheimlich komische Erinnerungen an pubertäre "Bockwurst"-Ausflüge in die DDR um 1970. Wie in diesen beiden Geschichten tritt Gott in "Krippenspiele" etwas in den Hintergrund, wofür jedoch urlustige Begebenheiten aus der Nachwendezeit entschädigen. "Öströmische Klassenlotterie" dreht die Zeit wieder zurück und bringt den Leser noch weiter gen Osten - nach Polen. "Weißgottwarum" ist ein Ausflug in die Linksromantik der Taz und die Niederungen öffentlich-rechtlichen Fernsehens, denen man jeden Scheiß verkaufen könne, wenn man nur genug Geld dafür verlange.
Die Geschichten entfalten ihre Wirkung über die Dichte der Geschichten, darüber wie nahtlos, klug und vor allem saukomisch Bibelzitate, Philosophie und lateinische Zitate mit Alltagsbanalitäten zusammengebracht werden. Dabei hält das Konzept "Gottesbeweise" die Geschichten nur locker zusammen und der Schöpfer bleibt in den letzten Geschichten immer mehr außen vor. Sprachlich überzeugt Kapielski mit Präzision und seiner oft äußerst originellen Wortwahl. Die eingestreuten halbpassenden Fotos fügen sich da sehr hübsch ein.
Man kann eine Sache auch so loben, dass man nachher vom Gegenteil überzeugt ist. Kapielski tut genau das. Er tut es vorzüglich. Gott gibt es, man muss ihn nur zu finden wissen! Und wenn nicht, bleiben immer noch acht sauwitzige zeitgeschichtliche Dokumente.