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Damit mich kein Mensch mehr vergisst: Warum Amok und Gewalt kein Zufall sind
 
 
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Damit mich kein Mensch mehr vergisst: Warum Amok und Gewalt kein Zufall sind [Taschenbuch]

Götz Eisenberg
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Pattloch (1. April 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3629022502
  • ISBN-13: 978-3629022509
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 60.704 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Götz Eisenberg
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Wenn ein Mensch Amok läuft, beschwören die Interpreten schnell das Außergewöhnliche des Ereignisses, als wäre es schicksalhaft vom Himmel gefallen. Götz Eisenberg hat seit über einem Jahrzehnt die Zusammenhänge von Amok und Gewalt erforscht und hält vehement dagegen. Für ihn verrät Amok weniger über die verzweifelten Täter als über die latente Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft. »Amok«, sagt Eisenberg, »droht zur kriminellen Physiognomie des globalen Zeitalters« zu werden.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Tansn66
Format:Taschenbuch
Ich erwartete zunächst ein Buch über psychologische und soziale Hintergründe von Amokläufe( r )n und Gewalttätern. In meiner Wunschvorstellung hatte ich nach dem Lesen ein klares Profil von einem solchen Täter.

Die ersten etwa 100 Seiten schienen auch auf die Erfüllung des Wunsches hinzuarbeiten, doch es zeichnete sich schnell ab, dass dies am Ende nicht so kommen würde. Der rote Faden ging immer mehr verloren, scheinbar zusammenhangslose Gedankenergüsse reihten sich aneinander, plötzliche Themen- und Perspektivenwechsel erfolgten ohne Ankündigung und wie aus dem Nichts heraus. Nun stand/saß ich mit Verwirrung da.

Doch mit dem weiteren Lesen fügte sich zwar langsam, aber immer sicherer ein Bild zusammen und es folgte die Erkenntnis, wohin das vorliegende `Werk` führen wollte. Der Autor selbst beschreibt es so: "Ich will schreiben und schreibend versuchen, bestimmten Dingen auf den Grund zu gehen". Und das macht er gut. Er bedient sich dabei zahlreicher Beispiele aus teilweise eigener Beobachtung, untermauert dies mit klassischen soziologischen Theorien, psychologischen Ansätzen und Fachtermini, die er zum Teil auch begrifflich erklärt. Er setzt sich mit dem Verhältnis von Soziologie und Psychologie auseinander und landet schließlich bei einer Gesellschafts- und Kulturkritik mit (wenn auch defensiver) Handlungsanweisung.

Das gewünschte Amokläufer-Profil wird nicht geliefert-doch genau darin besteht das Profil. Gerade nämlich das Nicht-Fassen-Können eines solchen ergibt das einzig einheitliche Bild bei einer Analyse der Gewalttäter. Die offensichtlich ins Leere laufende Deutungsfülle führt am Ende zu der Erkenntnis, dass es eben diese Leere ist, die uns zu einem `Profil` und die Täter womöglich zu einem Motiv leitet.

Das Buch regt mit einer verständlichen und flüssig lesbaren Sprache zum eigenen Denken und einer völlig neuen Sichtweise auf ein schwer zu fassendes Thema an. Man sollte sich mehrere Tage Zeit dafür nehmen und etappenweise lesen (was auch gut möglich ist) um die vom Autor entsendeten und beim Leser entstehenden Gedanken ernsthaft reifen lassen und verdauen zu können.

Der Inhalt des Buches und der Aspekt, dass ich nach der Lektüre das erste Mal das Bedürfnis verspürte, 5 Sterne an ein Buch zu vergeben und meine erste Rezension zu schreiben, führt hierzu: Absolut empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Dieses Buch ist sehr gut geeignet, die Psyche der sog. Amokläufer zu verstehen. Es wird klar, daß diese keine Monster, sondern Menschen sind, die durch eine lange Folge von Demütigungen und Ausgrenzungen schwere psychische Schäden erlitten. Herr Eisenberg beschreibt dies nicht nur sachlich und verständlich, er versteht es auch, dem Laien wissenschaftliche Ansätze verständlich zu machen. An einigen wenigen Stellen allerdings, bringt er aus meiner Sicht unnötige Wertungen, die man aber vielleicht aus seinem politischen Konses verstehen kann. Man kann diese also getrost ignorieren und findet dann sehr viel Wissen und auch gute Lösungsansätze außerhalb des reflexhaften Verbotspopulismus der Politik.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Masumi
Format:Taschenbuch
"Amok ist eine Form der Wiederkehr des durch den Prozess der Zivilisation Verdrängten und Exkommunizierten, der Einbruch der Gewalt in eine aggressionsgehemmte Kultur", schreibt Götz Eisenberg, Sozialwissenschaftler und Gefängnispsychologe. Amok sei letztlich ein Symptom der fortgeschrittenen Entfremdung.

