Johanna "Schlogger" Baumann hat mit "danach" ein sehr sympathisches Graphic-Novel-Debüt, das auch gleichzeitig ihre Bachelor-Arbeit ist, fertig gestellt. Sie hat das Buch sowohl geschrieben als auch gezeichnet, arbeitet an Computerspielen wie "Deponia" und weiterhin an ihrem Studium - Hut ab! Nun könnte man, weil auch Schlogger selbst so sympathisch wirkt, gleich 5 Sterne für ihr Buch vergeben, aber es wird auch so seine Leser finden. Für den letzten Stern fehlte mir noch etwas, wahrscheinlich 30 Seiten mehr, in denen dann auch noch auf andere Facetten zum Thema Trennung eingegangen wird, etwa warum manche Menschen so schwer loslassen können und dann zu Stalkern werden.
Zeichnerisch gibt das Cover bereits einen Eindruck, wie die Graphic Novel aussieht: verspielt. Jedes Kapitel erzählt eine Geschichte einer Person (zumeist sind es Frauen, die berichten) über eine Trennung. Jedes Kapitel hat eine einheitliche Farbe: die Figuren und Hintergründe sind mal gelb, mal rot etc. Das hätte man optisch etwas ansprechender lösen können, aber wirklich störend ist es nicht. Bilder und Texte sind recht groß, das Buch ist also sehr schnell durchgelesen - aber gerade das sollte man nicht tun. Lieber nach jedem Kapitel kurz innehalte und überlegen, was man selbst davon erlebt hat und was die Moral der Geschichte ist - so beendet Schlogger auch das Buch, sie fasst es kurz zusammen und führt die Leser dann weiter zum Bonusmaterial, in dem sie kurz auf den Arbeitsalltag als Zeichnerin und Autorin eingeht: viel zuckerfreie Limo trinken, Lieblingsserien gucken und eine Dankeschön an die Hersteller ihrer Arbeitsgeräte, wie Smartphone und digitalem Zeichenbrett. Dieser Abschluss und Einblicke in Schloggers Gedanken- und Gefühlswelt unterstreichen nochmals den positiven Gesamteindruck dieses Buches, das zwar oft schmerzhafte Phasen beschreibt, aber nie hoffnungslos wirkt. Eine Trennung ist eben immer auch eine Chance etwas Neues beginnen zu können, was dann auch viel besser sein kann, als das was man vorher hatte.
Mit dem nötigen Feingefühl wird auch auf das Thema Schwangerschaft eingegangen. Eine Szene zeigt eine Vergewaltigung in einer Beziehung, die fast schon zu ernst und traurig für diese Graphic Novel ist. Die Beiläufigkeit und die Resignation der Frau wirken dabei durchaus verstörend.
Der Blick aufs Cover könnte zu dem Eindruck führen, dass es in diesem Buch um ein Scheidungskind geht, das mit der Trennung der Eltern klarkommen muss. Dem ist aber nicht so. Wie bereits erwähnt gibt es keine durchgängige Geschichte sondern für sich selbst stehende Kurzgeschichten. Durch die Zeichnungen (sehr schön: das Bild des grausigen "Alltags") werden die Geschichten noch mal deutlich länger und die Hemmschwelle sich an das Thema Beziehungen wird deutlich gesenkt. Ein spielerischer, erfrischender unn interessanter Blick auf ein zeitloses Thema.
148 Seiten, Hardcover, Farbe, Autorin & Zeichnerin: Johanna "Schlogger" Baumann, Panini 2012