Dieses Buch ist wahrscheinlich die aktuellste, aber für mich auch die fundierteste Sachanalyse zum Thema, die ich in der vergangenen Zeit gelesen habe. Angereichert mit sorgfältig recherchierten Fakten macht der Autor vor den Grenzen unseres Alltags nicht Halt, setzt uns in Bezug zu den Tätern, stellt unser tagtägliches Verhalten auf den Prüfstand.

Eisenberg bringt mich mit dem Thema des "Alltagsamok" in Berührung. Er nutze den Begriff des Amok nicht allein im Zusammenhang der perversen Bluttaten eine Robert S., Sebastian B. oder Tim K., für ihn ist Amok mehr als die Tat. Für ihn ist es die Spitze eines Eisbergs, eines Systems, in dem der Begriff der Leistung mehr und mehr den Wertebegriff ablöst. Eine Gesellschaft aber, deren Strukturen sich auflösen, ist verloren ohne Werte. Statusdenken kann letztlich eine positive Selbstidentität nicht ersetzen.

"Dicht unter der Oberfläche des Alltags und angepasster Verhaltensweisen schlummern heftigste Aggressionen und brechen bei erster Gelegenheit auf. Was sie einst hemmte, erodiert oder wird gar nicht mehr erworben", heißt es da weiter. "In Krisenzeiten wie den unseren reichert sich der Konformismus vieler Leute mit Bösartigkeit und Feindseligkeit an. Den zwischenmenschlichen Beziehungen ist etwas zutiefst Feinseliges beigemischt, und wer sehen will, der erkennt den Kern von Gewaltförmigkeit im sozialen Frieden der bürgerlichen Gesellschaft."

Aber wer will das schon, wirklich hinsehen? Der narzisstische Mensch sieht den Fehler stets nur bei seinem Gegenüber. Er möchte sich nicht mit Strukturen auseinander setzen, die ihn und sein labiles Selbstbild bedrohen. Umso weniger wird er es sein, der sich selber in die Denkweise eines anderen, schon gar nicht eines Amokläufers hinein versetzt. Er verurteilt, ohne wirklich zu wissen. Er straft sein Umfeld mit Überheblichkeit, aber ändern wird er sein Verhalten nicht.

"Der gewaltsame und menschenfeindliche Charakter einer basal auf Kälte, Konkurrenz und Gleichgültigkeit gestimmten Gesellschaft und ihre Tendenz zur Selbstzerstörung werden vom Amokläufer gleichsam aus der Abstraktion gerissen und zur Kennlichkeit gebracht", schreibt Eisenberg. Der Amokläufer zwingt uns förmlich hinzusehen, dennoch verschließen wir die Augen.

Neben Tatsachenberichten, Gesellschaftsanalysen und Fakten, Fakten, Fakten beschreibt der Autor immer wieder alltägliche Situationen, die ihm während seiner Arbeit an dem Buch "widerfahren" sind, Beobachtungen von nebenan. Anfeindungen, die aus dem Nichts geschehen, sich urplötzlich bahnbrechnde aggressive Akte gegenüber Fremden und Vertrauten, durch nichts zu rechtfertigende Attacken. Szenen, wie sie täglich mehrfach in unserem Umfeld passieren und die wir kaum mehr wahrnehmen. Zu sehr haben wir uns bereits daran gewöhnt.

"Werte bedürfen der Beglaubigung durch Lebensformen, sie müssen von Menschen, an die eine emotionale Bindung besteht, vorgelebt werden, nur dann rutschen sie nach innen und setzen sie sich dort im Sinne von handlungsleitenden Maximen fest", so Eisenberg. Ebenso verhält es sich aber leider auch mit zerstörerischen Werten. Ob ich mir dessen bewusst bin oder nicht, mein Handeln setzt sich in meinem Umfeld fort.

Letztlich kann sich also niemand seiner Verantwortung für diese Taten entziehen. Es trifft uns vielleicht im Einzelnen keine Schuld daran, dass ein junger Mensch schwer bewaffnet den Schulhof seiner ehemaligen Schule betritt und auf Menschen schießt, aber wir tragen die Mitverantwortung für das Umfeld, in dem wir leben. "Die Grenze verläuft nicht zwischen den 'guten' und den 'bösen' Menschen, sondern mitten durch jeden von uns", schließt denn auch Götz Eisenberg seine Analyse. "[U]nd es hängt von den Umständen ab, welche Seite der Ambivalenz schließlich lebensbestimmend wird."

Wer immer sich mit dem Thema Amok auseinander setzt, sollte dieses Buch zur Hand nehmen!
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